1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Lokalsport
  6. >
  7. Nach zwei Jahren zurückgekämpft

  8. >

Tennis: Lina Kötterheinrich steht wieder auf dem Platz

Nach zwei Jahren zurückgekämpft

Ladbergen

Das Schicksal zeigte kein Pardon: Die Diagnose einer chronischen Migräne hat Tennisspielerin Lina Kötterheinrich anfangs aus der Bahn geworfen. Viele Monate musste sie sich an ein neues Leben gewöhnen. Nun steht sie wieder auf dem Platz.

Von Luca Pals

Lina Kötterheinrich (2.v.l., untere Reihe) steht mit ihrer Mannschaft wieder auf dem Platz. In Paderborn feierte der TC Deuten II den zweiten Sieg im zweiten Verbandsliga-Spiel. Foto: Privat

Der Tag ist nun etwa sieben Wochen her. Er bleibt Lina Kötterheinrich aber wohl für eine ganz lange Zeit in Erinnerung: Zusammen mit Vater Thomas ging es zurück auf den Tennisplatz. Das Wetter spielte mit, der Schläger lag gut in der Hand, die 20-Jährige fühlte sich fit – es konnte wieder losgehen. Nach mehr als zwei Jahren Zwangspause geht es aktuell im gemächlichen Tempo zurück auf den Platz. In eine Welt, die lange Zeit Normalität und Leidenschaft zugleich für die Ladbergerin war.

Eine Welt, aus der sie aber auch blitzschnell herausgerissen wurde – das Schicksal zeigte kein Pardon, die Diagnose einer chronischen Migräne drehte die Prioritäten der Leistungssportlerin um 180 Grad: Statt Tennisplatz, Sporteinheiten und Turniere standen nun Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausbesuche auf dem Programm. Nun hat sie sich zurückgekämpft.

Ein Rückblick: Handball, Reiten und Turnen – die Liste der Sportarten war für Lina immer schon lang, Sport gehört einfach zu ihrem Leben. Mit neun Jahren kam der Tennis dazu – eine Zwangsläufigkeit will man meinen: „In meiner Familie spielen eigentlich fast alle Tennis.“ Das Glück der Tüchtigen auf ihrer Seite wurde Lina schnell gesichtet und bekam ihren Platz in der Bezirksauswahl. Die heimische Platzanlage aus Ladbergen wurde mit Anlagen in Greven und Münster getauscht, 2016 folgte der Umzug ins Jugend-Gästehaus des Westfälischen Tennisverbandes (WTV) nach Kamen.

Hier sollte der Grundstein für den Leistungssport gelegt werden. Gleichzeitig durfte das Abitur nicht aus den Augen verloren werden – intensive Wochen mit idealen Bedingungen („Der Tennisplatz war direkt neben meiner Wohnung“) und einem ausgeprägten Ehrgeiz: „Mir gefällt der Leistungsdruck. Das gehörte für mich immer dazu.“ Schule, Tennis, am Wochenende Familie und Freunde in Ladbergen besuchen, dazu Turniere – lange Zeit Alltag: „Natürlich habe ich dadurch nicht das typische Leben einer Jugendlichen geführt, aber es hat mir auch so gefallen.“

Bis 2018: Anfang des Jahres nehmen das Gefühl von Schwindel und Kopfschmerzen zu, kurze Zeit später brach Lina in der Schule zusammen. Ein Moment, der im Rückblick vieles verändert hat. Zuerst zurück zur Familie nach Ladbergen, dann weiter ins Klinikum nach Ibbenbüren: „Dort wurden sehr viele CT’s und MRT’s gemacht, nach vielen Tests und Gesprächen kamen die Ärzte auf die Diagnose: Chronische Migräne.“ Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus war unausweichlich.

Stark medikamentöse Einstellungen machten es möglich, dass Lina die Schule weiter besuchen konnte – mit Nebenwirkungen: „Die Medikamente waren sehr stark. Ich habe oft die Schule verschlafen. Eigentlich bin ich sehr organisiert und zielstrebig, so etwas passt mir eigentlich nie.“ An Tennis war nicht zu denken, Versuche ins Fitnessstudio zu gehen scheiterten: „Auch durch die Medikamente ging es von 100 auf null. Ich habe auch gemerkt wie meine Muskeln immer stärker zurückgegangen sind.“

Ein zehnwöchiger Aufenthalt im Krankenhaus und die stetig höhere Dosierung beschreibt Lina mit Blick in den Rückspiegel als „Horror“, an Heiligabend 2018 ging es nach Hause. Das vorläufige Ende einer langen Odyssee. Die Behandlung mit Botox habe sehr viel geholfen, zum neuen Jahr konnte sie die Schule wieder besuchen. Der nächste Schicksalsschlag, die Krebs-Erkrankung der Großmutter, traf die Familie und Lina nun besonders hart. Trotz aller Rückschläge schafft sie im April 2019 ihr Abitur: „Zwar nicht mit dem Schnitt, den ich mir erhofft hatte, aber ich war zufrieden.“

Nach dem Abiball ging es in eine auf Kopfschmerzen spezielle Schmerzklinik nach Kiel: „Das war noch einmal eine sehr prägende Zeit. Einerseits waren die Ärzte dort sehr gute Spezialisten, andererseits habe ich gelernt mit der Krankheit umgehen zu können. Ich habe es für mich akzeptiert.“ Im Hintergrund unterstützen Familie und Freunde an allen Ecken und Enden: „Ohne sie alle hätte ich diese Zeit nicht geschafft“, bedankt sich Lina.

Zurück in den Alltag, mit dem Abitur in der Tasche begann sie ihr FSJ an der Ladberger Grundschule und im März 2019 ihr Studium in Bielefeld: Grundschullehramt. Selber auf dem Tennisplatz bleibt eine Utopie, Training für andere geben – das ist nun aber schon drin. Nun allerdings nur bedingt möglich: Die Corona-Pandemie grätscht in ihr Leben, die Uni von innen hat Lina, die mittlerweile im dritten Semester ist, noch nicht gesehen.

Aber auch diese Krise wird zu Ende gehen, an eine Zeit in Vorlesungsräumen und mit Freunden in den Seminaren glaubt Lina genauso fest wie sie stets den Glauben an die Rückkehr auf den Tennisplatz behalten hat – es hat sich ausgezahlt, Ende Juni stand sie bereits mit ihrer Mannschaft des TC Deuten wieder auf dem Platz: Der Blick ist nach vorne gerichtet – mit großer Dankbarkeit für Freunde und Familie.

Startseite