1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Nottuln
  6. >
  7. Die beste Saison aller Zeiten

  8. >

Fußball: Nottulns Trainerin Anna Donner zieht positives Fazit

Die beste Saison aller Zeiten

Nottuln

Die beste Saison liegt hinter den Fußballerinnen von GW Nottuln, denn neben Platz drei in der Meisterschaft wurde auch noch der Kreispokal gewonnen. GWN-Trainerin Anna Donner bläst daher keinen Trübsal, sondern blickt optimistisch nach vorne.

Von Theresa van den Berg

Machen sich gemeinsam auch Gedanken über ein neues Spielsystem: Trainerin Anna Donner und Co-Trainer Matthias Feitscher. Foto: Johannes Oetz

Sie waren so nah dran, die Landesliga-Fußballerinnen von GW Nottuln. Fast wäre ihnen in dieser Saison das Double gelungen. Am Ende fehlten zwei Punkte zum Aufstieg in die Westfalenliga. Im Pokal klappte es dagegen.

In der Meisterschaft landeten die Grün-Weißen mit einem Zähler Rückstand auf die Spitze auf dem dritten Rang. Bitter, aber zumindest für einen kurzen Moment abgehakt. Denn im Pokal dagegen ließen sie keine Zweifel aufkommen und sicherten sich den Pott mit einem 5:2 gegen Turo Darfeld. „Das war sicherlich das Highlight der Saison“, sagt Trainerin Anna Donner. „Die Aufregung vor einem Spiel und die Emotionen sind einfach ganz andere, wenn du einen Titel holen kannst.“

Die enttäuschende Niederlage am vorletzten Spieltag der Landesliga-Saison gegen Wessum, bei der die Elf den Sprung an die Tabellenspitze verpasste, und der Flaesheimer Sieg zum Abschluss, der den Aufstieg für die Concordia bedeutete, waren also zumindest für diesen Augenblick vergessen. Und mit ein bisschen Abstand macht Donner deutlich: „Das war die beste Saison überhaupt. Es war überragend, besser als geahnt. Wir haben bis zum Schluss um die Meisterschaft mitgespielt und den Pokal geholt.“

Und das trotz einiger Schwierigkeiten wie schwerwiegende Verletzungen und Ausfälle, die vielleicht am Ende den Unterschied gemacht haben. „Mit der Erfahrung von Denise Waltering oder Melina Melina Krampe wäre vielleicht mehr möglich gewesen. Gegen Wessum haben wir Gegentore nach eigenen Ecken kassiert. Da hat uns die Cleverness gefehlt.“

Auch eine Jana Krystek, die zu Beginn der Spielzeit nach Nottuln gewechselt war, verletzte sich noch in der Vorbereitung. Hinzu kamen altbekannte Probleme, die der Coach in Zukunft gerne abstellen würde. „Uns fehlt immer wieder die Konstanz. Wir spielen zwei, drei Spiele gut und gewinnen, machen dann aber in der nächsten Partie wieder zwei Schritte zurück und lassen Punkte liegen.“ So auch geschehen im Heimspiel gegen Recke, in dem die Nottulnerinnen 90 Minuten auf ein Tor spielten, wohingegen der TuS nur zwei Mal über die Mittellinie kam. Trotzdem gingen die Punkte dank eines Treffers kurz vor Schluss nach Recke. „Das tut natürlich weh“, weiß Donner heute, dass genau diese drei Zähler die Meisterschaft bedeutet hätten. Nottuln spielte gut und verlor. Ganz im Gegensatz zum 1:5 in Wessum, das laut der 29-Jährigen die schlechteste Partie der insgesamt 20 war.

Mit der Bilanz gegen die direkten Konkurrenten kann sie dagegen sehr gut leben. „Wir haben gegen Ibbenbüren, Flaesheim und Wessum jeweils einmal gewonnen und einmal verloren. Das ist völlig in Ordnung. Das Hinrundenspiel gegen Flaesheim und auch das Rückrundenspiel gegen Mecklenbeck waren fußballerisch die besten.“

