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Rudern: Paralympics oder WM

Tokio oder Schanghai – Manuela Diening auf gepackten Koffern

Münster

„Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!“ Chef-Geograf Andreas Möller verewigte sich mit diesem Zitat in der Fußball-Geschichte. Ruderin Manuela Diening ist in Erdkunde besser drauf, hat aber ebenfalls die Wahl. In diesem Jahr geht es für die Para-Ruderin des RV Münster zu den Paralympics oder zur WM. Beides wäre cool, oder um es mit Andi Möller zu sagen: Tokio oder Schanghai, Hauptsache Asien!

Ansgar Griebel

Manuela Diening wird Deutschland in diesem Jahr noch vertreten: in Tokio oder Schanghai. Foto: Detlev Seyb

Manuela Diening ist unterwegs – ständig und scheinbar unermüdlich. Am Donnerstag hatte die IT-Managerin noch einen langen Arbeitstag bei der Stadtverwaltung in Emsdetten, am frühen Freitagmorgen war die 29-Jährige als Beifahrerin von Trainer Sebastian Fuchs auf dem Weg ins Trainingslager nach Breisach. Vom Breisgau aus geht es am Dienstag weiter zum Lago di Varese nach Garivate in die Lombardei. Geografisch nicht zwingend, sportlich jedoch der direkte Weg nach Asien.

Im August stehen die Paralympischen Spiele in Tokio an, im Oktober die Para-Weltmeisterschaften in Schanghai: Eine der beiden Großveranstaltungen wird die Ruderin des RV Münster ansteuern.

Entscheidung am 19. Juni

Wohin die Reise letztlich geht, entscheidet der deutsche Behindertensportverband am 19. Juli, wenn die finale Nominierung für Tokio ansteht. „Ich habe beide Termine in meiner Urlaubsplanung geblockt“, baut Diening vor. Mit ihrer nationalen Mitstreiterin Sylvia Pille-Steppat aus Hamburg wird sie sich die Fernreisen aufteilen. Beide firmieren auf der Web-Seite des Deutschen Ruderverbandes im Team Deutschland für die Paralympics, im deutschen Einer wird im Tokioter Hafen dann naturgemäß aber nur eine sitzen können.

Wenn sie es aussuchen könnte, wären natürlich die Paralympics erste Wahl, „aber als Urlaubsziel fände ich Schanghai noch spannender“, so Diening – egal wie, zu verlieren gibt es für die Athletin nichts, deren kurze und steile Ruderkarriere nach nur zwei Jahren den höchstmöglichen Zielen entgegensteuert.

In zwei Jahren von der Anfängerin zur Paralympics-Kandidatin

Im Herbst 2019 stellte sich die gebürtige Sauerländerin beim RV Münster vor und meisterte gemeinsam mit dem Verein in Rekordzeit die logistischen und sportlichen Herausforderungen – der Verein kümmerte sich um Ausstattung und Trainingsumfeld, die Athletin gab Vollgas auf dem Wasser. Das Corona-Jahr kostete wertvolle Wasserzeiten und vor allem Wettkampferfahrung, die jetzt im Schnelldurchgang nachgeholt werden muss. „Die Regatten fehlen mir“, sagt Diening, die sich in ihrer sportlichen Entwicklung auf gutem Weg, aber noch lange nicht am Ziel sieht. „Da gibt es noch genug Baustellen“, sagt sie. Als zuständiger Karriere-Architekt ist Fuchs mit an Bord, der von Beginn an die Betreuung der Top-Athletin übernommen und sich ebenfalls in kürzester Zeit den neuen Herausforderungen gestellt hat. Auch er hat in seiner Urlaubsplanung das Zeitfenster vom 19. bis zum 31. August geblockt – als Trainer wäre er Teil der paralympischen Familie, wenn sein Schützling an den Start gehen darf. Bis dahin werden Wasser-Kilometer gemacht, Regatten gefahren und die Baustellen bearbeitet.

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