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Tischtennis: Vereine wehren sich gegen WTTV

„Das bedeutet das Ende“

Havixbeck/Bösensell/Appelhülsen

Bei den Vereinen SW Havixbeck, SV Bösensell und Arminia Appelhülsen hat sich gehöriger Unmut gegenüber dem Westdeutschen Tischtennisverband (WTTV) breitgemacht. Dieser plant eine Strukturreform und ordnet die Bezirke neu. Nun befürchten die Verantwortlichen vor Ort, dass die meisten Spieler ihren Verein dann verlassen.

Noch wird aufgeschlagen in den Tischtennisabteilungen auch kleinerer Vereine im Münsterland. Doch drei von ihnen schlagen jetzt Alarm. Der Grund: die geplante Strukturreform des WTTV. Foto: Imago/Eibner

Die Tischtennis-Vereine aus Havixbeck, Bösensell und Appelhülsen sind in Aufruhr und sauer auf den Westdeutschen Tischtennisverband (WTTV). Der plant eine Strukturreform und ordnet die Bezirke neu. Die Folgen seien weitere Fahrten zu Auswärtsspielen und ungewohnte Spieltage an Wochenenden, so Carsten Diekmann, Mannschaftsführer beim SV Bösensell, und Tobias Hertel, Tischtennis-Abteilungsleiter bei SW Havixbeck. „Für unsere Tischtennisabteilungen bedeutet das das Ende“, sagen sie.

Negative Auswirkungen für die Mannschaften auf Kreisebene sieht auch Andreas Schabert von Arminia Appelhülsen. „Da werden 90 Prozent nicht mehr spielen wollen“, befürchtet er. Was die Vereine besonders ärgert: Anträge, wie bisher in einem Bezirk mit den Vereinen aus Münster zu spielen, seien „ohne Begründung abgebügelt“ worden.

Der WTTV habe Ärger aus ganz Nordrhein-Westfalen auf sich gezogen. Mindestens 25 Vereine landesweit fühlten sich durch das Vorhaben des Verbands benachteiligt. Sie alle seien nicht grundsätzlich gegen die Strukturreform, die 2023 in Kraft treten soll. Durch ihre jeweilige Lage im Grenzbereich zwischen zwei Bezirken hätten sie aber beantragt, weiterhin im gewohnten Sportkreis antreten zu dürfen. Die Geschäftsführung des WTTV habe diese Anträge alle abgelehnt, per Mail und ohne Angabe von Gründen.

Anträge per Mail abgelehnt

Ein Protokoll der fraglichen Vorstandssitzung, auf der dieser Beschluss gefasst worden sei, sei erst auf Nachfrage gekommen und ausgesprochen dünn ausgefallen, so die Vertreter der drei Vereine aus dem Münsterland. Die „Belange der Vereine, die im Wesentlichen mit weiteren Fahrten und Gewohnheiten begründet werden“, seien weniger hoch zu bewerten „als die Belange des WTTV insgesamt“, wird aus dem Schreiben zitiert. Der Verband verspreche sich durch die Strukturreform „Fortschritte in der Sportentwicklung und bei den politischen Kontakten“.

Für Diekmann, Schabert und Hertel klingt das wie ein Hohn. „Wir sind alle Hobbyspieler, die in den unteren Kreisklassen antreten“, erklären sie. Statt wenige Kilometer über die Kreisgrenze nach Kinderhaus, Gievenbeck oder Nienberge könnte es für sie künftig nach Nordkirchen, Borken oder Ahaus gehen. Die drei Vereine, die auf Kreisebene bisher ausschließlich unter der Woche spielen, müssten im neuen Bezirk zu Auswärtsspielen an Wochenenden antreten. Dazu seien die aktiven Mitglieder aus persönlichen und familiären Gründen nicht bereit.

Statt „Fortschritt in der Sportentwicklung“ drohe so ein deutlicher Rückschritt, nämlich das Aus des Tischtennis-Vereinssports in Bösensell und Havixbeck sowie ein erheblicher Aderlass in Appelhülsen. Zusammengenommen wären etwa neun Mannschaften auf Kreisebene betroffen. „Die Reform sollte eine Verbesserung für die Tischtennis-Spieler sein und nicht für die Administration“, sagt Diekmann.

Auch Hans-Joachim Walden, Vorsitzender von SW Havixbeck, kann nicht nachvollziehen, wie der WTTV „ohne Rücksicht auf Verluste“ sein Vorhaben durchpeitscht. „Wir wollen nicht nur leistungsorientierten, sondern auch echten Freizeit- und Breitensport anbieten“, erklärt er. Daran solle sich auch der Fahr- und Zeitaufwand orientieren.

Dass der Verband und insbesondere WTTV-Präsident Helmut Joosten jegliches Gespräch abblocke, bedauert Hertel besonders. Dennoch geben Havixbeck, Bösensell und Appelhülsen ebenso wenig auf wie die übrigen Vereine, die sich mittlerweile untereinander vernetzt haben. Zum Verbandstag am 22. Mai können die Anträge erneut vorgelegt werden. „Bis dahin werden wir weitere gute Argumente sammeln“, geben sich Diekmann, Schabert und Hertel kämpferisch.

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