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Schwimmen: Special Olympics in Berlin

SGS-Zwillinge Felix und Emma Vorwerk haben ein großes Abenteuer vor sich

Münster

Felix und Emma Vorwerk haben Trisomie 21. Doch das Down-Syndrom ist für die beiden Zwillinge noch lange kein Grund, nicht sportlich aktiv zu sein. Seit Jahren schwimmen die 13-Jährigen bei der SGS – und haben mit den Special Olympics in Berlin nun ein großes Abenteuer vor sich.

Von Camillo von Ketteler

Fühlen sich im Wasser und bei der SGS pudelwohl: Emma (l.) und Felix Vorwerk. Vom 19. - 24. Juni werden die Zwillinge mit Trisomie 21 bei den Special Olympics in Berlin antreten – den nationalen Spielen für Sportler mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Foto: Mario Kock

So ganz genau weiß niemand, wie viele Menschen in Deutschland das Down-Sydrom haben. Die Geburtenrate wird nicht gezählt, genauso wenig die Sterberate. Fragt man das Internet, dann dürften es um die 50 000 sein. Geschätzt.

Felix und Emma Vorwerk aus Handorf gehören dazu. Die Zwillinge schwimmen seit fünf Jahren bei der SGS und haben im Sommer ein großes Abenteuer vor sich. Vom 19. bis zum 24. Juni werden die 13-Jährigen bei den Special Olympics in Berlin antreten – den nationalen Spielen für Sportler mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. „Die beiden sind vor jedem Wettkampf aufgeregt. Aber in der Hauptstadt wird das dann sicher besonderes sein“, sagt Sybille Vorwerk, die Mutter der beiden.

Freude am Schwimmen schon früh entdeckt

Aber der Reihe nach. Dass zweieiige Zwillinge jeweils mit Trisomie 21 geboren werden, ist extrem unwahrscheinlich. „Es ist wirklich hochgradig selten“, sagt Sybille Vorwerk. Bei Felix und Emma aber ist es so. Sie werden in eine bewegungsfreudige Familie hineingeboren, „wir haben schon früh viel Wert auf Sport gelegt“, sagt Vorwerk. Inzwischen fahren die Zwillinge Fahrrad und Ski, Felix spielt Fußball, Emma reitet. Schon sehr früh aber entdecken sie das Wasser für sich. Zu Beginn mit einer Physiotherapeutin, quasi als Therapie. Nach und nach dann aber auch aus eigenem Antrieb. „Es hat ein bisschen gedauert, bis sie den Dreh raushatten. Aber die beiden fanden Schwimmen immer toll“, sagt ihre Mutter.

Die Vorwerks, die heute auf der Mathilde-Anneke-Gesamtschule sind, gehen in den normalen Regelkindergarten und besuchen die Grundschule vor Ort. Zu dieser Zeit begegnet die Familie Sarah Rentmeister, Lehrerin an der Grundschule und Trainerin bei der SGS. „Das war der erste Anlaufpunkt“, erinnert sich Sybille Vorwerk. Mit sieben machen sie das Seepferdchen und wechseln ein Jahr später zum Verein.

SGS integriert die Zwillinge seit Jahren

Als Landesstützpunkt ist die SGS leistungsorientiert und kam gerade erst mit fünf Medaillen im Gepäck von den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin zurück. Felix und Emma aber bekommen hier seit Jahren die Chance, ganz normal mitzumachen. „Eigentlich bist du bei der SGS raus, wenn du deine Leistung nicht bringst. Das ist bei den beiden nicht so, das wird von Vereinsseite voll unterstützt“, lobt Sybille Vorwerk. Teilhabe im Alltag – so wichtig für Felix und Emma. „Etwas Besseres gibt es gar nicht. Da ist eine hohe soziale Komponente dabei“, sagt sie.

Emma Vorwerk und ihren Bruder Felix bedeutet das Schwimmen bei der SGS auch Teilhabe im Alltag. Foto: Mario Kock

Menschen mit Trisomie 21 können eine schwächere Muskulatur aufweisen, Bewegung kann hier entgegenwirken. Das Schwimmen bei der SGS verbindet sportliche und soziale Aspekte. „Wir sind froh, dass sie Spaß daran haben. Sie werden gefordert und haben die Möglichkeit, sich anzustrengen. Das ist großartig für Felix und Emma“, sagt Vorwerk.

Vorfreude auf die Spiele in Berlin ist groß

Was im Training funktioniert, klappt im sportlichen Wettbewerb natürlich nicht. „Da wären sie ja immer hinten dran“, sagt Vorwerk. Daher sind Felix und Emma auch bei paralympischen Wettkämpfen gelistet, messen sich mit anderen Para-Schwimmern – und werden das auch bei den Special Olympics in Berlin tun. 2019 schwammen sie bereits bei den NRW-Landesspielen in Hamm, sie werden auch im September in Bonn wieder antreten. Der Unterschied: Zu Landesspielen muss man sich nur anmelden, für die nationalen und internationalen mussten sich Felix und Emma qualifizieren.

„Die beiden freuen sich extrem, dass sie nach Berlin fahren dürfen – zumal sie für die Zeit schulfrei bekommen“, sagt Sybille Vorwerk lachend und fügt hinzu: „Felix zum Beispiel realisiert es schon, wenn da noch einer Down-Syndrom hat, und freut sich, dass er die Chance hat, mal Erster zu werden.“

Im kommenden Jahr werden die World Special Olympics in Berlin ausgetragen, dann also die internationalen Spiele. „Das ist ein großes Ziel, aber wir müssen mal gucken, ob das klappt“, sagte Sybille Vorwerk. Das Mindestalter für die Wettkämpfe liegt bei 15 Jahren, Emma und Felix wären erst 14. „Erst mal müssten sich die beiden ja sowieso dafür qualifizieren“, sagte sie. „Dann könnten wir immer noch fragen, ob wir vielleicht eine extra Genehmigung bekommen.“

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