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Tischtennis: Saisonabbruch

„Kein Pool, aus dem wir schöpfen können“

Münster

Wieder Schluss! Vor einer Woche hat der Westdeutsche Tischtennis-Verband die Saison abgebrochen. Die Entscheidung fand nicht überall Zustimmung, bei den erfolgreichsten münsterischen Clubs aber schon. Für die Jugend sollen schon bald Turniere organisiert werden.

Von Wilfried Sprenger

Hält den Vergleich mit anderen Hallensportarten nicht für seriös: TTC-Teamsprecher Thomas Boonk. Foto: Wilfried Hiegemann

In der vergangenen Woche entschied der Westdeutsche Tischtennis-Verband (WTTV), den Punktspielbetrieb in seinem Hoheitsgebiet pandemiebedingt einzustellen. Die Saison wird als „einfache Runde“ gewertet, dies ist möglich, weil schon vor Weihnachten in allen Spielklassen mindestens 50 Prozent der angesetzten Partien ausgetragen waren. Gleichwohl bedeutet der Abbruch eine Zäsur. „Wir erleben das ja schon zum dritten Mal. Und es fühlt sich wieder nicht gut an. Aber die Entscheidung ist nachvollziehbar und richtig“, sagt Ralf Brameier, Pressesprecher des TuS Hiltrup. Der Club aus Münsters Süden ist mit 17 Mannschaften einer der größten unter dem Dach des WTTV.

Frust bei den Tischtennissportlern

Natürlich nagt an den Tischtennissportlern der Frust. Einige (wenige) verweisen auf die Vorgehensweise anderer Sportverbände. Handballer, Volleyballer und Basketballer seien weiterhin im Wettkampf, heißt es mindestens kritisch, mitunter sogar vorwurfsvoll. Ein Argument, das Thomas Boonk, Teamsprecher des NRW-Ligisten 1. TTC Münster, zu entkräften versucht. „In den genannten Sportarten haben die Mannschaften in der Regel gut gefüllte Ersatzbänke. Wenn einer ausfällt, springt ein anderer ein. Das ist im Tischtennis schwierig“, sagt Boonk und verdeutlicht: „Bei uns haben Ersatzstellungen sichtbare Löcher in anderen Teams gerissen.“ Brameier springt ihm bei: „Im Tischtennis gibt es keinen Pool, aus dem wir schöpfen können. Wenn jemand fehlt, brauchen wir in der Regel Hilfe aus einer anderen Mannschaft.“

Boonk und Brameier sind sehr wohl unglücklich über die Situation. Gleichwohl weit davon entfernt, dem WTTV den schwarzen Peter zuzuschieben. „Es ist alles sehr schwierig im Moment. Ich möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken“, meint auch Max Kruse, Spitzenspieler des NRW-Ligisten Borussia Münster. Persönlich hätte er gern weitergespielt. Und spricht dabei offenbar auch für seine Teamkollegen. „Wir sind fast alle im Training und haben richtig Bock“, sagt Kruse. Andererseits sieht er den Zwiespalt. „Die Zahlen sind ja immer noch hoch, es wäre zu weiteren Spielverlegungen gekommen. Ich weiß nicht, ob wir die Saison rechtzeitig und ohne großen Stress hätten beenden können.“

Brameier: Beim Nachwuchs muss man aufpassen

Überlegungen, die Saison bis in den Juni auszudehnen, korrespondieren nicht mit dem Statut. Im Mai sind Relegationsspiele angesetzt, dann endet auch die Wechselfrist. „Elf Spieltage vorher durchzudrücken, macht keinen Sinn. Zumal in diesem Zeitraum auch die Osterferien liegen. Da will sowieso niemand spielen“, meinen Boonk und Brameier.

Befürchtungen, die Randsportart Tischtennis könnte noch weiter an den Rand gedrückt werden, hat Brameier „noch nicht“. Dem Hiltruper liegt vor allem der Nachwuchs am Herzen. „Da müssen wir tatsächlich aufpassen, dass wir unsere Jugendlichen nicht verlieren“, sagt er. Schon bald will er mit Mitstreitern Einzelturniere für den Nachwuchs organisieren. „Immer nur Training und keine Wettkämpfe: So ist der Mensch nicht gestrickt“, weiß der Pädagoge aus eigener Erfahrung: „Es ist doch sonnenklar, dass kein Tischtennisspieler mit der aktuellen Situation zufrieden ist. Dafür spielen und messen wir uns doch viel zu gern.“

Im September soll das wieder möglich sein. Lang ist die Zeit bis dahin. Und noch kann niemand seriös beantworten, ob es nach drei vergeblichen Anläufen gelingt, dann eine Saison zu Ende zu spielen.

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