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Energiekrise im Sport

Ohne Verbote: Wie Stadt und Vereine mit der Energiekrise umgehen

Münster

Droht im Winter auch den Sportvereinen ein Energiekollaps? Vorbereitungen werden getroffen, die Mitglieder auf Einsparpotenziale aufmerksam gemacht – doch die Streichung von Trainingseinheiten oder ein Flutlichtverbot steht zumindest aktuell nicht zur Debatte. Aus nachvollziehbaren Gründen.

Schwimmbäder mit gedrosselter Temperatur sind Themen des Winters. Foto: Eickholt, van Bentem, imago

Stefan Grädler kann sogar kurz darüber lachen. Der Geschäftsführer des 1. FC Gievenbeck hat mit seinem Club die von allen Seiten geforderten Energie-Einsparungen zweifelsfrei schon länger geschafft. Die Flutlichtanlage auf der in Eigenriege betreuten Anlage funktioniert nur zu einem Drittel. Nach einem Brand läuft die Außenbeleuchtung über ein Notstrom-Aggregat, gekickt wird praktisch unter „Funzeln“, die Versicherungen streiten noch über die Kostenerstattung.

Aber beim FCG wird, wie auch bei anderen Vereinen, über schnelle Lösungen nachgedacht. LED steht als Projekt oben auf der Agenda, auch wenn Handwerker gerade ein rares Gut sind. Grädler umreißt die Probleme des Stadtteil-Clubs mit seinen knapp 1000 Mitgliedern, die aber bei allen anderen Vereinen ähnlich sein dürften. Die Abstellung von Warmwasser ist bislang kein Thema, eine Temperatur-Absenkung schon. Natürlich wird die Erhöhung der Mitgliedszahlungen erörtert, das führt nicht selten zu hitzigen Diskussionen. Dabei geht es meist um einen oder zwei Euro mehr im Monat für Jugendliche und drei bis fünf Euro für Familien. Grädler sagt: „Die Beiträge müssten eigentlich erheblich steigen. Die nächsten zwei, drei Jahre dürften für viele Vereine sehr schwierig werden.“

Fußballkreis Münster schließt Radiaklmaßnahme aus

Im Fußballkreis Tecklenburg wurden jüngst alle Wochenspiele ausgesetzt. Eine solche Radikalmaßnahme schließt Norbert Krevert als Vorsitzender im Kreis Münster aus. „Das Flutlicht brennt sowieso, sonst eben beim Training“, sagt er. „Wir können ja nicht alles ins Frühjahr verlagern.“ Schließlich ist die Krise bis dahin ja nicht beendet. „Außerdem haben wir eine große soziale Verantwortung, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.“ Die dunklen Corona-Monate sollen sich nicht wiederholen. Krevert gibt dennoch ein paar Tipps und Anregungen. Anstoß am Sonntag um 11 statt um 17 Uhr, rechtzeitig das Flutlicht ausstellen. „Aber das sind Empfehlungen, wir wollen nicht als Oberlehrer auftreten. Die Vereine haben selbst ein gutes Gespür, sind verantwortungsbewusst und müssen die Kosten ja auch selbst mittragen.“ Verlegungen aufgrund von Personalnot würde sich der Kreis nie in den Weg stellen.

Duschen werden an einigen Stellen kälter gedreht. Foto: Imago

Das große Ziel bleibt für Clubs wie Bürger: 20 Prozent der bisher verbrauchten Energie sollen möglichst im Winter eingespart werden, dazu bekennt sich auch der DOSB in einem Aufruf. Das ist quasi Pflicht für alle, die weiter Sport treiben wollen. Michael Schmitz, der Vorsitzende des Stadtsportbunds (SSB) und damit Vertreter der lokalen Vereine, sieht aktuell eine „trügerische Stimmung“. Denn: „Es ist bislang eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Noch ist nicht viel passiert, aber alle machen sich Gedanken.“

Was Strom betrifft, haben viele Vereine Planungssicherheit dank des Rahmenvertrags mit den Stadtwerken. Nur, für die Kosten gibt es Fragezeichen. SSB-Geschäftsführer Robin Schneegaß gilt als erster Ansprechpartner für „Moderne Sportvereine und Spielstätten“. Vereinsentwicklung steht bei Schneegaß ganz oben auf der Agenda. Durchaus möglich, dass das große Frage- und Antwortspiel für ihn erst noch kommt. Der SSB bereite sich darauf, so Schmitz, vor.

Trainer und Übungsleiter werden sensibilisiert

Meist ist der Weg ähnlich: Trainer und Übungsleiter werden von den Vorständen sensibilisiert, das Flutlicht mit Abpfiff der Einheit auszustellen, nicht zu lang zu duschen, nicht jede Kabine zu beheizen und allgemein die Augen offen zu halten. Anja Thiel, Fußball-Abteilungsleiterin bei Westfalia Kinderhaus, sagt: „Wir haben wenig Handhabe, der Trainingsbetrieb soll unbedingt weitergehen.“ Mittelfristig könne aber die frisch installierte Photovoltaikanlage für Entlastung sorgen.

Lukas Elkemann, Sprecher des USC Münster, berichtet von keinen konkreten Vorgaben beim Volleyball-Club. „Feste Werte haben wir nicht festgelegt. Der gesunde Menschenverstand gebietet aber natürlich aufzupassen.“

Flutlicht beim Fußball? Auch ein Thema des Winters. Foto: Kristian van Bentem

Ruth Funk, Leiterin des Sportinternats, betont: „Wir sprechen mit unseren Bewohnern über die Themen, das gehört zur Bildung und Erziehung.“ Sie erwartet höhere Nebenkostenabrechnungen, plant aber keine drastischen Einschnitte.

Die haben private Anbieter wie Fitnessstudios durchaus schon umgesetzt. Da kostet die Dusche nach dem Training schon mal einen Euro. Auch die städtischen Bäder haben längst die Wassertemperatur gesenkt. Alle hoffen aber, um weitere, härtere Schritte herumzukommen.

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