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Rad: Abschied nach 15 Jahren

Fabian Wegmann beendet Karriere

Münster

Einmal zum Mond und fast wieder zurück, so weit reichte die Karriere des Radprofis Fabian Wegmann. Mit 36 Jahren ist Schluss. Der Punkt sei erreicht, abzusteigen, erzählt er. Wegmann, der Sunnyboy, immer gut drauf, dem man die Leiden auf dem Rad aber wie kaum einem anderen ansehen konnte, erwartet das Leben danach – nicht ohne Radsport. 

Alexander Heflik

Radprofi Fabian Wegmann blickt in Eschborn vor dem Start zum Radrennen in die Runde. Foto: dpa

Am Ende, wenn alles noch einmal an einem vorbeirauscht, ist selbst die größte Niederlage gar nicht mehr so groß. Am 24. Juli 2008 erlebte Fabian Wegmann die ganze Härte und Dunkelheit eines Radprofis kennen. Geschunden von fünf Stürzen an den Tagen zuvor bei den Etappen der Tour de France, mit Sitzproblemen aufgrund von Entzündungen, einem auf Stand-by herunter gewirtschafteten Immunsystem, muss er gemeinsam mit Juan Antonio Flecha und Romain Feillu 188 Kilometer hinter dem Feld herhetzen.

Der Anstieg zum Croix de Sud läutet einen Tag voller Schrecken und Qualen ein. In Montlucon wird das Weltklassetrio, zwei Tage vor dem Finale in Paris, wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen.

Als Wegmann einen Tag danach die Treppen des Zwei-Sterne-Hotels herunterwankt, keinen Blick für den lieblichen Fluss Cher übrig hat, kommt er wie ein 80-Jähriger daher. So müssen Radprofis leiden – ohne Ertrag und mit Schmerz.

Abschied fällt nicht schwer

„Am Ende war es gut, dass ich Paris nicht erreicht habe“, sagt er heute. Im Nachhinein hätte er ungern mit seinen Teamkollegen Bernhard Kohl und Stefan Schumacher auf den Ehamps Élysées gefeiert – beide flogen mit Doping später auf.

Nun hat der Münsteraner nach 15 Saisons als Berufsfahrer, nach gut und gerne 700.000 Kilometern auf dem Rad, die Rennmaschine in die Ecke gestellt. Von nun an genießt die Leeze, wie das Fahrrad in Münster genannt wird, Vorrang. Der Abschied sei ihm nach den letzten zwei Saisons nicht mehr ganz so schwergefallen. Ein Leben mit dem Radsport, der aktive Teil, ist Geschichte.

Ein, zwei Angebote von Teams der zweiten Liga gab es, nichts riss Wegmann vom Hocker. Die Klassiker wäre er gerne noch einmal gefahren, in irgendeiner Mitläufer-Equipe hätte das 2017 nie und nimmer geklappt.

Heimspiel zum Karriereende

Bereits beim Sparkassen-Münsterland-Giro am 3. Oktober ahnte er, dass es das gewesen ist. Platz 35 zum Abschied, ein letzter Angriff auf dem Prinzipalmarkt. Ein Heimspiel, viele Zuschauer, Riesenstimmung, dann noch Regen im Finale, was will ein Münsteraner mehr?

Fabian Wegmann

„Körperlich“, sagt er, „geht es mir ganz gut. Ich bin nicht ausgebrannt und muss auch nicht abtrainieren.“ Mit dem Joggen hat er angefangen, acht bis zehn Kilometer, anstrengend sei das nicht.

