Reiten: Vielseitigkeit

Triumphale Klimke holt in Luhmühlen EM-Gold mit dem Team und im Einzel

Münster

Ingrid Klimke konnte ihr Glück kaum fassen, hatte Tränen in den Augen und durfte sich dann tatsächlich zwei Goldmedaillen umhängen. Die Münsteranerin gewann bei der EM in Luhmühlen nicht nur mit dem Team, sondern auch im Einzel Gold.

Henner Henning

Im Gelände wie später im Springen fehlerfrei blieb Ingrid Klimke mit Hale Bob – und jubelte damit über doppeltes EM-Gold Foto: dpa

Als Ingrid Klimke ihre Aufgaben im abschließenden Springen der Vielseitigkeits-Europameisterschaft in Luhmühlen fehlerfrei gelöst hatte, hatte sie bereits eine Goldmedaille sicher. Ihr Ergebnis machte schon vor dem letzten Reiter Michael Jung den Sieg der deutschen Equipe vor Großbritannien und Schweden perfekt. Dass die Münsteranerin mit Hale Bob aber auch ihren Titel in der Einzelwertung verteidigte, hatte sie dem Abwurf von dem nach der Dressur und dem Geländeritt führenden Jung zu verdanken, der sich mit Chipmunk ausgangs der dritten zweifachen Kombination einen Fehler erlaubte und mit 24,90 Punkten hinter Klimke (22,20) rutschte. Bronze gab es für die Irin Cathal Daniels mit Rioghan Rua (29,00).

Für die Münsteranerin war es ein nahezu perfektes Wochenende, das mit einer hervorragenden Dressur begann. Im Viereck zeigte sich Hale Bob „unheimlich ausdrucksstark“, nur knapp reihte sich die Reitmeisterin auf Rang zwei ein. „Ich konnte alles so reiten, wie ich wollte. Es hat total Spaß gemacht, es fühlte sich locker und harmonisch an“, sagte Klimke.

„Kurzer Ups” beim Geländeritt

Und im Gelände lief es für sie ebenso fantastisch weiter. Wie am Schnürchen galoppierte der 15 Jahre alte Wallach über den Kurs in der Lüneburger Heide, fehlerfrei und in der vorgegebenen Zeit bewältigte das Reitpaar die 5800 Meter lange Strecke, die Kursdesigner Mike Etherington-Smith mit 26 Hindernissen versehen hatte. „Auch hier hat alles so geklappt, wie ich es mir gewünscht habe. Ich hatte mir zuvor die anderen Starter angeschaut und gesehen, dass es sich gut reiten lässt“, meinte Klimke, die nur am zweiten Wasserhindernis an einer Hecke einen kurzen Hallo-Wach-Moment erlebte. „Da hat Bobby für eine Sekunde gestutzt. Aber ich hatte ihn direkt wieder vor den Hilfen, das war nur ein kurzer Ups. Er war sofort wieder fokussiert.“

Die Weichen für eine Einzelmedaille waren gestellt, der Vorsprung in der Teamwertung war dank der starken Ritte von Klimke, Jung sowie von Andreas Dibowski mit Corrida (im Einzel 16.) komfortabel.

Tränen in den Augen bei der Siegerehrung

Es war also angerichtet in Luhmühlen für die deutsche Equipe, zu der auch Kai Rüder mit Colani Sunrise (im Einzel 24.) gehörte. Ein doppelter Heimsieg war für die Schützlinge von Bundestrainer Hans Melzer greifbar – und wurde es am Sonntag dann auch. Einzig die Reihenfolge an der Spitze änderte sich nach den zwölf Hindernissen mit 15 Sprüngen noch einmal. Klimke bekam auf dem Abreiteplatz das Malheur von Jung mit, mit Tränen in den Augen nahm sie die Gratulationen für ihren zweiten Einzeltitel bei einer EM nach 2017 entgegen.

Ingrid Klimke über ihr Pferd

Es folgten emotionale Momente bei der Siegerehrung, bei der sie immer wieder auf ihren sportlichen Partner zeigte. „Ich kann es noch gar nicht fassen. Ich bin einfach glücklich und froh, dass Hale Bob so super gut sprang. Ich bin dankbar, dass ich ihn habe“, sagte die Doppel-Europameisterin, die wie ihre Teamkollegen den Bundestrainer rundum glücklich machte. „Ich habe vorher geträumt, dass wir Erster und Zweiter sind und die Mannschaftswertung gewinnen“, sagte Melzer. „Ich wusste, dass es schwer wird. Dass es am Ende so souverän ist, hätte ich nicht gedacht.”

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