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Boxen: U-17-EM

Kahraman Uzun ist nach einem Jahr ohne Wettkämpfe voll da

Münster

Mittelgewichtler Kahraman Uzun hat nach einjähriger Wettkampfpause gleich für Furore gesorgt und durch den Sieg beim nationalen Ranglistenturnier das Ticket zur EM in Tiflis/Georgien praktisch sicher. Der 16 Jahre alte Athlet aus dem Boxzentrum Münster hat ein Fernziel: Die olympischen Spiele 2028 in Los Angeles

Von Alexander Heflik

Boxzentrum-Trio in Lindow: Während Victor Ares (von rechts) als Punktrichter im Einsatz war, boxte sich Kahraman Uzun, unterstützt von Coach Dima Pirushkin, erfolgreich durch. Foto: privat

Von Lindow über Münster und Bochum dann nach Tiflis. Die Reise von Kahraman Uzun soll in der georgischen Hauptstadt enden, dort finden vom 15. bis 25. Juli die Box-Europameisterschaften in der U-17-Klasse statt. Der 16-Jährige hat nach fast einjähriger Wettkampfpause, die für alle Nachwuchsathleten seiner Altersregion galt, gleich das Beste daraus gemacht. Uzun, der in Ahlen wohnt und im Boxzentrum Münster täglich trainiert, gewann das Ranglistenturnier des Deutschen Boxverbandes. Und damit so etwas wie die Ersatz-DM in dieser Kategorie.

Ein Tag trainingsfrei

„Na ja“, sagte seine Heimtrainer Dima Pirushkin. „Er hatte am Sonntag frei, und von Montag an ging es gleich voll weiter.“ Der Erfolg von Lindow war schön, aber in Münster musste direkt wieder an der Form des Mittelgewichtlers (bis 70 Kilogramm) gefeilt werden. Denn in Bochum bei den „Ruhr Games“ wird Uzun in drei Wochen wieder liefern müssen. Mit Mike Mandelartz tritt dort auch ein nationaler Mitbewerber an. Zwar ist Uzun aktuell für die EM in Georgien gesetzt, leistet er sich aber bei der Veranstaltung einen Ausrutscher und Mandelartz macht Boden gut, könnte die EM-Nominierung noch einmal eine wackelige Angelegenheit werden.

Einsatz bei „Ruhr Games“

Unwahrscheinlich ist, dass die beiden Junioren-Boxer in Bochum direkt aufeinandertreffen. In Lindow siegte Uzun jedenfalls mit 4:1 Richterstimmen. „Das war am Anfang schwierig, natürlich galt das für alle“, blickt ­Pirushkin zurück. Alle haben praktisch eine Saison ohne Wettkämpfe hinter sich. Als Kaderathlet durfte trainiert werden, aber Wettkämpfe? Leider nein.

Uzun aber meldete sich als neue Nummer eins seiner Altersklasse in Deutschland zurück. Anlaufschwierigkeiten im ersten Kampf, vorzeitiger Sieg im Halbfinale, klarer Erfolg gegen den Lokalmatador mit 4:1 im Finale – der Coach war zufrieden mit der Vorstellung. Fast.

Wobei Pirushkin sich gerade mit dem vorzeitigen Halbfinalsieg nicht wirklich anfreunden wollte. „Kahraman sollte da über die gesamte Kampfzeit gehen, das war der Plan. Wir wollten sehen, wo er steht“, erklärte er. Jede Runde zählt offenbar, und eine mehr ist besser als eine weniger.

Papa Shakan boxte bei BSK Ahlen

Nun gut, die „Ruhr Games“ und im Anschluss die EM dürften als Saison-Höhepunkte ausreichen. Der Sohn des früheren Bundesliga-Boxers Shakan Uzun, der bei BSK Ahlen aktiv war, will weiter vorankommen. Wie bei jedem hoffnungsvollen Aktiven aus dem Boxzen­trum sind die olympischen Spiele das große Ziel. Die Veranstaltung in Paris im Jahr 2024 kommt wohl noch zu früh, eher 2028 in Los Angeles könnte es was werden. Dann wäre er 24 Jahre alt.

Dafür muss Uzun eine Menge investieren. Vermutlich dürfte er dann körperlich ein Schwergewichtler sein, also in der Klasse bis 91 Kilogramm kämpfen. Sieben Jahre sind es noch bis dahin, alles ist schwer vorausplanbar, aber Stand heute ist die sportliche Perspektive da. Sie zeichnet sich zumindest am Horizont ab. Aus dem Boxzentrum hört man, dass der junge Mann erwachsener geworden sei. Seine Zeit im Sportinternat vor drei Jahren ist inzwischen abgehakt, das hatte nicht gepasst. Nun pendelt er täglich von Ahlen nach Münster und wieder zurück. Die Familie hilft in diesem Fall, der Sieg in Lindow soll es nicht gewesen sein.

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