Und auch mit dem Nicht-Aufstieg hat sich die Lehrerin mittlerweile abgefunden. „Ich weiß nicht, ob ich rationaler bin oder ob ich es mir vielleicht nur schönrede, aber das wären viele lange Touren geworden. Und abgesehen davon, wäre die Westfalenliga ein großer Schritt gewesen, der vielleicht für die vielen jungen Spielerinnen noch zu früh gekommen wäre.“ Am Ende fehlten in Donners Augen „in den falschen Spielen die wichtigen Leute“. Dabei ging es nicht nur um Verletzungen und Coronaausfälle, sondern auch um Urlaubsplanungen, die eine Bestbesetzung immer wieder verhinderten. „Man muss ganz klar sagen: Fußball ist nun mal nur ein Hobby. Aber die zahlreichen Urlaube während der Saison sind doch konträr zu den Aufstiegsvorstellungen einiger Mädels. Ich glaube, dass andere Mannschaften andere Ambitionen haben, weswegen unser erstes Ziel in naher Zukunft nicht der Aufstieg, sondern eine gute Saison sein wird.“

Voll auf Angriff will man in Nottuln also nicht gehen. Zu wenig bekomme man von den Gegnern mit. Man wisse nie, was einen erwartet. „Außerdem ist die Liga insgesamt sehr homogen. Deswegen rechne ich mit einer oberen und einer unteren Hälfte. Unser Ziel ist die obere und dazu eine individuelle und mannschaftliche Entwicklung.“

Ab dem 13. Juli bittet das Trainerteam um Anna Donner, Co-Trainer Matthias Feitscher, Torwart-Trainerin Maren Denter sowie Betreuer Helmut Geng wieder drei Mal die Woche auf den Platz, ein Testspiel on top. Auch ein Trainingswochenende und der Equality Cup von BW Aasee, bei dem auch zwei Regionalligamannschaften am Start sind, stehen auf dem Vorbereitungsplan.

Dann gilt der volle Fokus der kommenden Saison, in der zunächst eine große Lücke zu schließen ist. Isabel Ueding, Dreh- und Angelpunkt im Zentrum der Nottulnerinnen, verlässt den Verein Richtung BW Aasee. „Das ist ein großer Verlust. Aber ich freue mich, dass Maike Austrup zurückkommt. Sie kann diese Lücke eins zu eins schließen. Neben Austrup, Krampe und Waltering kehrt mit Alessia de Francesco eine weitere wichtige Spielerin zurück. „Mit ihnen sind wir wieder besser besetzt.“ Milena Noll (B-Jugend VfL Billerbeck), Kimberly Stache (B-Jugend TSG Dülmen), Theresa Ortland (eigene B-Jugend) und Christina Henrichmann (Borussia Darup) komplettieren die Mannschaft ab Sommer, wohingegen Pia Stubbe, Lisa Bergmann, Jule Lüke und Andrea Ossing den Verein verlassen.

Doch nicht nur neue Spielerinnen, auch ein neues, zweites System soll vielleicht für neuen Schwung sorgen. Aktuell kicken die Mädels aus den Baumbergen defensiv in einem 4-4-2, im Spielaufbau geht es in ein 4-2-3-1 über. Dank der schnellen Flügelspielerinnen und des starken Zentrums denkt die Trainerin alternativ über ein 4-3-3 nach.

„Das Hauptaugenmerk wird aber auf dem Spiel im letzten Drittel und unserer Torausbeute liegen.“ Letztere sei in der abgelaufenen Saison definitiv ausbaufähig gewesen. Aktuell nutze das Team nur die Hälfte seiner Möglichkeiten, was auch daran liege, dass ihm eine echte Torjägerin fehlt. Erfolgreichste Schützin im Dress der Grün-Weißen war mit neun Treffern Ueding. „Wir haben keine Christin Holtkamp aus Wessum oder Laura Giezenaar aus Flaesheim. Wir spielen gerne Handball vor dem Sechzehner und sagen ´Nimm du ihn nochmal´, da fehlt uns der Killerinstinkt. Bei Sandra Schäfer geht es aber in die Richtung und ich hoffe, dass es so bleibt und dass die Kaltschnäuzigkeit auch bei den Jüngeren mit den Jahren kommt.“ Schäfer sei für Donner die Überraschung des Jahres gewesen. „Sie hat die größte Entwicklung gemacht und für ordentlich Torgefahr gesorgt.“ Vor allem die erhöhte Trainingsbeteiligung machte sich bei der Stürmerin bemerkbar. Ohne Schichtdienst und mit deutlich mehr Zeit gab sie in den Einheiten Gas, was sich Sonntag für Sonntag und letztlich auch einmal an einem Donnerstag ausgezahlt hat. Denn: Mit ihren vier Buden im Pokalfinale schoss sie Nottuln fast im Alleingang zum Titel.

Startseite
ANZEIGE