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Handball: Geschichte

Es war einmal . . . eine großartige Szene in Münster

Münster

Erinnerungen werden nicht unbedingt wach, wenn Handball-Interessierte auf die aktuelle Situation in Münster blicken. Aus einer ehemals florierenden Szene mit Nationalspielern und Clubs, die sogar Bundesliga-Ambitionen hegten, hat sich der Handball in der Stadt auf Verbands- und Landesliga-Niveau geschrumpft. Ein Rückblick, der durchaus Wehmut aufkommen lässt.

Michael Schulte

Nationalspieler im Trikot des SC Münster 08: Josef „Pele“ Pelster . Foto: Beike

Hoffnungslose Romantiker und eingefleischte Nostalgiker werden sich noch an Zeiten erinnern, als Münster tatsächlich einmal etwas galt im deutschen Handball. Da wurde um die deutsche Meisterschaft gekämpft, die Bundesliga angepeilt. Da gab es Nationalspieler aus Münster, da gab es Länderspiele in Münster. Aber die Gegenwart schaut eher trist aus. Trotz mehr als 50 000 Studenten in der Stadt ist es offensichtlich nicht möglich, Handball auf hohem Niveau anzubieten. Gut, dass es wenigstens Westfalia Kinderhaus gibt – der Verein hält mit seinem Frauenteam in der Verbandsliga und den Männern in der Landesliga Münsters Fahnen etwas hoch.

Aber es sah schon mal rosiger aus. Da waren die Frauen des SC Münster 08, die es als Westfalenmeister im Feldhandball bis in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft schafften. Das war 1939 und im Achtelfinale gegen den Eimsbütteler TV Endstation. Heute fristen die Nullacht-Frauen ein beschauliches Dasein in der Bezirksliga, allerdings in der Halle.

Da waren die Männer von Marathon Münster, die in den 1960er Jahren Feldhandball auf hohem Niveau spielten und mit Martin Fischer gar einen Nationalspieler stellten. Inzwischen setzt man auf Ultimate Frisbee und Discgolf, die aufgelöste Handballabteilung verschlug es teilweise nach Kinderhaus.

Und da waren die Männer des SC Münster 08, denen 1971 der Aufstieg in die Bundesliga vom Flensburger TB im Entscheidungsspiel in Hamburg (13:14) verwehrt wurde. Aus dem FTB wurde später die SG Flensburg-Handewitt, eine feste Größe im europäischen Handball. Und aus Nullacht wurde ein Team, das sich bis 1977 in der Regionalliga hielt und sich derzeit gegen den Abstieg aus der Landesliga wehrt. Mit „Pele“ Pelster schaffte es immerhin einer ins Nationalteam unter Vlado Stenzel.

Die TG Münster von 1862 ist der älteste Sportverein der Stadt und war in den ­1970ern auch im Handball eine große Nummer. Zweite Kraft hinter Nullacht, das war doch was. Erst später mauserte sich Sparta Münster vom kleinen Viertelclub an der Sentruper Höhe zu einem Oberligisten, der hörbar an die Regionalliga klopfte. Aber dort war Endstation, weil es eben finanzstärkere Konkurrenten gab. Heute sind die Spartaner froh, wenn sie die Bezirkliga halten können.

Der TuS Hiltrup führte anfangs ein eher beschauliches Dasein im Schatten des Lokalrivalen Eintracht. Aber als Ex-Nationalspieler Burkhard Gröning dort auflief, war das ein Startzeichen für einen Höhenflug, der ebenfalls in der Oberliga endete. Auch ein Kraftakt durch einen plötzlich auftauchenden Geldgeber zeigte wenig Wirkung. Beim TuS gibt es heute keine Handballabteilung mehr.

„Handball ist nicht lukrativ“, stellte Manfred Bahr, Vorsitzender von Eintracht Hiltrup fest. Nach Höherem strebt man dort nicht: Bezirksliga ist okay, die Verbandsliga war einst ein Ausrutscher nach oben. Auch in Roxel und Gremmendorf/Angelmodde wird auf Leistung geachtet, aber kein Kraftakt vollzogen. Die Liga-Zugehörigkeit ist nicht das entscheidende Kriterium.

Was die meisten Clubs verbindet: Man ist froh, wenn der Laden läuft. Die Bereitschaft, als Trainer, Betreuer oder Abteilungsleiter ein Ehrenamt zu übernehmen, ist schon länger rückläufig. Das trifft besonders die Clubs, die noch Jugendarbeit leisten. Aber auch die werden immer weniger. Münster eine Handball-Hochburg – das war einmal.

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