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Ungewissheit vor dem Winter

Was die Energiekrise mit Münsters Sportvereinen macht

Münster

Die Prognosen sind alles andere als gut, den Sportvereinen in der Region drohen in diesem Winter Kostensteigerungen bei Strom, Heizung und Betrieb im schlimmsten Fall. Zumindest der „Strom-Deal“ mit dem SSB und den Stadtwerken hilft aktuell.

Abendspiele im Preußenstadion, wenn das Flutlicht an ist, ist die Stimmung besonders. Fraglich ist, wie oft Münster solche Partien austragen kann. Foto: Alexander Heflik/Stadt Münster

Für den Sport in Münster könnte der nächste Winter schwierig werden. Wenn Strompreise und Kosten in die Höhe schnellen, wird es für die Vereine und deren Mitglieder wohl teurer. Jedenfalls zeichnet sich dieses Bild grob und teilweise auch schon in feineren Strichen am Horizont ab. Tatsächlich stellt sich nicht nur bei Flutlichtspielen des SC Preußen Münster dann die Frage, ob sie stattfinden sollen – und auch der Einsatz der Rasenheizung bei frostigen Temperaturen würde dann besonders beäugt.

760 Tonnen CO2 werden eingespart

Für die Trainingszeiten der Amateurvereine unter Flutlicht ist das ebenfalls nicht ohne. Wobei Michael Schmitz als Vorsitzender des Stadtsportbundes Münster (SSB) zumindest in Sachen Stromkosten eine gewisse Entwarnung geben kann. Der Anfang Januar abgeschlossene Vertrag mit den Stadtwerken Münster spart nicht nur 760 Tonnen CO2 ein, sondern sichert auch 200 Sportvereinen sogenannten zertifizierten „grünen Strom“. Einen Monat vor Beginn des Ukraine-Krieges war dieser Abschluss eines Drei-Jahres-Vertrages vor allem auch ein Projekt der Nachhaltigkeit gewesen. Der Preis ist fixiert. Nun ist die Lage viel angespannter, als man es in schlechten Träumen hätte erwarten können.

Der SSB wird aber auch beim Zuschuss für die Vereine im Rahmen der Sportförderung gefordert sein. Die Aufgaben werden nicht kleiner und weniger, dabei habe man nach zwei Jahren gerade „erst wieder Sportler an den Start gebracht“, wie Schmitz die letzte große Corona-Krise umschreibt.

Vieles bleibt ungewiss

Die zu erwartenden Preissteigerung für Strom und Energie werden viele Vereine unter Druck setzen, aber besonders die, die vereinseigene Anlagen betreiben und möglicherweise nicht im „Strom-Deal“ des SSB verankert sind. Auch die Kosten für Heizung und Duschen schnellen in die Höhe. „Winter is coming“, heißt es im Serien-Epos „Game of Thrones“ – und da verheißt das nicht wirklich etwas Gutes.

Eigene Anlagen – die haben meist Reitvereine, aber auch Clubs wie der 1. FC Gievenbeck. Letztgenannter hatte sogar so was wie Glück im Unglück. Nach dem Brand im Herbst des vergangenen Jahres läuft die Stromversorgung „nur“ über ein Notstromaggregat. Immer noch, wie Geschäftsführer Stefan Grädler sagt, und eigentlich ärgert das die Gievenbecker Verantwortlichen. Statt vier oder fünf Leuchten in einem Flutlichtmast ist nur eine Leuchte aktiv. Stromsparen wider Willen könnte man sagen. Das muss im Moment beim Training dann auch reichen. Aber Grädler sagt auch mit Bezug auf den großen Kontext: „Natürlich haben wir schon über verschiedene Szenarien gesprochen.“ Es wird nicht einfach werden, und vermutlich alle Vereine sehen das im Zusammenhang mit der Stadt.

Nicht bei Kindersport sparen

Zuschüsse von der Stadt dürften früher oder später ein großes Thema in diesem Winter werden. Der FCG denkt aber in jede Richtung, die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge könnte akut werden, die Einschränkung von Trainingszeiten in der Halle, möglicherweise eine Beschneidung kostenintensiver Sparten könnte hinzukommen. Und: „Bei Kindern im Bereich der Grundlagenausbildung können wir nicht sparen. Und wir wollen auch nicht schwarzmalen.“ Das dürfte vermutlich für alle Vereine gelten, möglichst nicht an den Kinder- und Jugendsport mit Einsparungen zu gehen. In Gievenbeck sei man froh darüber, dass Sponsoren die Treue halten. Was passieren würde, wenn diese Geldgeber selbst in Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art kommen sollten, darüber würde man später sprechen, so Grädler weiter.

Teure Anreise zu Auswärtsspielen

Noch nicht zu beantworten ist, was passiert, wenn die Temperaturen in den städtischen Hallen im Winter abgesenkt werden – hält das Sportler vom Trainingsbetrieb ab? Die Schwimmer werden in den Hallenbädern mit zwei, drei Grad Temperatur-Absenkung vermutlich noch zurechtkommen. Aber was ist mit dem Babyschwimmen oder der Wassergymnastik bei Älteren, wo warme Temperaturen praktisch erforderlich sind?

Spannend ist auch, wie Vereine mit höheren Anreisekosten zu Punktspielen klarkommen, wo jetzt gerade erst der Spritpreis von 1,75 Euro für den Liter Super auf deutlich über zwei Euro gestiegen ist. In der Tischtennis-Oberliga führten die Wege von münsterischen Amateur-Vereinen zuletzt bis nach Kassel, 400 Kilometer.

Photovoltaik-Anlagen bei einigen Clubs

Beim THC Münster kann man sich auf die Schulter klopfen, dort ist die vereinseigene Photovoltaik-Anlage in Betrieb. Kein schlechter „Move“ in Zeiten wie diesen – auch wenn der Stromabnehmer vor einem Jahr Insolvenz angemeldet hat.

Der RV Roxel setzt bereits voll auf Photovoltaik auf den Dächern seiner Reitanlage. Foto: Stadtwerke

Und Westfalia Kinderhaus ist „ready to go“. Der Club aus Münsters Norden verkündete stolz, dass die Module der neuen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert sind. „Strom vom Dach“, lautet das Fanal der Vorfreude. Und: Die Westfalia freut sich auf „unseren grünen Strom“. Kinderhaus an der Sonne ...

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