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Reiten: Absage nach Sturz

Aus für Tokio: Ingrid Klimke sagt Olympia schweren Herzens adé

Münster

Die Olympischen Spiele finden ohne Ingrid Klimke statt. Bei ihrem Sturz während es Geländeritts am Sonntag im polnischen Barborowko zog sich die Reitmeisterin aus Münster so schwerwiegende Verletzungen zu, dass eine Operation unumgänglich war – und damit auch die Tokio-Absage. Bitter, aber dennoch wagt die 53-Jährige einen vorsichtigen Blick nach vorne, auf neue Ziele.

Von Henner Henningund

Fünfmal, darunter 2012 mit Ab Foto: dpa

Die Nachricht verkündete Ingrid Klimke am Dienstagmittag über ihre sozialen Kanäle: „Ich bin sehr traurig, dass mein größter Traum – an meinen 6. Olympischen Spielen teilzunehmen – geplatzt ist.“ Eine bittere Kunde, die alle Befürchtungen nach ihrem Sturz im polnischen Barborowko bestätigte. Die Verletzungen, die sich die 53-Jährige in der Drei-Sterne-Prüfung mit Cascamara am drittletzten Gelände-Hindernis zugezogen hatte, sind zu schwerwiegend und zwangen sie in Absprache mit den Ärzten und Bundestrainer Hans Melzer zur Absage. Bereits am Montagnachmittag wurde Klimke in der Uniklinik Münster am Brustkorb – bei dem Sturz waren auch die linke Schulter und die Rippen betroffen – operiert, „gut verlaufen“ sei der Eingriff. „Nun brauche ich Ruhe und Zeit für die Heilung.“

Statt Tokio und einer möglichen vierten Olympia-Medaille (zweimal Team-Gold, einmal Team-Silber) muss sich Klimke nun in Geduld üben. Drei Wochen absolute Ruhe sind verordnet, danach steht der vorsichtige Start in die Reha an, ehe es in sechs bis acht Wochen dann vielleicht wieder in den Sattel geht. Ein schwer zu akzeptierender Umstand für eine Sportlerin wie Klimke, die es liebt, täglich mit ihren Pferden zu arbeiten und sie auszubilden, sie Woche für Woche auf Turnieren vorzustellen. Wie es um den Gemütszustand der 53-Jährige bestellt ist, lässt sich aus dem Facebook-Vermerk „fühlt sich ausgelaugt“ erahnen, die über 1500 Genesungswünsche via Facebook und die über 15 000 Instagram-Likes allein schon in den ersten zwei Stunden sind zunächst nur ein schwacher Trost. Zu groß war die Vorfreude auf Tokio, wo sie zum sechsten Mal in Serie eine Olympia-Starterin gewesen wäre.

Cascamara unverletzt

Die Chancen, in Japan dabei zu sein, standen gut. In Barborowko hatte sich Klimke mit Hale Bob, der nach der Verletzung von Asha im Frühjahr diesen Jahres der verbliebene Olympia-Kandidat war, in eine aussichtsreiche Ausgangsposition gebracht. Die kurze Vier-Sterne-Prüfung führte das Duo vor dem abschließenden Springen an, hatte in der Dressur und im Gelände seine schon so oft gezeigte Qualität einmal mehr zur Schau gestellt. Doch dann kam der verhängnisvolle Moment mit ihrer siebenjährigen Stute Cascamara, die den Unfall ohne Folgen überstanden hat. Für Hale Bob endet damit seine Olympia-Karriere, mit seinen bereits 17 Jahren ist das Silber-Pferd von Rio bei den nächsten Spielen 2024 in Paris ganz sicher zu alt.

Hoffnung auf einen EM-Start

Dafür aber tut sich für ihn wie für seine Reiterin gemeinsam eine neue Tür auf, die Klimke nur zu gerne durchschreiten möchte. Die Europameisterschaft im Schweizer Avenches, die vom 23. bis 26. September stattfinden sollen. Eigentlich wollte die Münsteranerin dort mit Siena just do it starten, mit der sie in Barborowko auf Qualifikationskurs lag. Nun aber bietet sich, vorausgesetzt der Heilungsprozess verläuft komplikationslos, mit Hale Bob die Möglichkeit, die Erfolge von 2015 (Gold mit der Mannschaft), 2017 (Gold im Einzel) und 2019 (Gold im Einzel und in der Mannschaft) zu wiederholen. „Die Titelverteidigung bei der Europameisterschaft im September ist unser nächstes großes Ziel!“ Ein erster positiver Blick nach vorne.

Und wer Ingrid Klimke kennt, weiß, dass sie sich von diesem Rückschlag nicht unterkriegen lässt. „#comebackstronger“ heißt es so auch unter ihrem ­Instagram-Eintrag.

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