Fußball: Einsatz in der Nationalmannschaft

Mala Grohs erobert die Fußball-Welt

Münster

Ende Juni ist Maria Luisa Grohs von Münster nach Bayern gezogen – um zu studieren, vor allem aber um Fußball zu spielen: An Deutschlands feinster Adresse. Die 18-Jährige steht im Tor von Bayern München – und aktuell auch zwischen den Pfosten der deutschen U-19-Nationalmannschaft.

Ansgar Griebel

Maria Luisa Grohs hat an diesem Wochenende die grüne Bayern-Kombi gegen das DFB-Trikot getauscht und spielt für Deutschland gegen Belgien und die Niederlande. Foto: Ines Hähnel

In den acht Jahren bis zum Abitur hat Maria Luisa Grohs auf der Marienschule in Münster unter anderem Latein gelernt, war aber mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende: Zusätzlich hat sie ihre Englischkenntnisse auf gehobenes Kommunikationsniveau geschraubt und kann sich bei Bedarf auch gut auf Französisch und Italienisch verständigen – beste Voraussetzungen also für eine internationale Fußball-Karriere. Nun führt diese zumindest in Deutschland allerdings über einen ganz anderen Sprachraum: Nicht nur bei den Männern wird im Lande des vierfachen Weltmeisters im Spitzenbereich vor allem Bayrisch gesprochen.

Mala Grohs

Denn auch die Frauenabteilung des FC Bayern München hat national eine Führungsrolle inne: 1970 wurde diese Sparte aus der Taufe gehoben, seither sind die Bayern-Damen dreimal deutscher Meister und in den vergangenen drei Jahren jeweils Vizemeister geworden, standen zuletzt im Halbfinale der Champions League und streben wie ihre Vereins-Kollegen stetig höhere Ziele an. Fol­gerichtig hat sich Mala Grohs nach dem Abi schnell und erfolgreich eine fünfte Fremdsprache angeeignet. „Mittlerweile habe ich mich gut an die Sprache gewöhnt und verstehe fast alles direkt“, sagt die 19-Jährige lachend, die seit Juli 2019 das Tor der Münchener Zweitliga-Reserve hütet.

Bayrische Töne in der Mädchen-WG

Auch in ihrer Fußball-WG an der Säbener Straße wird Bayrisch gesprochen, weil ihre Mitbewohnerinnen und Mitspielerinnen Barbara Brecht (Ebersberg) und Kristin Kögel (Neu-Ulm) gebürtige Bayerinnen sind. Sprachlich war die Eingewöhnung also ebenso unproblematisch, wie die auf dem Platz. Die ehemalige Torfrau des 1. FC Gievenbeck ist als Stamm-Torhüterin in der Bayern-Reserve gesetzt und hat auf dem Weg zur angestrebten Titelverteidigung in Liga zwei bislang zwei der drei Meisterschaftsspiele (4:1 gegen den FFC Frankfurt II und 0:1 gegen Werder Bremen) absolviert. Beim 2:1-Auswärtssieg bei Arminia Bielefeld räumte die Münsteranerin weisungsgemäß ihren Platz für Erstliga-Kollegin Jacintha Weimar. „Das kommt ab und zu mal vor, dass eine der drei aus der ersten Mannschaft bei uns Spielpraxis sammeln soll“, sagt Mala Grohs, die bei den Bayern schon jetzt das professionelle Umfeld zu schätzen weiß und große Fortschritte in ihrer sportlichen Entwicklung ausmachen kann. Dazu zählt bei Bedarf natürlich auch der Anschauungsunterricht bei den Bayern-Stars in der Allianz-Arena. „Bei der Saisoneröffnung habe ich die Profis live gesehen“, so Grohs, die ihre Auszeiten künftig aber auch zu Studienzwecken nutzen wird, weil im Oktober auch das erste Semester in Luft- und Raumfahrttechnik in der Fachhochschule gestartet wird.

Fußball hat Vorfahrt

Vorfahrt hat allerdings zunächst der Fußball: Im kommenden Jahr stehen die U-19-Europa- und die U-20-Weltmeisterschaft an, die Qualifikationsrunde wird bereits im Oktober gespielt. An diesem Wochenende pausiert die zweite Bundesliga, weil viele Aktive im Nationalmannschaftseinsatz sind. Auch der FC Bayern entsandte gleich acht Spielerinnen für internationale Aufgaben in der deutschen U 19: Unter anderem ihre Torhüterin. Aktuell bestreitet die U-19-Auswahl des DFB Testspiele in den Niederlanden und Belgien. Am Sonntag steht die Partie gegen den Oranje-Nachwuchs an, an diesem Freitag hielt Mala Grohs im Kattegat Stadion zu Wuustwezel das deutsche Tor beim 3:0 gegen Belgien 45 Minuten lang sauber – das klingt in allen Sprachen gut, auch in Latein und auf Bayrisch.

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