1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. „Ein Marathon ist mir zu kurz“: Prof. Dagmar Deuber gewinnt WM-Bronze

  8. >

Leichtathletik

„Ein Marathon ist mir zu kurz“: Prof. Dagmar Deuber gewinnt WM-Bronze

Münster

Prof. Dagmar Deuber läuft für ihre Leben gern. Je länger, desto besser. Trotzdem staunte sie Bauklötze, als ihr zugetragen wurde, dass sie Bronze bei den 100-Kilometer-Weltmeisterschaften in Berlin-Bernau gewinnen würde.

Von Ullrich Hörnemann

Dichte Wolken über Berlin-Bernau: Prof. Dagmar Deuber gewann bei diesigem Wetter Bronze bei der 100-Kilometer-Weltmeisterschaft. Ihre Endzeit lautete 10:42:45 Stunden. Foto: privat

Unverhofft kommt oft! Prof. Dagmar Deuber staunte Bauklötze, als ihr unterwegs zugetragen wurde, dass sie Bronze bei den 100-Kilometer-Weltmeisterschaften in Berlin-Bernau gewinnen würde. „Mit einer Medaille habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet“, erzählt die ausdauernde Sprachwissenschaftlerin vom Englischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität, „das war schon eine riesige Über­raschung für mich.“ Präzise wie ein Uhrwerk hatte sie ihre Runden auf dem 7,5 Kilometer langen Pendelkurs zurückgelegt. „Der Streckenposten wunderte sich, dass ich fast immer die gleiche Zeit pro Runde benötigt ­habe.“ Zehn Stunden, 42 Minuten und 45 Sekunden war sie auf den Beinen. Nonstop. Ohne Pause. Mit dem dritten Platz in der Altersklasse W50 endete der anstrengende Asphalt-Trip überaus ­erfolgreich.

Die Ultraläuferin, die mit ihrer Familie in Münster wohnt und für die LG Ultralauf startet, einen über­regionalen Sportverein mit Aktiven aus ganz Deutschland, war allein mit dem Zug angereist. „Am Donnerstag bin ich losgefahren, am Samstag war das Rennen, am Sonntag ging es zurück.“ Ihr Ehemann Djanta kümmerte sich derweil um die beiden Kinder. David (16), ein begeisterter Fußballer, ist Verteidiger bei Grün-Weiß Amelsbüren. Dora (10), eine eifrige Leichtathletin bei der LG Brillux Münster, startete mit ihren Clubkolleginnen beim DSMM-Mannschaftswettkampf in Coesfeld, wo sie Rang drei belegten. „Dora Dritte und ich auch“, staunt die zweifache Mutter, die auch schon am Münster-Marathon teilgenommen hat, „das ist ja ein lustiger Zufall.“ Für beide war es ein wunderbares Wochenende.

„Ein Marathon ist mir zu kurz“

Seit ihrer Jugend läuft die Professorin der Uni Münster für ihr Leben gern. „Je länger, um so lieber“, sagt sie und lacht, „ein Marathon ist mir zu kurz.“ Wie bitte? „Ich habe mit 10 Kilometer an­gefangen, dann Halbmarathon, Marathon“, schaut sie zurück, „und mittlerweile habe ich bereits einige 100-Kilometer-Läufe absolviert.“ Ein Zehner ist kein Kinderspiel, ein Hunderter muss doch eine Qual sein. Oder? „Ach was“, kommt die Antwort blitzschnell zurück, „du brauchst eine gute Kondition, Durchhaltevermögen und einen starken Willen.“ Wichtig sei, dass man nicht zu forsch loslaufe und das richtige Tempo wähle. „Na klar gibt‘s Phasen, in denen du schwere Beine hast“, weiß sie aus eigener Erfahrung, „aber da musst du durch, bald darauf fühlst du dich wieder total locker.“ Und wie war es in Bernau? „Dort lief es richtig rund.“ Den inneren Schweinehund, der bisweilen lautstark knurrt und zum Aufhören auffordert, hatte sie verscheucht.

Es war ihr erster inter­nationaler Start. „Wenn eine WM im eigenen Land aus­getragen wird, muss man die Chance beim Schopfe packen“, betont die begeisterte Ultraläuferin, die im April bei den Deutschen Meisterschaften bereits Gold in der AK 50 erobert hatte, „damals war ich sogar deutlich schneller als jetzt in Bernau.“ In Upstadt bewältigte sie die gewaltige Distanz in 10:32:35 Stunden, diesmal stoppte die Uhr zehn Minuten später bei 10:42:45 Stunden. Warum? „Ich wollte nicht riskieren, dass ich an den Punkt komme, wo es nicht mehr weitergeht und ich aussteige.“

Deuber behielt einen kühlen Kopf

Nein, das passierte nicht. Denn sie behielt kühlen Kopf, während höher eingeschätzte Gegnerinnen, die bessere Zeiten vorweisen konnten, für ihren Wagemut bitter bezahlt und den ­Wettkampf enttäuscht abgebrochen haben. Doch sie hatte eisern durchgehalten.

Die Siegerehrung abends im Hotel auf dem Alexanderplatz, im Herzen von Berlin, sei „ein fantastisches Erlebnis“ gewesen. „Als mir die Medaille umgehängt wurde, da habe ich gedacht: Die vielen Trainingskilometer haben sich gelohnt!“

In den nächsten Tagen wird die Sprachwissenschaftlerin die Beine zumindest ein wenig hochlegen, den Akku neu aufladen – damit sie fit ist für neue Glanztaten.

Startseite
ANZEIGE