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In den Hallen Ostwestfalens geht es anders zur Sache

Der Einfluss ist eher gering

Steinfurt

Ein Schiedsrichtergespann und ein Trainer, der lange Zeit Schiri war – zum Thema Spielansetzung und ihr Einfluss ist dieses Mal die andere Seite an der Reihe. Die Antworten recht eindeutig: eher gering.

Günter Saborowski

Am 3.Oktober waren Uwe Geersen (r.) und Jens Lindstrot in der Lingener EmslandArena als Zeitnehmer beim Frauen-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande – leider auch ohne Zuschauer – einmal ohne ihre Pfeife aktiv. Stefan Gude (kl.Bild) war lange Zeit Trainer und Schiedsrichter in Personalunion. Foto:

200 Zuschauer auf der Tribüne, mindestens fünf große Pauken, ausgeliehen von der Kapelle des ortsansässigen Schützenvereins – so ungefähr stellt sich die Szenerie bei einem Handballspiel im östlichen Münsterland, sagen wir mal in Kattenvenne, dar. Das weiß auch das Schiedsrichtergespann, wenn es sich am Spieltag einige Stunden vor dem Anpfiff auf den Weg macht. Uwe Geersen (54) und Jens Lindstrot (50) vom TB Burgsteinfurt sind so ein Gespann, das mittlerweile seit zehn Jahren in der Herren-Landes- oder Frauen-Verbandsliga die Spiele am Wochenende leitet.

„Es gibt Leute, die sagen: Wer wirklich neutral pfeifen will, darf sich die Tabellenkonstellation vor einem Spiel nicht anschauen. Bei den Fortbildungen und Lehrgängen wird allerdings empfohlen, dass man sich vorher die Tabelle ansehen soll. Ich halte das auch für richtig. Es ist nicht unwichtig, ob ein Spiel ein Ortsderby ist oder ob der Erste gegen den Letzten antritt“, sagt Uwe Geersen. Sein Kollege Lindstrot pflichtet ihm: „Handballspiele in Ostwestfalen verlaufen anders als im Münsterland. Das muss man wissen, wenn man Oberlübbe gegen Unterlübbe pfeift.“

Einfluss auf die persönliche Vorbereitung habe das Wissen um eine bestimmte Ansetzung allerdings nicht: „Gering. Wir laufen uns warm, kontrollieren die Halle und haben früher auch noch die Spielerpässe kon­trolliert. Was heute ja nicht mehr notwendig ist. Bei bestimmten Mannschaften und Spielern sollte man natürlich auf eine gewisse Härte im Spiel vorbereitet sein. Man kennt die Spieler und weiß, wer schon mal den Ellenbogen ausfährt. In der Bundesliga bereiten sich die Schiedsrichter sogar sehr akribisch auf ein Spiel vor und schauen sich die Spiele beider Vereine per Video an“, erklärt Lindstrot.

„Bei uns bekannten Mannschaften oder brisanten Begegnungen“, ergänzt Geersen, „sprechen wir natürlich vorher über die Partie und legen eine Marschroute fest. Aber vieles ist Erfahrungssache.“ Feuchte Hände bekommen die beiden also nicht mehr, wenn sie unter der Woche erfahren, dass sie am Wochenende ein brisantes Spiel vor der Brust haben.

Einer, der beide Seiten kennt, die Trainerbank und den Standort des Schiedsrichters auf dem Feld, ist Stefan Gude vom TV Jahn Rheine. Bis 2015 war er gemeinsam mit Jens Krage als Unparteiischer aktiv, im Trainergeschäft ist er seit 30 Jahren, aktuell bei den Herren des TV Jahn in der Kreisliga. „Als Trainer habe ich zuallererst immer auf das geschaut, was wir als Mannschaft beeinflussen können, also auf uns selbst“, sagte Gude. Erst der zweite Blick ging auf die Ansetzung der Unparteiischen: „Worauf achten die? Habe die eher das Zweikampfverhalten im Auge, oder schauen die mehr auf das Technische“, kennt der Rheinenser Schiedsrichter unterschiedlicher Natur.

Ein stummes Spiel findet Gude langweilig. Man müsse als Referee auch Emotionen zulassen, die gehörten zum Sport nun einmal dazu. Doch auch hier gebe es Schiedsrichter, die ganz unterschiedlich auf Gefühlsausbrüche reagieren würden. In dem Fall gibt es klare Anweisungen vom Trainer Gude: „Spielt euer Spiel und haltet den Mund!“

Schon im Vorfeld einer Begegnung, für die das Schiedsrichtergespann XY angesetzt sei, so Gude weiter, wisse er recht genau, ob es „eine robuste Härte“ zulasse oder nicht. Dann gebe es auch mal die Anweisung an die Mannschaft: Achtet darauf, wie weit ihr gehen könnt. „In meinen Augen ist es wichtig, dass die Schiedsrichter von Anfang bis Ende eines Spiels eine klare Linie verfolgen“, sagt der Trainer Gude abschließend.

Beim (ehemaligen) Schiedsrichter Gude, der gemeinsam mit Jens Krage Spiele in der Bezirksliga der Männer und Landesliga der Frauen geleitet hat, lösen im Grunde nur die speziellen Paarungen ein gewisses Kribbeln aus: „Vor bestimmten Spielen habe ich wegen der Brisanz Respekt. Ansonsten habe ich immer nur versucht, das Regelbuch auszulegen.“ Bevor jedoch der Anpfiff zu einer Begegnung ertönt. quasi im Auto, auf dem Weg zum Spielort, bespricht Gude mit seinem Kollegen sehr genau, was auf sie zukommt. „Es werden Abläufe festgelegt, sozusagen eine klare Linie. Dann wird das letzte Spiel noch einmal besprochen, ob wir Fehler gemacht haben, in welchen Fällen es brenzlig war und einiges mehr“, beginnt die geistige Auseinandersetzung mit dem, was später in der Halle auf sie zukommt, bereits unterwegs.

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