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Westernreiten: Speed Rodeo

Die große Leidenschaft von Matthias Brinkmann und Pedro

Matthias Brinkmann liebt das Westernreiten. Schnell und rasant muss es für ihn und seinen Andalusier-Wallach Pedro sein. Mit dem wendigen Schimmel startet er bei Speed Rodeos – und das mittlerweile in der höchsten Klasse. Wenn mal kein Turnier ansteht, halten sich die beiden mit ausgedehnten Wanderritten fit. Dann ist der Cowboy mit seinem vierbeinigen Begleiter auch schon mal tagelang in der Natur unterwegs. Eine andere Reitweise kommt für Brinkmann nicht in Frage. Und einen anderen als den gemütlichen Westernsattel würde er nie auf den Rücken seines Pferdes legen.

Marion Fenner

Matthias Brinkmann und sein Andalusier Pedro sind im Speed Rodeo nicht immer die Schnellsten, aber trotzdem sehr erfolgreich in der höchsten Klasse. Foto: Wilfried Gerharz

Pedro ist ein echter Spanier, in seinen Adern fließt andalusisches Blut. Sein Temperament darf der zwölfjährige Wallach regelmäßig beim Speed-Rodeo mit seinem Reiter Mattias Brinkmann ausleben. Im Slalom um Stangen oder Fässer galoppieren, blitzschnelles Drehen auf der Stelle – bei diesem Sport sind Pedro und sein Reiter in ihrem Element.

Ursprünglich ist Brinkmann Wanderreiter. Stunden- oder sogar tagelang kann er im Sattel sitzen und die Natur genießen. Zufällig kam er vor einigen Jahren zum Speed Rodeo. Erste Versuche waren so gut, dass die beiden weiter trainierten. „Ein Jahr hat es gedauert, bis sich Pedro an die Turnieratmosphäre, die laute Musik und die jubelnden Zuschauer gewöhnt hat“, berichtet der 51-Jährige. Seitdem wisse sein Schimmel genau, was ihn in der Prüfung erwartet.

„Pedro bleibt völlig entspannt, bis er in die Startzone kommt. Dann fängt er an zu tänzeln, und wenn der Parcours freigegeben ist, geht er ab.“ So eng wie möglich geht es um die Fahnen und Tonnen und blitzschnell wieder ins Ziel. Beim Galoppieren auf geraden Strecken fehlt dem Andalusier die letzte Spritzigkeit.

„Speed-Rodeo“

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„Dabei sind echte Westernpferde, sogenannte Quarterhorses, einfach schneller“, erklärt Brinkmann. Deshalb fehlen zur absoluten Spitze oft ein paar Hundertstel Sekunden. Trotzdem sind die beiden mittlerweile in Deutschland in der höchsten Klasse dieser Reitdisziplin angekommen.

Mehr als ein Hobby

„Es ist nicht schlimm, dass wir den Sieg meist anderen überlassen müssen, wir haben immer Spaß und sind trotzdem vorne mit dabei.“ Rund zehn Turniere reitet Brinkmann im Jahr. In jedem Oktober lädt er selbst zum Rodeo auf seinen Hof in Münster-Gelmer ein. Coun­trymusik und Lagerfeuerromantik inklusive. „Westernreiten ist mehr als ein Hobby, das ist eine Lebenseinstellung“, sagt Brinkmann, der ein Käppi mit der Aufschrift „Cowboy“ trägt. Diese Leidenschaft mit der Familie und vielen Gleichgesinnten zu teilen, darauf wolle er nicht mehr verzichten.

Beim Rodeo sind Pferd und Reiter meistens sehr entspannt. Foto: Wilfried Gerharz

Speed Rodeo besteht aus fünf Teildisziplinen: Barrel Race wird um Tonnen geritten, Pole Bending ist ein Slalom um Stangen. Beim Flag Race stehen vier Tonnen in einem Rechteck in der Bahn. Darauf befinden sich Eimer mit Sand. Im ersten steckt eine Fahne, die anschließend in den zweiten gesteckt werden muss. Im dritten Eimer steckt wieder eine Fahne, die der Reiter schnellstmöglich in den vierten befördern muss.

Ursprünglicher Geschicklichkeitswettbewerb

Für das Keyhole Race wird auf dem Boden ein Schlüsselloch aus Stangen ausgelegt, in dem Reiter und Pferd so schnell wie möglich wenden müssen – ohne über die Begrenzung zu treten. Übrigens Pedros Lieblingsdisziplin Mixed Race ist eine Kombination aus Pole Bending und Barrel Race.

Speed-Rodeo-Reiter Matthias Brinkmann

„Das Speed Rodeo kommt von den großen Rodeos aus den USA“, erklärt der Münsteraner. Dort starten Männer auf buckelnden Pferden – ein Sport, der in NRW aus Tierschutzgründen nur noch unter sehr strengen Auflagen erlaubt ist. Weil immer mehr Frauen in den USA reiten und auch an Turnieren teilnehmen wollen, wurde das Speed Rodeo als Geschicklichkeitswettbewerb ins Leben gerufen und wird nun auch als Sport für echte Männer angesehen.

"Bequem wie Sofas"

Die Veranstaltungen sind für Brinkmann immer wieder wie ein Wochenendurlaub im Wilden Westen. Um Pedro dafür fit zu halten, unternimmt Brinkmann auch weiterhin ausgedehnte Wanderritte. In diesem Jahr ging es mit einem Freund in zehn Tagen an die Nordsee. „Wir sind einfach losgeritten und haben spontan bei Bauern gefragt, ob wir unsere Pferde unterstellen können.“

Genächtigt haben die beiden auf dem Boden im Schlafsack bei ihren Vierbeinern. Bei der Frage, ob sich nach so einem Ritt nicht irgendwann das Hinterteil bemerkbar mache, muss Brinkmann lachen. „Nein, unsere Westernsättel sind so bequem wie Sofas.“ Spuren hinterlassen habe jedoch das Schlafen auf dem harten Boden, das sei nicht mehr das richtige für Cowboys im besten Alter.

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