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Reiten: Turnier der Sieger

Historische Frauen-Power – Bettendorf gewinnt Großen Preis

Münster

Die Damen diktierten beim Höhepunkt des Turniers der Sieger das Geschehen. Beim Großen Preis siegte Charlotte Bettendorf vor Angelica Augustsson Zanotelli und Simone Blum. Organisationschef Hendrik Snoek gefiel das durchaus.

Henner Henning

Der Turnierchef als Hahn im Korb: Hendrik Snoek stößt mit Siegerin Charlotte Bettendorf, der zweitplatzierten Angelica Augustsson Zanotelli (r.) und der drittplatzierten Simone Blum (l.) nach dem Großen Preis von Münster an. Foto: Jürgen Peperhowe

Sechs Jahre hatten es die Amazonen vergeblich versucht, beim Turnier der Sieger den Großen Preis zu gewinnen. Diese Serie haben die Damen im Sattel aber nun gebrochen – mit geballter Frauen-Power. Charlotte Bettendorf (Luxemburg) vor Angelica Augustsson Zanotelli – die Schwedin war 2013 die letzte siegreiche Reiterin – und Weltmeisterin Simone Blum: Dieses Trio machte das Podium zu einem weiblichen. Ein Novum in der Geschichte des TdS. das zum 64. Mal ausgetragen wurde.

Der Triumph mit Raia d‘Helby war die Krönung für Bettendorf. Es war das Wochenende der 30-Jährigen, die am Freitag das erste Springen der Mittleren Tour mit Iris van de Bisschop sowie der Großen Tour mit Raia für sich entschieden hatte. Das fühlte sich schon richtig gut an. „Aber das ist unglaublich. Es ist das beste Wochenende meiner Karriere. Hier zu gewinnen, werde ich so schnell nicht vergessen“, so die Luxemburgerin.

Mit einer Traumrunde hatte sie den finalen Umlauf beendet. Dabei fiel die Entscheidung bei der ganz engen Wendung zum vorletzten Sprung, den Bettendorf und ihre 14-jährige Stute in einem Fluss meisterten und durch den sie mit viel Speed auf die Schlusslinie kamen. „Ich habe die Wendung tatsächlich optimal erwischt, stand dann aber direkt vor dem Steilsprung. Wie wir da fehlerfrei rübergekommen sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Raia hat den Großen Preis mehr verdient als ich“, so die 30-Jährige.

Kommentar: Nahe am Optimum

Das Wetter – nicht zu warm, nicht zu kalt und trocken – tat sein Übriges und war kein Spielverderber: So stand einem Erfolg des Turniers der Sieger nichts im Wege. Vier Tage lang gab es vor dem Schloss unterhaltsamen Reitsport. Vom Grand Prix über den Pferdestärken-Cup bis hin zum Großen Preis am Sonntag – für jeden Geschmack war etwas dabei.

Es ist schwer, bei so einer sehr gut organisierten Veranstaltung Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Klar, Turnierchef Hendrik Snoek und seine eingespielte Mannschaft mit vielen helfenden Händen werden nach diesen Dingen suchen und versuchen, Kleinigkeiten zu optimieren. Mehr sind es nicht.

Natürlich würde der eine oder andere große Name im Parcours oder gerade im Viereck der Traditionsveranstaltung gut tun. Aber auch so wurden die zahlreichen Zuschauer wieder mit einer Menge hochklassigem Reitsport verwöhnt. Und dass der Rahmen beim TdS stimmt, bewiesen die vier Tage einmal mehr.

Direkt hinter Bettendorf, die wie schon in Wiesbaden erfolgreichste Reiterin des Turniers war, versuchte Jens Baackmann, die Zeit von 33,93 Sekunden zu knacken. Vergeblich. Der Münsteraner und Sieger von 2017 hatte sich wie Bettendorf mit einer schnellen Vier-Fehler-Runde für den zweiten Umlauf der besten neun qualifiziert, war erneut fix unterwegs – und leistete sich am dritten Hindernis einen Abwurf. Platz fünf in 34,74 Sekunden.

Doch es war auch ein Zeichen, dass Bettendorfs Zeit noch zu attackieren war. Und das tat Augustsson Zanotelli mit Nintender Star. Der erst neunjährige Hengst und die 32 Jahre alte Schwedin waren auf einer ähnlichen Linie unterwegs, hatten aber in der besagten Linkskehre einen kleinen Hackler, einen kleinen Ruckler drin. Der kostete Zeit, 48 Hundertstel fehlten letztlich. „Aber ich bin dennoch total happy. Das ist ein sehr stolzer Moment für mich“, meinte Augustsson Zanotelli, die im September 2018 ihr zweites Kind bekommen hat und seit Ende des vergangenen Jahres zurück im Sport ist.

Die erste Gefahr war nach dem Ritt der Skandinavierin also gebannt für Bettendorf, die in der Folge die Abwürfe von Holger Wulschner mit Dorette, Markus Brinkmann mit Dylon sowie von der für den RV Albachten startenden Zoe Osterhoff mit Chacenny sah. Doch da kam ja noch eine in den Parcours – und zwar die Weltmeisterin, die ganz weltmeisterlich ihre Runde mit Alice drehte. Aber auch sie war zu langsam (34,99 Sekunden), verließ Münster dennoch glücklich.

„Eine letzte Runde vor einem Championat ist nie leicht. Im Hinblick auf die EM bin ich dann nicht mehr das letzte Risiko gegangen“, erklärte Blum, die den Schweizer Niklaus Rutschi mit Cardano auf Platz vier verdrängte. Frauen regieren die Welt. Oder zumindest das Turnier der Sieger 2019. „Doch von solchen Frauen lasse ich mich gerne regieren“, sagte der zufriedene Turnierchef Hendrik Snoek.

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