Golf: Herausforderungen in der Krise

Sophie Hausmann: „Fühle mich hier in Phoenix sicher“

Münster

Sophie Hausmann aus Münster hat im Dezember 2019 ihren Status geändert und zieht nun als Profi-Golferin um die Welt. Die Corona-Krise stellt aber auch die 22-Jährige vor Herausforderungen. Wir haben mit ihr telefoniert.

André Fischer

In der Corona-Krise beinahe zum Nichtstun verdammt: Sophie Hausmann. In Arizona hat sie jüngst noch ein Turnier gespielt. Foto: Privat

Sophie Hausmann aus Münster hat im Dezember 2019 ihren Status geändert und zieht nun als Profi-Golferin um die Welt. Die Corona-Krise stellt aber auch die 22-Jährige vor Herausforderungen. Wir haben mit ihr telefoniert.

Sophie, es sind gespenstische Zeiten. Wo schließen Sie sich derzeit ein?

Hausmann: Ich bin in Phoenix, Arizona. Ich war gerade auf dem Weg zu einem Turnier hier in der Ecke vor knapp drei Wochen, als die große Welle der Turnier- und Reiseunterbrechungen losging. So schnell wusste ich gar nicht wohin. Zum Glück wohnt hier eine Freundin, die auch auf der Symetra-Tour spielt. Sophia Popov ist schon viele Jahre aktiv, wohnt mit ihrer Familie hier – und nun darf ich bei ihnen leben. Wir sind viel daheim. Fitness, Puzzle, Bücher, bislang sind wir gut ausgestattet.

Die USA haben mit einer hohen Zahl an Coronavirus-Infizierten zu kämpfen, die Todesfälle häufen sich. Wie nehmen Sie die Situation wahr? Haben Sie Angst?

Sophie Hausmann

Hausmann: Die Zahl der Infizierten nimmt zu, so aber auch die Anzahl der Tests. In den letzten drei Wochen wurde die Zahl der durchgeführten Tests deutlich erhöht, was gut ist. Das führt nun mal zu einer gewissen Sorge und Panik. Viele der Infizierten weisen keine Symptome auf und wissen gar nicht, dass sie bereits das Virus in sich tragen. Hier in den USA, vor allem in Staaten wie Kalifornien und New York, ist es extrem und die Population gewaltig. Da ist es sinnvoll, die Städte dichtzumachen. Wenn man die Bilder der leeren Straßen in den Nachrichten sieht, ist das erschreckend und zeigt, dass es uns alle betrifft und schnell treffen kann. Deshalb finde ich es wichtig, die Maßnahmen, die die jeweiligen Beauftragten treffen, einzuhalten. Aber ich kann nicht sagen, dass ich mich hier in den USA weniger sicher fühle, nur weil die Zahl der Todesopfer und Infizierten höher ist. Das muss man auf die Anzahl der Population umrechnen. Die Panikeinkäufe der letzten Wochen werden, denke ich, noch eine Zeit anhalten. Auch wenn wir sicher gehen können, dass Supermärkte weiterhin geöffnet haben.

Corona ist allgegenwärtig

Während in Europa die Golfanlagen geschlossen sind, geht der Betrieb auf diversen amerikanischen Plätzen nicht selten weiter.

Hausmann: Corona ist allgegenwärtig. Aber solange hier vereinzelte Plätze noch geöffnet haben und das Risiko überschaubar ist, ist das vertretbar. Golf ist kein Kontaktsport, Fahnen und Sandbunkerhaken dürfen nicht mehr angefasst werden – und nach der Runde heißt es vom Platz und nicht in die Gastro setzen. Das sind nachvollziehbare Maßnahmen. Das kann sich schnell ändern. Das Amateur-Golf, insbesondere das College-Golf, wurde bereits für den Rest der Saison auf Eis gelegt. Athleten bekommen aber die Chance, ein Jahr länger für die Uni zu spielen.

Sie haben zuletzt auf der „Cactus-Tour“ im Sundance Golf Club in Buckeye gespielt. Auch ruhigen Gewissens?

Hausmann: Die „Cactus-Tour“ hat in den letzten Wochen ein paar Turniere innerhalb Arizonas angeboten. Es ist ein limitiertes Feld an Spielern, keiner muss aus weiter Ferne anreisen, da alle momentan hier leben oder „festsitzen“. Maximale Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen. So haben wir ein wenig Spieldruck und können, wenn es gut läuft, ein wenig Geld verdienen. Sonst sind wir arbeitslos.

Sarah Burnham hat für einen Sieg bei dem Turnier 2800 Dollar bekommen – und eine Rolle Toilettenpapier. Wie kommt so etwas an?

Hausmann: Jeder kennt den Turnierdirektor und der ist immer für einen Scherz zu haben. Und ganz ehrlich: So wie Menschen in die Supermärkte rennen und Toilettenpapier für Monate bis Jahre kaufen, scheint dies ein derzeit sehr wertvolles Gut zu sein.

Saison ruht vorerst bis Juni

Wie groß sind die Hoffnungen, in diesem Jahr wieder unbeschwert auf das Grün zurückzukehren?

Hausmann: Symetra hat inzwischen veröffentlicht, dass es erst Mitte Juni mit der Tour weitergeht. Das ist noch eine ganze Zeit hin. Die Turnierpläne werden derzeit so gut es geht angepasst, um mögliche aufgeschobene Turniere am Ende der Saison spielen zu lassen. Das hat Auswirkungen auf die Qualifikationen, die verschoben werden müssen. Die amerikanische Organisation für professionelle Golferinnen und die Macher der Europa-Tour warten ab, wie sich die Dinge entwickeln, und sind ständig damit beschäftigt, mögliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Ihre Familie und viele Freunde leben im Münsterland. Haben Sie in diesen Zeiten mehr Kontakt zu Ihnen als sonst?

Hausmann: Wir sind regelmäßig in Kontakt, so wie sonst auch, reden derzeit aber mehr über die aktuelle Lage und deren Folgen als über Golfergebnisse.

Buchtipp: Billion Dollar Whale von Tom Wrigth und Bradley Hope

Sie lesen aktuell viel. Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

Hausmann: „Billion Dollar Whale“ von Tom Wright und Bradley Hope. Ich liebe es generell, zu lesen. Jetzt habe ich noch mehr Zeit.

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