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Handball: Amateursaison

„Wer glaubt wirklich daran?“ – Vereine aus Münster sind skeptisch

Münster

Der Sport liegt brach. Mit ihm der Handball. Münsters Vereine harren aus – und könnten laut des Handballverbands Westfalen am 1. März die Saison fortsetzen, sofern möglich. In der Theorie. Die Realität ist eine andere.

André Fischer

Saisonfortsetzung am 1. März: für Florian Ostendorf undenkbar. Foto: Johannes Oetz

Andreas Helftewes fühlt sich bestätigt: „Wir ­haben mit unserer Einschätzung doch Recht gehabt.“ Der Coach setzte mit den Landesliga-Frauen des BSV Roxel im Oktober 2020 nach einem positiven Coronafall in den eigenen Reihen ein starkes Signal. Das Team zog sich ob der aktuellen Entwicklungen aus dem Trainings- und Spielbetrieb zurück – inklusive der drohenden Konsequenz: Abstieg. „Es geht so weit, dass Mütter mit ihren Kindern nicht mehr raus dürfen, Familien den Kontakt mit den Handballerinnen nicht mehr wollen und der Druck der Arbeitgeber wächst: Und dann sollen wir trotzdem weiter spielen?“ Helftewes lieferte die Antwort mit dieser Frage gleich mit. Prompt wurde die Spielzeit kurz ­darauf unterbrochen.

Kaum zu retten

Ein einstimmiges Votum – das ein äußerst ambitioniertes Vorhaben einschließt: Den Spielbetrieb im Handball-Verband Westfalen zum 1. März aufzunehmen, schließt eine mindestens vierwöchige Anlaufzeit voraus. Sprich: Anfang Februar müssten die Hallentore für die vorbereitenden Einheiten geöffnet werden. In Zeiten des zweiten Lockdowns mit all seinen scharfen Restriktionen scheint das nahezu ausgeschlossen. Die aktuelle dramatische Entwicklung der Corona-Pandemie macht eine Rückkehr zur Normalität nach dem 31. Januar überaus unwahrscheinlich. Entgegen aller Bestrebungen seitens des rührigen Verbandes darf der Blick für die Realität nicht verstellt werden. Auch diese Spielzeit ist kaum zu retten.

Knapp drei Monate später sorgt der Handball-Verband Westfalen nun mit einem Pamphlet für reichlich Gesprächsstoff bei ihm und den Vereinen. Laut eines einstimmigen Beschlusses des erweiterten Präsidiums und der zwölf Kreisvertreter soll die Saison in den Ober-, ­Verbands- und Landesligen der Frauen und Männer am 1. März sofern möglich wieder aufgenommen und durch eine Einfachrunde zu Ende gespielt werden. „Das ist die Wunschvorstellung“, sagt Bernd Kuropka, stell­vertretender Vorsitzender der Technischen Kommission. Aber er gibt ehrlicherweise auch zu: „Wer glaubt wirklich daran?“

Mehr Hoffnungen sieht er indes in dem alternativen Vorschlag des Verbandes. Der stellt folgendes Prozedere in Aussicht: Wenn ein Start Anfang März mit einer entsprechenden Vorbereitungszeit nicht möglich ist, sollen im April und Mai unter allen aufstiegswilligen und -berechtigten Vereinen die vorgesehenen Aufsteiger in den einzelnen Spielklassen ausgespielt werden. Dazu wird es eine Neuorganisation der Staffeln geben. Für Vereine, die nicht aufsteigen wollen, aber die Fortsetzung des Spielbetriebs wünschen, wird ein entsprechender Pokalwettbewerb organisiert werden. Absteiger wird es keine geben.

Für Helftewes, der selbst im Gesundheitswesen beschäftigt ist, scheinen beide Theorien in diesen Zeiten wenig realistisch. „Warum friert man die Saison nicht einfach ein?“ Er selbst glaube nicht daran, vor Ende März oder April überhaupt in einen geregelten Trainingsbetrieb zu kommen. Das sieht auch Sebastian Dreiszis, Trainer der Landesliga-Männer von Westfalia Kinderhaus, so: „Ich halte einen Abbruch für angemessen. Im August, wenn die neue Serie los geht, haben sich die Dinge vielleicht ein wenig normalisiert, sind viele Menschen geimpft.“ Für Florian Ostendorf, verantwortlich für die Oberliga-Frauen aus Kinderhaus, ist die Diskussion über eine mögliche Fortsetzung des Spielbetriebs ein Stochern im Nebel: „Undenkbar, im März wieder auf dem Parkett zu stehen. Dann müsstest du von null auf hundert durchstarten. Nein, wir haben seit Oktober keinen Ball mehr in der Hand gehabt.“ Mit Laufeinheiten und virtuellen Workouts versucht sich die münsterische Szene aktuell bei Laune zu halten. Noch scheint das zu funktionieren.

Interessant: Auf Verbandsebene soll es laut Informationen unserer Zeitung schon länger Stimmen für eine sofortige Beendigung der Spielzeit im Frauen-Bereich geben. Viele Spielerinnen sind in der Pflege oder im Gesundheitswesen beschäftigt, in beruflichen Zweigen also, die in Corona-Zeiten ohnehin an Bedeutung gewinnen. Sich und andere zu schützen, ist oberstes Gebot. Sport in Gruppen ist jedem Arbeitgeber verständlicherweise ein Dorn im ­Auge. Die Gesundheit ist und bleibt das höchste Gut.

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