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Serie: „Sommersportler im Winter“

Rovers Bogenschützen erhalten eigene Halle für die kalten Monate

Münster

Naturverbunden sind Bogenschützen eigentlich immer. Umso erstaunlicher, dass sie sich ungefähr mit Beginn des Novembers klaglos dorthin zurückziehen, wo es warm und beheizt ist. In die Halle. Das Training dort in den kalten Monaten hat durchaus eine spezielle und hilfreiche Wirkung. Und demnächst gibt es für die Rovers Hiltrup sogar eine eigene Unterkunft.

Jürgen Beckgerd

Herbert Luidolt in Aktion. Ab November geht‘s auch für die Rovers Bogenschützen zum Training in die Halle. Foto: Jürgen Peperhowe

Üblicherweise ist die Natur und die Nähe zu ihr das Metier der Bogenschützen – egal, ob Compound-, Feld-, Recurve- oder Blankbogen. Nur: Was tun, wenn der Kalender neben münsterländischem Meimel auch noch Frost und Schnee vorhersagt? Die Rovers Hiltrup machen eine Tugend draus, ohne Not zu leiden. Es zieht sie ab Anfang November in die Halle. Entweder in eine der städtischen, eine extra dafür angemietete oder – demnächst – in die eigene. Die soll im kommenden Jahr auf dem Vereinsgelände fertiggestellt sein, sagt Herbert Luidolt, der wohl international erfolgreichste Athlet der Rovers mit WM-Platz vier (2010) und zahlreichen Deutschen (Vize-)Meisterschaften. Bauanträge sind gestellt, die Zeit drängt, denn die Zuschüsse für den Neubau sind zeitgebunden. „Zwölfmal 25 Meter“, sagt Luidolt, werde die Halle groß. „Wir haben neun Jahre darauf hingearbeitet.“ 2020 soll schließlich Einweihung gefeiert werden.

Bogenschießen unter dem Dach – geht das? Geht: An diesem Wochenende finden die Bezirksmeisterschaften in der Rekener Halle am Rathaus statt.

Der 60-jährige Luidolt bestreitet nicht, dass die Verhältnisse sich grundlegend vom üblichen Trainings- und Wettkampfereignis unterscheiden, die Sportler drinnen gar über gehörigen Stress klagen, wenn ihnen der Nebenmann eben zu dicht auf die Pelle rückt beim Zielen und Schießen. Aber: „Das ist auch Technik-Training ohne Beeinflussung von äußeren Einflüssen wie Licht, Schatten, Wind und Temperatur“, sagt Luidolt. Und obwohl „kein Bogenschütze, den ich kenne, lieber drinnen schießt, ist das Hallentraining doch elementar.“

Ende Oktober wird zusammengepackt und umgezogen. Dann werden die Scheiben unter Dach und in 18 Metern Entfernung aufgebaut. Üblicherweise schießen die Athleten in der olympischen Disziplin über eine Distanz von 70 Metern, mit dem Feldbogen reichen die Entfernungen von fünf bis zu 60 Metern.

Technik in der Halle zu trainieren, ist Grundlagenarbeit im besten Sinne. „Der Bogensport ist ja eine ständige Wiederholung“, erklärt Luidolt. Das geht auch unterm Dach. Elementar sind der richtige Stand, doch auch Kraft und Ausdauer wollen trainiert werden. „Draußen legt man beim Feldbogen schon mal rund 70 Kilometer in der Woche zurück und bringt einige Tonnen an Zugkraft auf“, schildert der 60-Jährige, der nach einer Operation selbst die Wintersaison nutzt, um wieder zurück zu kommen. „Krafttraining“, sagt er, „machen die meisten zu Hause, im Fitness-Studio oder eben am Bogen“ – Schießen ohne Pfeile sozusagen. Dass in den Wintermonaten einigen Rovers-Bogenschützen die Lust vergeht, erkennt Luidolt keineswegs. Im Gegenteil: „Wir freuen uns, wenn wir zusammenkommen“. Dem ungewohnten Dicht-an-dicht der Trainierenden in der Halle zum Trotz. Schöner ist‘s halt draußen.

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