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Rudern

Angl vom RV Münster bringt Deutschland-Achter in Fahrt

Münster

Ein Rollsitz im Deutschland-Achter ist traditionell so begehrt, wie einst ein Platz im Rettungsboot der Titanic. Jasper Angl vom RV Münster ist einer der Glücklichen – wobei Glück eigentlich keine Rolle spielte bei der Sitzzuteilung.

Von Ansgar Griebel

Jasper Angl (2.v.l.) begibt sich mit dem Deutschland-Achter auf den langen Weg gen Paris 2024. Foto: Detlev Seyb

Der Deutschland-Achter hat nicht nur diverse Titel, sondern auch einen unvergleichlichen Ruf zu verteidigen: Das Flaggschiff des Deutschen Ruder-Verbands hat in den vergangenen Jahrzehnten die internationalen Regatten dominiert, zweite Plätze wie zuletzt bei den Olympischen Spielen von Tokio und Rio de Janeiro liefen schon fast unter der Rubrik „Enttäuschung“. Entsprechend groß ist der Druck, mit dem der „neue“ deutsche Achter jetzt Fahrt aufnimmt.

Zweitjüngstes Mitglied der Besatzung

Als am Donnerstag im Ruderleistungszentrum in Dortmund die neue Besatzung vorgestellt wurde, hatte das Großboot bereits verloren wie selten zuvor in seiner Geschichte: an Alter und an Erfahrung – nicht aber an Kraft und Begeisterung. „Wir wissen, was der Achter in Deutschland bedeutet, welche Erfolge er eingefahren hat“, sagt Jasper Angl vom RV Münster, der mit seinen erst 21 Jahren zweitjüngstes Besatzungsmitglied ist und die prominente Liste der Münsteraner im deutschen Großboot fortsetzt – zuletzt hatten Felix Brummel und Philipp Stüer einen Rollsitz im begehrtesten Team der Flotte. „Natürlich spüren wir alle den Druck. Aber wir wissen auch, dass Druck wichtig ist, um die entsprechenden Leistungen bringen zu können“, sagt der gebürtige Konstanzer Angl.

Nur noch drei Olympiateilnehmer an Bord

Nur drei Olympia-Teilnehmer sind noch dabei, allein auf der Steuermann-Position verlor das Boot mit dem Wechsel des 40-jährigen Martin Sauer auf den 26-jährigen Jonas Wiesen 14 Jahre Wettkampferfahrung. Doch auch Wiesen hat sein Ziel klar im Blick, seine Crew soll in Paris 2024 um Medaillen rudern. „Das ist natürlich ein langer Weg“, sagt Angl. „In dieser Saison muss sich alles einspielen.“ 23,6 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Besatzung, zuletzt schickte der DRV im 2009 eine derart junge Truppe auf große Fahrt.

Weltcup zum Auftakt

Die bevorstehenden Weltcups in Poznan (17. bis 19. Juni) und Luzern (8. bis 10. Juli) und auch die Europameisterschaften im August in München sowie die Weltmeisterschaften im September im tschechischen Racice laufen demnach noch grob als Findungsphase, ehe der Stempel „Deutschland-Achter“ spätestens im vorolympischen Jahr 2023 wieder die internationale Konkurrenz unter Druck setzen soll.

„Sollten wir schon vorher vorne mit dabeisein, nehmen wir das natürlich gerne mit“, sagt Angl, der während der heißen Vorbereitungsphase durch eine Corona-Infektion kurz zurückgeworfen wurde, seit anderthalb Wochen jedoch wieder voll im Training ist. „Meine Prioritäten haben sich entsprechend ein wenig verschoben“, sagt der Student, der dennoch bis zu den Olympischen Spielen seinen Bachelor-Abschluss in Informatik an der Uni Bochum unter Dach und Fach haben will. „Das werde ich auf keinen Fall schleifen lassen“, so der Plan – auch wenn der Achter jetzt Vorfahrt hat.

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