Er braucht Herausforderung. Als er unlängst 400 Seiten auf Englisch bei der Prüfung zur Lizenz für die Sportliche Leitung eines Radsport-Teams büffeln musste, war das schwieriger. „Ich war an der Grenze, zwei Stunden sitzen tut weh.“

Wegmanns Pläne

Fabian Wegmann will auf Dauer im Radsport tätig bleiben. Einige Projekte sind in der Anbahnung, diese behält er noch für sich. Aber für den Fall der Fälle hat der 36-Jährige vorgesorgt. Er hat beim Weltverband UCI in Aigle/Schweiz die Lizenz als Sportlicher Leiter erworben, somit darf er Profiteams im Radsport betreuen.

Zudem besitzt er die B-Lizenz für Trainer. Er will seine vielen Kontakte in der Szene weiter beruflich nutzen. Anders als sein Bruder Christian – der heute 40-Jährige war auch Radprofi – strebt der vier Jahre jüngere Wegmann kein Studium an. Christian Wegmann hat nach der aktiven Laufbahn Medizin studiert und ist jetzt Chirurg am Franziskus-Hospital in Münster.

Sagt er, und lacht, er, der unzählige Stunden in dem schmalen Rennradsattel verbracht hat. Seinen ersten Giro d’Italia und den Gewinn des Bergtrikots wird er nie vergessen. Auch nicht den Start der Tour-Etappe (2005) in Pforzheim als Mann im Bergtrikot, gefeiert wie ein Popstar. Oder die Deutsche Meisterschaft von 2007.

Gute Erinnerungen

Der 25. Profisieg aber ließ sich nicht mehr verwirklichen. Die guten Dinge behält er in Erinnerung. Zum Beispiel bei der Lombardei-Rundfahrt (2006), als er an der Kapelle Madonna der Ghisallo den Sieg roch. Selbst Rang drei war triumphal für ihn. Er weiß das zu schätzen.

Fabian Wegmann

Heute? Das war es nun mit dem Profi-Radsport. Vorerst. Und auch das gehörte immer dazu. Doping, immer wieder Doping. Überführte Sportler, manipulierende Teamchefs, verseuchte Equipen, dubiose Ärzte, Skandale in Hülle und Fülle. Die Frage sei erlaubt, er habe darauf gewartet.

Also, Frage: „Jetzt können sie es ja sagen, haben Sie jemals gedopt oder waren Sie in Versuchung?“

Wegmann: „Nein, nie.“

Zur Person

► Geboren: 20. Juni 1980 in Münster

► Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

► Erstes Profirennen: 6. Platz bei Rimini – Riccione (26. März 2002)

► Letztes Profirennen: 35. Platz beim Sparkassen-Münsterland-Giro (3. Oktober 2016)

► Rennställe: Gerolsteiner/Deutschland (2002 bis 2008); Team Milram/Deutschland (2009 und 2010); Team Garmin-Barracuda-Sharp/USA (2011 bis 2014); Cult Energy Pro Cycling/Dänemark (2015); Team Stölting Service Group/Deutschland (2016)

► Sportler des Jahres in Münster: 2005

► Tour de France: sieben Teilnahmen – Bestes Ergebnis: 3. in Spa (2010); 12. Bergwertung (2006); 13. Wertung der Nachwuchsfahrer (2005)

► Giro d’Italia: vier Teilnahmen. - Bestes Ergebnis: 1. Bergwertung gesamt (2004)

► Deutscher Meister (Straße): 2007 (Wiesbaden), 2008 (Bochum), 2012 (Grimma)

► Deutscher Meister U23: 2001

► U-23-Bundesliga: 1. Gesamtwertung 2001

► Profisiege (gesamt): 24 – Wichtigste Siege: 2 x „Rund um den Finanzplatz Eschborn“; 2 x GP Miguel Indurain

► Klassiker: 33 Teilnahmen. - Bestes Ergebnis: 3. Lombardei-Rundfahrt (2006)

► WM-Starts: 7 Teilnahmen. – Bestes Ergebnis: 7. in Varese (2008)

► Olympia-Teilnahmen: 2008 in Peking, Platz 21

► Gefahrene Kilometer: 600 000 bis 700 000 (eigene Schätzung)

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