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Badminton: Interview

Yvonne Lis erster guter Vorsatz fürs neue Jahr

Lüdinghausen

Es war ein erfolgreiches, aber auch kräftezehrendes Jahr, auf das Yvonne Li (Union Lüdinghausen) im WN-Interview zurückschaut. Darin spricht die 23-Jährige über Olympia, EM, WM die Bundesliga – und maskierte Basketballer.

Von Florian Levenig

Trotz der extremen Corona-Beschränkungen und des Ausscheidens nach der Vorrunde eines von vielen Highlights 2021: Yvonne Lis Debüt bei den Olympischen Spielen. Foto: dpa

Tokio 2020, ungezählte Turniere, mehr internationale Meisterschaften denn je: Für Badmintonspielerin Yvonne Li (Union Lüdinghausen) ist mit der WM im spanischen Huelva ein so ereignisreiches wie stressiges Jahr zu Ende gegangen. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Florian Levenig lässt sie die vergangenen zwölf Monate Revue passieren.

Sie kamen erkältet in Andalusien an. Sind Sie wieder auf dem Damm?

Li: Ja, danke der Nachfrage. Die Mannschaft hat nach den Wettkämpfen ein paar Tage Sonne getankt und ausgespannt. Das tat nach den Strapazen der vergangenen Wochen echt gut.

Ihr WM-Fazit?

Li: Das erste Match war hart, gerade angesichts der Umstände. Im zweiten, gegen die Chinesin, habe ich mich schon besser gefühlt, aber nicht gut gespielt – zumindest anfangs nicht.

Was auffällt: Treppchenplätze wie 2020 in Dänemark oder Saarbrücken gab es keine, dafür eine bemerkenswerte Konstanz. Bei allen großen Turnieren waren Sie dabei, haben regelmäßig die ersten Runden überstanden und sich fast folgerichtig für die World Tour Finals der acht Jahresbesten qualifiziert. Ein Highlight, richtig?

Mit Top-Stars auf Augenhöhe

Li: Na klar. Wie es auch insgesamt ein recht erfolgreiches Jahr war.

Eine Art roter Faden 2021: Sie haben den meisten Top-Ten-Spielerinnen mindestens einen Satz lang Paroli geboten. Bei der Team-WM im Oktober, im Duell mit der neuen Einzel-Weltmeisterin Akane Yamaguchi, waren Sie sogar das gesamte Match über auf Augenhöhe. Was fehlt, um die Allerbesten zu schlagen?

Li: Ich wäre ja schon froh, mal einen Durchgang zu gewinnen – mein guter Vorsatz fürs neue Jahr (lacht). Aber im Ernst: Im Match gegen Akane hatte ich vier Satzpunkte am Stück. Was noch fehlt? Ich vermute, dass auch das mit Konstanz zu tun hat, mit Erfahrung auf diesem extrem hohen Level. Und natürlich mit harter Trainingsarbeit. Die ist aufgrund der vielen Wettkämpfe 2021 etwas zu kurz gekommen.

Zu Beginn des Jahres, bei der Mixed-Team-EM, gab’s zwei rassige Duelle mit Mia Blichfeldt – und zwei hauchdünne Niederlagen der DBV-Auswahl gegen Dauer-Europameister Dänemark. Überwiegt der Stolz auf die tolle Leistung in beiden Partien? Oder die Trauer, den ganz großen Coup verpasst zu haben?

Li: Unser Ziel – und unser Anspruch – war es, auf dem Podium stehen. Was mit dem Gewinn der Bronze-Medaille auch geklappt hat. Aber klar: Ein bisschen gefrustet waren wir nach dem Aus im Halbfinale trotzdem.

Edelmetall sollte es auch bei der Individual-EM Ende April sein. Dann kam die knappe Niederlage im Viertelfinale gegen Neslihan Yigit, die an dem Tag nach Aussage von Union- und Bundestrainer Christoph Schnaase „das Spiel ihres Lebens“ gemacht hat.

Intensive Duelle

Li: Das war in der Tat eine ziemlich intensive Begegnung, in der keine Spielerin auch nur einen Zentimeter preisgeben wollte. Am Ende bin ich etwas eingebrochen. Umso schöner, dass ich sie später, bei den Indonesia Open, bezwungen habe. Das war ein ähnlich hartes Ringen – nur dass sie es diesmal war, die eingebrochen ist. Was dafür spricht, dass ich physisch 2021 zugelegt habe. Und: Es war der Sieg, der mir den Weg zu den World Tour Finals geebnet hat.

Stichwort Tokio: Haben Sie das olympische Turnier trotz des nicht unerwarteten Ausscheidens in der Vorrunde und der extremen Umstände genossen?

Li: Sportlich war das Abschneiden okay, wenngleich ich das zweite Match gegen die Russin schon gern gewonnen hätte. Der Zuschauerausschluss war schade, aber wohl unvermeidbar. Und es gab auch besondere Momente wie die Teilnahme an der Eröffnungsfeier.

Sehr beliebt bei Olympioniken sind Selfies mit NBA-Profis. Ist Ihnen einer vor die Linse gelaufen?

Li: Nö. Basketball ist jetzt auch nicht mein Lieblingssport. Und selbst wenn ich einem solchen Spieler im Dorf begegnet wäre: Mit Maske hätte ich ihn eh nicht erkannt (lacht).

Debüt in Dänemark

Sie starten in dieser Saison nicht nur in der deutschen, sondern auch in der dänischen ersten Liga. Waren Sie trotz der Terminhatz 2021 nicht ausgelastet? Und: Gibt es Unterschiede?

Li: In Dänemark habe ich erst zwei Matches bestritten, noch dazu in der Woche. Das ging vom Aufwand her. Das Niveau, gerade im Damen-Einzel, ist etwas höher, würde ich sagen. Wobei ja auch die Bundesligisten teils ganz schön aufgerüstet haben.

Außer Union. Ist das – nach Platz drei 2020/21 – der Grund für das magere Hinrunden-Abschneiden?

Li: Es mag ein Aspekt sein. Hinzu kam, dass Linda Efler und ich oft unterwegs waren. Und dass Max Weißkirchen momentan verletzt ist.

Dafür hat Lüdinghausen eine neue Heimspielstätte.

Li: Eine wirklich schöne Arena, die sich der Verein redlich verdient hat. Ich hoffe, dass wir den Fans in der Rückrunde ein paar tolle Spiele bieten – und doch noch die Playoffs erreichen.

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