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Sportpolitik: NRW-Sport-Staatssekretärin An­drea Milz zu Gast

Auf der Suche nach Besonderheiten in der Sportstadt Münster

Münster

Sie hält Wort: An­drea Milz, Sport-Staatssekretärin in der Landes­regierung NRW, will alle 54 Kreis-und Stadtsportbünde im Land besuchen. 20 hat sie bereits bearbeitet – am Mittwoch nahm sie Münster unter die Lupe.

Jürgen Beckgerd

Machen gute Miene zum guten Spiel im Boxzentrum: Norbert Ferling, Dr. Ulrich Thelen, Hans-Martin Stork, Staatssekretärin Andrea Milz und Marliese Kosmider (von links). Foto: Oliver Werner

Die Frau hört zu, ist interessiert, sie gibt Tipps, fordert auf, Interessen in allerbester Lobby-Manier möglichst lautstark zu artikulieren. Keine Frage, An­drea Milz macht Ernst und hält, was sie kurz nach ihrer Ernennung zur Sport-Staatssekretärin in der Landes­regierung NRW auch im Interview in dieser Zeitung versprochen hat: Alle 54 Kreis- und Stadtsportbünde im Land will sie in der laufenden Legislaturperiode besucht haben. „20 habe ich bereits bearbeitet“, sagt die CDU-Politikerin, Trainerin und Übungsleiterin („Ich habe alle Scheine“). „Ich hoffe, dass ich 2020 fertig bin.“ Am Mittwoch machte sie in Münster Station, sah sich im Boxzentrum „Farids Qualifighting“ am Schifffahrter Damm um, sah „bewegte Kids“, der Ferienaktion des Stadtsportbundes (SSB) in der TG-Sporthalle und traf sich mit dem SSB-Vorstand im Hotel Mövenpick. „Ich ­ suche die Besonderheiten, Ansätze, die sich nicht im ganzen Land finden lassen“, sagt sie. Offen blieb, ob sie ­diese Alleinstellungsmerkmale in Münster gefunden hat.

Andrea Milz spricht auch über Geld, natürlich. Sie verweist auf das Landesprogramm „Gute Schule 2020“, in dem 500 Millionen Euro für Sanierungsprojekte bereitliegen – auch für Sportflächen und -hallen, die auf Schulgrund stehen – und die landesweit von den Kommunen „erst zu 5,8 Prozent abgerufen wurden“ – trotz des festgestellten immensen Investitions- und Sanierungsbedarfs. „Es liegt auch an ihnen, ihren Kommunalpolitikern gegenüber Forderungen zu stellen“, sagt sie dem SSB-Vorsitzenden Michael Schmitz, der mit seinen Stellvertreterinnen Astrid Markmann und Claudia Aßkamp bei einem Latte ­Macchiato mit Milz diskutiert, wo der Schuh drückt. Milz wird konkret, kündigt kurzfristig einen „großen Wurf“ der Landesregierung an, „was den Sportstättenbau angeht“. Ministerpräsident (und de facto auch Sportminister) Armin Laschet werde diesen schon bald verkünden. Und, mit Blick auf den Sanierungsstau vieler maroder Sportstätten: „Es wird so viel Geld bereitstehen – ich bin gespannt, ob wir es schaffen, es in den nächsten vier Jahren auch auszugeben.“ Sie sagt das, als seien Zweifel daran völlig unangebracht.

Zuvor hatten die Verantwortlichen vom Boxzentrum um Dr. Ulrich Thelen, Marliese Kosmider, Norbert Ferling und Hans-Martin Stork der Staatssekretärin ihre Sicht auf die Dinge klar­gemacht. Es geht auch um den Bundesstützpunkt Boxen in Münster. Milz macht keine Versprechen: „Das liegt in der Verantwortung des Bundes“. Aber sie zeigt sich hoch interessiert daran, was hier (ehrenamtlich) in sozialpädagogischer Hinsicht geleistet wird, garniert ihre Bewunderung mit der ihr eigenen rheinischen ­Spon­taneität mit „Wow!“ und „Ehrlich jetzt?“ und drängt schlussendlich auf die Entscheidung des Bundes: „Wir sind durch die schwierige Regierungsbildung um ein Jahr zurückgeworfen worden. Schließlich muss der Bund auch entscheiden, was ihm der Sport wert ist.“ Ähnlich direkt, aber illusionslos beantwortet sie die Frage nach dem (vakanten) Volleyball-Bundesstützpunkt in Münster: „Steht auf der Abschussliste.“

Milz hört sich die Sorgen der Sportler an. Beispielsweise über zu große Bürokratisierung, die SSB-Mitarbeiter Thomas Lammers und Vanessa Prange bei der ­ Rekrutierung ehrenamtlicher Übungsleiter (Stichwort: Polizeiliches Führungszeugnis) anprangern, verweist auf das „Bürgerschafts- und Sportstättenprogramm. Milz will es aber auch wissen: Wie es um die Geschlechtergleichstellung bestellt ist, wie um die Hauptamtlichkeit in den Vereinen – und erklärt, warum es Sinn macht, manche Sportprojekte zeitlich befristet zu fördern, obwohl es dem SSB schwerfällt, dann personell zu planen. „Wenn ich die in Langzeit überführe, habe ich Probleme, neue und moderne Projekte zu installieren. Jedenfalls bin ich froh, auch mal gewisse althergebrachte Projekte auslaufen zu lassen“, sagt sie. „Ich komme ja selbst aus der Turnhalle“, betont Milz – und hätte an­gesichts des Wusts an Pro­blemen auch sagen können: „Ich habe verstanden“.

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