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Fußball: Interview

Schiedsrichterin Arlt: Darum ist die WM-Premiere einer Frau so wichtig

Münster

Vanessa Arlt aus Münster weiß, was es heißt, Fußballspiele von Männern zu pfeifen. Vor der WM-Premiere von Stephanie Frappart spricht die Schiedsrichterin über das historische Ereignis und ihre Zukunftshoffnungen.

Die Münsteranerin Vanessa Arlt pfeift nicht nur in der Frauen-Bundesliga, sondern auch die Männer in der Regionalliga West. Foto: Imago/Treese

Vanessa Arlt weiß, was es heißt, wenn alles nach ihrer Pfeife tanzt. Die 31-Jährige aus Münster ist Schiedsrichterin, leitet Spiele in der Frauen-Bundesliga und fungiert in Fifa-Wettbewerben als Assistentin. Arlt sagt aber auch den Männern, wo es langgeht – und pfeift Partien in der Regionalliga West. Sie weiß also, was auf Stéphanie Frappart am Donnerstagabend zukommt. Die Französin ist die Unparteiische, die Deutschlands Gruppenfinale gegen Costa Rica leitet – und damit die erste Frau überhaupt bei einer Männer-WM.

Mit Stéphanie Frappart pfeift am Donnerstag zum ersten Mal eine Frau ein Spiel bei einer Männer-WM. Was sagen Sie dazu?
Vanessa Arlt: Ehrlich gesagt habe ich schon darauf gewartet, dass endlich mal eine Frau pfeifen darf. Bislang sind die ja maximal als vierte Offizielle zum Einsatz gekommen. Ich freue mich sehr für Stéphanie Frappart. Sie hat sich in anderen internationalen Spielen schon bewiesen, daher denke ich, dass sie auch diese Aufgabe meistern wird.

Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina betont, dies sei „der Beweis dafür, dass die Qualität und nicht das Geschlecht“ zählt. Wie sind Ihre Erfahrungen in Sachen Chancengleichheit?
Arlt: Mit dieser Aussage hat Collina ins Schwarze getroffen. Es macht keinen Unterschied, welches Geschlecht auf dem Platz steht. Die Frauen haben die gleichen Leistungstests zu absolvieren wie die Männer auch. Andere Länder machen es Deutschland schon vor, dass Schiedsrichterinnen in internationalen Wettbewerben zum Einsatz kommen. Ich bin gespannt, wie es in Deutschland weitergeht – vor allem nachdem mit Bibiana Steinhaus die jahrelange Nummer eins ihre Karriere beendet hat. Mal sehen, welche Frauen jetzt nachrücken und welche Chancen sich für die eröffnen.

In Katar sind die Rechte der Frauen stark eingeschränkt. Hat Frapparts Premiere ausgerechnet im Wüstenstaat vor diesem Hintergrund ein Geschmäckle?
Arlt: Ich habe eher damit gerechnet, dass es nicht mehr zum erstmaligen Einsatz einer Schiedsrichterin kommt. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Turnier in Katar stattfindet.
Ich bin aber froh und dankbar, dass die Verantwortlichen zu dieser Entscheidung gekommen sind – auch wenn sie sich vielleicht dazu durchringen mussten.

Stephanie Frappart pfeift am Donnerstagabend das WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Costa Rica. Sie ist damit die erste Frau, die ein Spiel bei diesem Männer-Turnier leitet. Foto: Imago/PanoramiC

Wie wichtig sind Vorbilder wie Frappart, um für ausreichend Nachwuchs bei Schiedsrichterinnen zu sorgen?
Arlt: Spiele wie das der deutschen Nationalmannschaft gegen Costa Rica sind definitiv die, bei denen am meisten Menschen zuschauen. Sie sind also auch mit die wichtigsten, um Nachwuchs zu gewinnen. Gerade im Frauenbereich ist es nicht einfach, neue und motivierte Schiedsrichterinnen zu finden. Ich finde Frapparts Einsatz klasse – und freue mich, dass der Frauenfußball gerade insgesamt an Attraktivität gewinnt. Am Freitagabend waren über 20.000 Zuschauer beim Bundesligaspiel in Bremen. Ich hoffe, dass das nicht nur mit einem leichten Boykott der Männer-WM zu tun hat, sondern dass die Zuschauerzahlen bei den Frauen so bleiben.

Wie werden Sie Frapparts Premiere verfolgen?
Arlt: Ich werde auf den Sohn einer Freundin aufpassen, mit ihm zusammen auf dem Sofa sitzen und den Auftritt von Stéphanie Frappart auf jeden Fall verfolgen. Ich wünsche ihr von Herzen ein gutes Spiel.

Weitere Informationen zur WM 2022 in Katar finden Sie auf unserer Special-Seite. Und unter folgendem Link steht Ihnen das gesamte WN-Angebot vier Wochen kostenfrei zur Verfügung: wn.de/digitalbasis

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