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Serie zu 20 Jahren Münster-Marathon

Tour de Marathon: Ralph Schomaker leistet Hilfe auf zwei Rädern

Münster

Es gibt viele Gesichter hinter dem Volksbank-Münster-Marathon – eines davon gehört Medikus Dr. Ralph Schomaker. Der Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Notarzt ist seit 2007 für die sportorthopädische und notfallmedizinische Schiene verantwortlich.

Von André Fischer

Medizinische Notfallhilfe auf dem Rad: Dr. Ralph Schomaker braucht selbst reichlich Ausdauer. „Ich möchte dazu beitragen, dass alle Läuferinnen und Läufer sicher ins Ziel kommen“, sagt der 53-Jährige. Foto: Peter Leßmann

Die Bilder sorgen für eine schreckliche Gänsehaut. Zuschauerinnen und Zuschauer des traditionellen Ruhr-Marathons stehen am Sonntag unter Schock, als im Gelsenkirchener Nordsternpark auf der Zielgeraden ein 20-Jähriger zusammenbricht. Rettungsmaßnahmen der bereitstehenden Sanitäterinnen und -täter werden direkt vor Ort eingeleitet – es geht um Sekunden. Der junge Mann wird umgehend in ein Krankenhaus transportiert. Verstirbt dort kurze Zeit ­später. Stille.

Münster, 9. September 2012. Bei der elften Auflage gehen rund 9000 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke. Der Spätsommer hält Einzug, es ist schwül, warm. Einer Teilnehmerin werden die Temperaturen beinahe zum Verhängnis, sie erleidet in Roxel einen Herz-Kreislauf-Stillstand, wird auf der Straße reanimiert. Gottlob mit Erfolg – und bis heute ein einmaliger Vorfall. „Hier haben die Rettungskräfte ohne Verzögerung vorbildlich reagiert. Rettungswagen und Notarzt waren in weniger als einer Minute zur Stelle. Die Patientin konnte erfolgreich wiederbelebt werden. Ihr Zustand ist stabil“, sagt Dr. Ralph Schomaker. Der Medikus des Volksbank-Münster-Marathons wirkt erleichtert.

Seit 2007 über Funk und Handy am Ball

Der 53-jährige Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Notarzt ist seit 2007 für die sportorthopädische und notfallmedizinische Schiene verantwortlich. Bei ihm laufen die Fäden seitens des ­Organisationsteams zusammen. Über Funk und Handy wird der Gremmendorfer über alle Einsätze informiert. 90 bis 100 Hilfskräfte sind involviert, die sich unter anderem auf acht Rettungswagen, drei Notarzt-Einsatzfahrzeuge, vier „Medical Points“ und diverse mobile Einsatztruppen verteilen. Zusätzlich gewährleisten fünf Ärzte der Hilfsorganisationen (Malteser Hilfsdienst, Johanniter-Unfall-Hilfe und Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund) auf den 42,195 Kilometern die Versorgung an der Strecke, zu denen sich weitere vier Mediziner des Zentrums für Sportmedizin gesellen.

Wadenkrämpfe, Stürze am Staffelwechselpunkt und Kreislaufprobleme gehören zu den gängigen Problemen. Aber auch Unterzuckerung, Überhitzung, Ermüdungsbrüche oder Zerrungen jeder Art sind weit verbreitet, stellen die „Erstversorger“ immer wieder vor Herausforderungen beim beliebten Event in der Domstadt. „Mit der Länge der Strecke nimmt die Gefahr zu“, weiß Schomaker. Kein Wunder, dass fünf bis zehn Kilometer vor dem Ziel auf dem festlich geschmückten Prinzipalmarkt die Dichte an medizinischem Personal extrem hoch ist.

Mit Sauerstoffmaske und Defibrillator

Wenn der Startschuss um 9 Uhr erfolgt, ist Schomaker seit fünf Stunden auf den Beinen. Der Wecker geht um 4 Uhr in der Frühe. Seine erste Anlaufstelle nach einem Käffchen ist das Zen­trum für Sportmedizin an der Windthorststraße. Dort schnappt er sich den 15-Kilo-Rucksack samt Sauerstoffflasche und Defibrillator – und steigt aufs Fahrrad um, das medizinisch komplett ausgestattet ist. Zwei prall gefüllte Satteltaschen mit Erstversorgungsmaterial sind für die kommenden gut zehn Stunden sein Reise­gepäck. Im Morgengrauen fährt er die komplette ­Strecke nach Gefahrenschwerpunkten ab. Egal ob es regnet oder die Sonne lacht: Diesen inspizierenden Blick vor Rennbeginn lässt er sich nicht nehmen. Gegen 7 Uhr folgt die obligatorische Einsatzbesprechung – dann ist Zeit für ein schnelles Brötchen und Luft für den einen oder anderen Plausch.

Spätestens mit dem Start der Eliteläufer ist Schomaker „on fire“. Manchmal radelt er vorneweg, manchmal den Sportlerinnen und Sportlern entgegen. Bis zum Besenwagen – um wieder umzukehren. Da kommen etliche ­Kilometer zusammen. „142 waren es 2021“, sagt Schomaker. Und das bei einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Kilometern pro Stunde. Dieser Mann ist fit. Lümmelt sich aber auch im Anschluss um 18 Uhr ins Bett. Am Tag drauf bleibt sein Sprechzimmer in der Praxis geschlossen. Beine hoch heißt es nach dem Marathon auf zwei Rädern. Schomakers ganz eigene Erstversorgung.

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