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Leichtathletik: „Wings for Life World Run“

David Schönherr ist als Dritter glücklich und platt

Münster

62,47 Kilometer war David Schönherr durch die Rieselfelder gelaufen, als das Signal ertönte. Das „Catcher Car“ hatte ihn eingeholt. Das bedeutete Platz drei beim „Wings for Life World Run“. Unterstützung erfuhr der LSF-Athlet von einer großen Crew.

Von Alexander Heflikund

Da lag er nun auf dem Rasen, platt wie eine Flunder. Nur David Schönherr hatte sich vermutlich schneller und länger bewegt, als es der Plattfisch aus den europäischen Küstengewässern in der Regel im Wasser tut. Und „platt wie eine Flunder“ sollte auch nur zum Ausdruck bringen, dass der 32 Jahre alte Langstreckenläufer gerade etwas Besonderes geschafft hatte. Beim „Wings for Life World Run“ hatte er das Rennen nach 62,47 Kilometern beendet, nur der Rollstuhlfahrer Aron Anderson aus Schweden (66,7 Kilometer) und der Pole Dariusz Nozynski (66,2 Kilometer) hielten länger durch bei dem ungewöhnlichen Renn-Format. Schönherr war damit Dritter, und das weltweit unter 184 236 Startern.

„Ich habe das Maximale aus mir rausgeholt, was ich mir bei diesen Temperaturen eigentlich nicht zugetraut hatte“, blickte er auf bewegte und heiße knapp vier Stunden zurück. Um 13 Uhr starteten weltweit die vielen meist virtuellen Rennen, 30 Minuten später setzte sich ein sogenanntes „Catcher Car“ in Bewegung und sammelte via App einen nach dem anderen Teilnehmer ein. Schönherr, der 2019 bereits schnellster deutscher Läufer gewesen war, wurde als drittletzter Wettkämpfer gestoppt. „Als das Kommando vom ,Catcher Car’ kam, dass es mich überholt hat, hatte ich ein fettes Grinsen im Gesicht“, freute sich der Aktive der Laufsportfreunde Münster über seine Vorstellung. Er hatte geliefert, sein Team ihn dabei toll unterstützt. Ehefrau Johanna Rellensmann lief viele Kilometer an seiner Seite. „Sie sagte, ich solle es genießen. Unser Plan ist aufgegangen“, umschrieb er den ungewöhnlichen „Genusslauf“. Die Radfahrer um ihn herum sorgten für Verpflegung und Betreuung, Lea Brückner und Mike Claaßen hob er besonder hervor. Alles passte.

Social-Media-Star

Schönherrs rund 36 000 Follower auf Instagram waren stets im Bilde. Rund 9000 User verfolgten die Liveszenen und Posts, am Montag hatte es 4400 Likes gegeben, rund 1000 neue Follower kamen allein in Folge des Rennens dazu. Für den Münsteraner war die Resonanz in den sozialen Medien bemerkenswert. „Jetzt bin ich Dritter weltweit, alle sind stolz. Vielleicht versuche ich mich nächstes Jahr in Richtung Sieg zu bewegen“, meinte der Physiotherapeut nach dem Rennen verschmitzt.

Pflege wird er, der den Kilometer durchschnittlich in 3,47 Minuten absolvierte, auch benötigen. Bis Donnerstag dürften die ärgsten Schmerzen an Knochen und Muskeln überstanden sein. Dann wird das gute Gefühl des Erfolges bleiben. Alle Teilnehmer an diesem Charity-Run brachten 4,1 Millionen Euro an Spendengeldern für die Rückenmarksforschung zusammen.

David Schönherr darf sich derweil freuen, er kann sich 2022 den Startort aussuchen, eine Woche vor Ort mit Begleitung ist praktisch das Preisgeld. Vermutlich wird es unter möglicherweise pandemiefreien Bedingungen 2022 München sein, tatsächlich träumt er vom Gesamtsieg bei den Läufern.

Pläne für das weitere Jahr

Und jetzt? Im Herbst hofft Schönherr die Qualifikation für die Weltmeisterschaft über 100 Kilometer knacken zu können, die B-Norm liegt bei 7:15 Stunden, die A-Norm bei 6:50 Stunden. Ein Meilenstein in der Vorbereitung könnte der Volksbank-Münster-Marathon sein. „Rot angestrichen im Kalender, wie immer“, hofft Schönherr auf eine Austragung. Das bisher durchgesickerte Hygienekonzept klinge vielversprechend, sagt er über den 12. September.

Die gerade gelaufenen 62,47 Kilometer geben ihm ein gutes Gefühl. Die Teamarbeit war nahezu perfekt. In der Qual konnte er seinen persönlichen Spaß entwickeln.