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Fußball: Kreis Münster

Sarah Wieck wünscht sich „mehr inklusive Mannschaften“

Münster

Dietmar Sonius hat den Staffelstab als Inklusionsbeauftragter des Fußball-Kreises Münster im Januar an Sarah Wieck weitergereicht. Im Interview spricht die 25-Jährige über ihre Ziele und Überraschungen in der Corona-Zeit.

Von Jonas Austermann

Sarah Wieck hat klare Pläne, wie sie als Beauftragte des Fußball-Kreises Münster das Thema Inklusion vorantreiben will. Foto: privat/Wieck

Sarah Wieck ist die neue starke Frau des Fußball-Kreises Münster in Sachen Inklusion. Die 25-jährige Sonderpädagogin hat Ende Januar die Nachfolge von Dietmar Sonius angetreten, der als Beauftragter zum Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) nach Kaiserau gewechselt ist. Im Interview mit Redaktionsmitglied Jonas Austermann spricht Wieck über ihren neuen Posten, ihre Ziele und eine Überraschung in Corona-Zeiten.

Frau Wieck, wie wird man zur Inklusionsbeauftragten im Fußball-Kreis Münster?

Wieck: Ich bin da so ein bisschen reingerutscht. Ich habe einen Bruder mit einer geistigen Behinderung, bin damit groß geworden und kenne es gar nicht anders. 2016 hat mein Bruder angefangen, bei BW Aasee Fußball zu spielen. Ich habe mich im Laufe der Zeit immer mehr engagiert. Dietmar Sonius ist im letzten Jahr auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, seine Nachfolge anzutreten. Im Anschluss hat sich auch der Kreisvorsitzende Norbert Krevert erkundigt, ob ich den Posten übernehmen will. Ich habe ja gesagt – mit der Bedingung, erst nach meinem ersten Staatsexamen anzufangen.

Sie haben Sonderpädagogik in Halle an der Saale studiert.

Wieck: Genau, nicht gerade hier um die Ecke. Ich wohne jetzt aber schon seit zwei Jahren wieder in Herbern. An der Uni gab es keine Präsenzveranstaltungen und zu Hause hatte ich mehr Möglichkeiten, mal rauszugehen. Ich arbeite jetzt schon als Vertretungslehrerin an der Maximilian-Kolbe-Schule in Nordkirchen.

Wieck: So sollen Berührungsängste verschwinden

Welche Aufgaben kommen auf Sie als Inklusionsbeauftragte zu?

Wieck: Mir ist es wichtig, dass Begegnungen geschaffen werden, um so Barrieren und Vorurteile abzubauen. Ich habe es oft erlebt, dass Personen im Umgang mit Menschen mit Behinderung gehemmter sind. Mein Hauptanliegen ist es, diese Berührungsängste zu verringern. Ich möchte außerdem, dass die Teilnehmer an den Sportangeboten ganz frei von Druck sind. Der Leistungsdruck zeigt vielen Menschen mit Behinderungen nämlich, dass sie irgendetwas nicht können. Mein Ansatz ist aber, dass alle zusammenspielen können.

Wie können Sie im Fußball-Kreis diese Berührungsängste abbauen?

Wieck: Es fängt damit an, dass ich im Sommer einen Inklusionstag veranstalten möchte. An verschiedenen Stationen sollen Menschen zusammengebracht werden, die zusammen Sport machen. Ich plane auch, verschiedene Vereine einzuladen, beim Training der integrativen Fußballmannschaft von BW Aasee vorbeizuschauen und mitzumachen. Außerdem möchten wir eine Fortbildung anbieten, die sich damit befasst, was bei inklusiven Angeboten und beim Sporttreiben mit Menschen mit Behinderung zu beachten ist.

BW Aasee, der SC Greven 09 und der TuS Altenberge setzen bereits auf inklusive Sportangebote. Ist Ihr Ziel auch, die Zahl der engagierten Clubs zu steigern?

Wieck: Mein Ziel ist auf jeden Fall, dass es künftig mehr inklusive Mannschaften gibt. Ich habe bereits damit angefangen, die Vereine zu kontaktieren und eine Art Bestandsaufnahme zu machen. Dadurch habe ich schon erfahren, dass der SV Drensteinfurt ein integratives Boule-Team hat. Ich möchte dafür sorgen, dass solche Angebote noch sichtbarer werden – unter anderem auf der Homepage des Fußball-Kreises.

Wie schwer hat die Pandemie Menschen mit Behinderung getroffen?

Wieck: Es ist eine ganz extreme Zeit für unsere Spielerinnen und Spieler gewesen, vor allem durch den langen Lockdown im vergangenen Jahr. Wir haben damit gerechnet, dass anschließend deutlich weniger Spieler und Spielerinnen zum Training kommen. Aber bei den Älteren hatten wir plötzlich 25 Personen auf dem Platz stehen – gerechnet hatten wir mit 15. Die integrative Abteilung bei BW Aasee hat während der Pandemie sogar noch Mitglieder dazu gewonnen, während es in anderen Abteilungen weniger wurden.

Wie weit ist der Kreis Münster, was inklusive Sportangebote angeht?

Wieck: Innerhalb des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen sind es noch recht wenige Angebote, aber ich kann durch mein Studium auch einen Vergleich mit dem Osten ziehen. In Halle an der Saale hat sich kein Verein dem Thema angenommen – das ist in Nordrhein-Westfalen schon wesentlich ausgeprägter. Hier gibt es ein gutes Netz und eine Turnierserie. Es werden immer mehr Vereine, aber die Zahl von vier inklusiven Angeboten ist für einen Kreis wie Münster schon recht gering. Die Anfahrt-Strecke für die Spielerinnen und Spieler ist dadurch zum Teil sehr groß.

Sie sind Vertretungslehrerin, engagieren sich weiter bei BW Aasee und sind nun auch Inklusionsbeauftragte des Fußball-Kreises. Wie bekommen Sie all die Aufgaben unter einen Hut?

Wieck: Bisher klappt das sehr gut. Ich habe zwar eine volle Stelle als Lehrerin, aber freitags schon ab mittags frei. Nach dem Staatsexamen mit fünf Abschlussprüfungen ist das Stress-Level inzwischen wieder heruntergegangen und ich konnte mich den ersten organisatorischen Aufgaben widmen – wie meiner Vorstellung auf der Homepage des Kreises. Als nächstes steht jetzt die weitere Kontaktaufnahme mit den Vereinen an. Und ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe!

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