Rudern: Paralympics

Manuela Diening in einem Rennen für die Geschichte

Münster

Es war das schnellste Rennen aller Zeiten – und Manuela Diening war dabei. Im Ziel zwar mit leichter Verspätung, aber allemal Teil einer historischen Entscheidung. Erstmals absolvierte eine Para-Ruderin im Einer die 2000-Meter-Distanz unter zehn Minuten. Nicht das einzige Highlight für die Athletin des RV Münster.

Als die historische Marke fiel, war Manuela­ Diening noch voll und ganz mit sich selbst beschäftigt und hatte noch rund 200 anstrengende Meter in ihrem Boot vor sich. Was sich da neun Minuten und 56 Sekunden nach dem Startschuss in ihrem Rücken abspielte, „das habe ich erst ein paar Minuten später wirklich mitbekommen“, erzählt die Para-Ruderin des RV Münster. Sie war dennoch hautnah dabei, als die Norwegerin Birgit Skarstein ihren eigenen Weltrekord binnen zwei Tagen gleich zweimal um insgesamt 18 Sekunden drückte und an diesem Sonntag auf dem ­Lago di Varese in Garivate als erste Frau der Welt im Para-Einer die 2000-Meter-Distanz in einer Zeit diesseits der Zehn-Minuten-Marke bewältigte.

Nur knapp geschlagen

Es war einer von vielen beeindruckenden und lehrreichen Momenten für die 29-jährige Münsteranerin in der Lombardei. „Ich nehme hier ganz viel mit an Erfahrungen und an Hinweisen, woran ich noch zu arbeiten habe“, sagt Diening – und die Erkenntnis, „dass sie da schon jetzt mit dabei ist“, wie der mitgereiste Heimtrainer Sebastian Fuchs ergänzte. Beim Vorlauf am Samstag beispielsweise lag die Münsteranerin lange Zeit Boot an Boot mit der norwegischen Weltmeisterin, ehe die im Schlussspurt entscheidende Meter, aber eben auch keine Welten zwischen sich und ihre Kontrahentin aus Münster legte.

Lob gab es im Anschluss sogar vom Skarsteins Trainer, der der Münsteranerin eine eindrucksvolle und rasante Entwicklung bescheinigt. Erst seit knapp zwei Jahren rudert Diening, am Wochenende bestritt sie ihre internationalen Rennen drei bis sechs – im Reigen der Weltspitze hat man die Newcomerin aus Münster dennoch längst auf dem Zettel.

Unerreichte Bestzeiten

Dass eine Ruderin vom Ausnahmeformat Skarsteins unter Hochdruck nicht nur Diening weit voraus ist, sondern auch Vize-Weltmeisterin Moran Samuel aus Israel oder Deutschlands über viele Jahre hinweg dominierenden Para-Ruderin Sylvia ­Pille-Steppat locker abzuhängen versteht, bewies sie dann in den beiden Finals am Samstag und Sonntag mit bis dahin unerreichten Weltbestzeiten.

Rennen um Olympia

Das ist – noch – nicht die Liga von Diening, die sich in Italien aus gegebenem Anlass vor allem dem direkten Vergleich mit Pille-Steppat widmete. Erst Ende Juli will der Behindertensportverband Deutschlands verkünden, wer Deutschland bei den paralympischen Regatten in Tokio vertreten soll. Sowohl in Münster als auch in Hamburg machte man sich berechtigte Hoffnungen auf das Ticket.

Boot wird nicht verschifft

Nachdem Diening bei der offiziellen DRV-Nominierungsregatta im April in Köln noch von einem verletzungsbedingten Rückzieher ihrer Konkurrentin aus Hamburg profitiert hatte, schlug diese am Wochenende eindrucksvoll zurück. In allen direkten Duellen lag Pille-Steppat deutlich vor ihrer Herausforderin und dürfte jetzt doch wieder die besseren (Eintritts-)Karten für die Paralympics haben.

Im Vorfeld hatten sich ­Diening und Trainer Fuchs noch Gedanken über die notwendigen Frachtpapiere für die Transpazifik-Passage ihres Bootes gemacht, nach den Tagen in der Lombardei rückte dann aber der Einer von Sylvia Pille-Steppat auf die Verladerampe, für die Münster-Crew gibt es voraussichtlich nichts zu verzollen. „Aber das wäre für mich absolut in Ordnung. Sie war deutlich schneller als ich. Das muss und kann ich akzeptieren“, sagt Diening, die diese Rennen aber durchaus als Ansporn sieht – und beim nächsten Weltrekord dichter dran sein will.

Zwischenmenschlich nähergekommen sind sich die beiden deutschen Top-Athletinnen im Para-Einer dabei schon jetzt. „Auch in dieser Hinsicht haben sich die Rennen in Italien gelohnt“, erzählt Diening.

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