1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Rudern bis zum Sonnenuntergang

  8. >

Nur bei Eis geht es nicht ins Boot

Rudern bis zum Sonnenuntergang

Münster

Liegen die Ruderboote im Winter auf dem Trockendock? Mitnichten. Auf dem Kanal und in anderen Gewässern herrscht auch in der kalten Jahreszeit Betrieb. Einzige Ausnahme: Bei Eis wird das Sportgerät nicht ins Wasser gelassen.

Ansgar Griebel

Ruder-Idylle auf dem Rhein in Köln. Foto: via www.imago-images.de

Dass Johann Wolfgang von Goethe einst in einem Ruderboot saß, dürfte nach Lektüre des Gedichts „Auf dem See“ als gesichert angesehen werden, ob er je selber zum Ruder gegriffen hat, ist dagegen nicht übermittelt. Allemal stammt von Deutschlands größtem Dichter der klare Merksatz, wann die Ruderer auch heutzutage jährlich ihre Freiluft-Saison eröffnen. Dann nämlich, wenn Strom und Bäche vom Eise befreit sind – meist zur Zeit des Osterspaziergangs. Das bestätigt Thorsten Kortmann, Trainer beim RV Münster: „Das passt schon: Von März bis Oktober ist die Regattasaison.“

Allerdings schieben Ruderer bei Bedarf und nach Möglichkeit auch im Winter Wassereinheiten ein, wenn es die äußeren Umstände zulassen – und tatsächlich müssen Ströme und Bäche vom Eise befreit sein, damit sich Ruderer hinauswagen: „Da reicht es auch schon, wenn ein Eisblock aus dem Hafenbecken in den Kanal treibt. Dann wird nicht gerudert“, so Kortmann. Einmal jährlich sei das in der vergangenen Jahren immer vorgekommen, zur Not könne man dann noch auf die Kanalabschnitte bei Waltrop und Hamm ausweichen. In der Nähe von Kraftwerken habe das Eis meist keine Chancen.

Grundsätzlich könne jedoch auch im Winter gerudert werden. „So lange es klar und trocken ist, sind minus drei oder minus vier Grad kein Problem, sonst ist bei ein, zwei Grad Feierabend.“ Dann rät Kortmann zur entsprechenden Ausrüstung. „Warme wind- und feuchtigkeitsabweisende Jacken zum Beispiel. Es gibt eigens Handschuhe, die die Hände schützen und gleichzeitig über den Griff des Ruders reichen.“

Derartige Kaltfahrten sind allerdings tabu für die Nachwuchsruderer. Sie verbringen das Wintertraining ausschließlich in Krafträumen und Ruder-Ergometern. Denn das größte Problem sind nicht die Temperaturen, sondern bei Licht betrachtet die Dunkelheit. „Wenn die Sonne untergeht, müssen alle Boote vom Wasser“, so Kortmann. Für Einheiten nach der Schule bleibt somit gar keine Zeit. „Da hoffen wir auf die Folgen der Rückkehr zur G9, und darauf, dass die Schüler dann wieder früher am Tag Zeit haben.“

Allemal ist das Wintertraining eine schweißtreibende Herausforderung für alle Ruderer, die den Zeitpunkt herbeisehnen, wenn des Frühlings belebender Blick Strom und Bäche wieder für die Ruderboote befahrbar macht.

Startseite