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Fußball: CP-Nationalmannschaft

Münsteraner Frederic Heinze träumt von Paralympics

Münster

Frederic Heinze ist Münsteraner und Kapitän der deutschen CP-Fußball-Nationalmannschaft. Für was CP steht und was Philipp Lahm mit der Auswahl zu tun hat.

Von Jonas Wiening

Frederic Heinze (unten  in der Mitte) spielt in der Fußball-Nationalmannschaft für Menschen mit Cerebralparese. Foto: privat/Ralf Neumann

Frederic Heinze ist Sportler durch und durch. Er war als Leichtathlet Junioren-Weltmeister über die 100 und 200 Meter im Sprint. Heute spielt der Münsteraner in der Fußball-Nationalmannschaft – genauer gesagt in der CP-Nationalmannschaft.

CP steht für Cerebralparese, eine Bewegungsstörung infolge eines Hirnschadens. Viele Betroffene bekommen diese Krankheit durch Unfälle, Heinze hat sie seit seiner Geburt. „Bei mir macht es sich in der linken Körperhälfte bemerkbar. Meine Feinmotorik mit der linken Hand ist schlecht, und mein Gangbild sieht anders aus als bei nicht-gehandicapten Menschen“, sagt er. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten Sport zu machen – viel Sport.

In seiner Jugend hat Heinze Fußball und Tennis gespielt und ist irgendwann in die Leichtathletik eingestiegen. „Da gibt es mehr Möglichkeiten im Behindertensport, und ich konnte mich auch mit meinesgleichen messen“, sagt Heinze, der in Emsdetten aufgewachsen ist, seit 2015 in Münster lebt und als Veranstaltungskaufmann arbeitet.

Heinze alle zwei Monate beim Nationalteam

Und Heinze machte die Leichtathletik nicht nur Spaß, sondern er war auch gut. Richtig gut. Er wurde Junioren-Weltmeister über die 100 und 200 Meter, nahm für seinen Verein Bayer Leverkusen an Wettkämpfen auf der ganzen Welt teil. „Nach Puerto Rico wäre ich sonst wahrscheinlich auch nicht gekommen“, sagt er.

Und doch fehlte dem heute 30-Jährigen etwas in der Leichtathletik: „Der Ball und ein richtiges Team.“ Deswegen war Heinze sofort Feuer und Flamme als er 2014 davon hörte, dass eine Fußball-Nationalmannschaft für Menschen mit Cerebralparese neu ins Leben gerufen werden sollte. Der Münsteraner war sofort dabei – die fußballerischen Fähigkeiten hatte er.

Zudem ist er zum Kapitän des Teams ernannt worden. Während er sich bei GW Marathon Münster in der Freizeitliga fit hält und dort ein- bis zweimal die Woche kickt, trifft sich die CP-Nationalmannschaft seitdem mindestens alle zwei Monate, meist sogar öfter.

„Von freitags bis sonntags ist dann Trainingslager, immer woanders in Deutschland“, sagt Heinze. „Es macht einfach total viel Spaß, ich habe viele Freunde durch den Sport kennengelernt.“

Lahms Ex-Kollege ist Nationaltrainer

Beim CP-Fußball werden die Spieler von Orthopäden und Ärzten in drei Kategorien eingeteilt, Spieler mit einer hohen Beeinträchtigung sind eine „Eins“, Spieler mit weniger Beeinträchtigungen eine „Zwei“ oder „Drei“. Eine Mannschaft besteht aus sieben Akteuren, mindestens eine „Eins“ und maximal eine „Drei“ dürfen gemeinsam auf dem Feld stehen.

Trainiert wird das Team vom ehemaligen Jugend-Nationalspieler Conny Frank Fritsch, der einst mit Philipp Lahm zusammen spielte. Foto: privat/Michael Meyer

„Ich bin eine Zwei“, sagt Heinze, der noch erklärt: „Wir spielen auf einem etwas kleineren Feld auf die sogenannten D-Jugend-Tore, und neben einem Einwurf ist auch das Einrollen erlaubt, ansonsten sind die Regeln, wie jeder sie kennt.“ Trainer der Mannschaft ist Conny Frank Fritsch, ein ehemaliger Jugend-Nationalspieler und Team-Kollege von Philipp Lahm, dessen Traum vom Profisport durch einen schweren Autounfall gestoppt wurde.

Heinz hofft auf Los Angeles 2028

Neben den Trainingslagern gibt es auch große internationale Turniere. „Da kommt man gut rum“, sagt Heinze. Im April steht der World Cup bei Barcelona in Spanien an. Da will die deutsche Mannschaft, die mit einem Kader von 14 Spielern anreisen wird, gut mitspielen.

In der Weltrangliste steht das Team aktuell auf dem elften Rang. Ziel ist es, in naher Zukunft in die Top acht zu kommen. Damit könnte er sich für die Paralympics qualifizieren, sofern die Sportart wieder ins Programm genommen wird. „Seit 2016 ist sie nicht mehr dabei, wir hoffen aber, dass wir uns wieder einen großen Stellenwert erarbeitet können und 2028 in Los Angeles zurückkommen können.“ Ein Traum von Frederic Heinze und seinen Mitstreitern, die zur Erfüllung noch mehr Werbung für den Sport machen möchten.

Denn selbst viele Betroffene kennen die Sportart noch nicht – und Mitspieler in den geplanten Regionalauswahlen oder auch in der Nationalmannschaft sind gerne gesehen. Finanziert werden die Trainingslager und die internationalen Turniere vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) und auch aus Spenden.

Interessierte Spieler können sich bei Nationaltrainer Conny Frank Fritsch per Mail melden (conny.fritsch@cp-nationalmannschaft.de) oder auch bei Frederic Heinze (fr.hei@icloud.com; Tel. 0151 2018323). Mehr Informationen zur Mannschaft gibt's hier.

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