Trainer-Umfrage: Wird Fußball-Saison noch fortgeführt?

Die Hoffnung geht gegen null

Nottuln/Havixbeck

Die Möglichkeit, dass die Saison in den deutschen Amateurligen wieder aufgenommen und bis zum Ende der Hinserie ausgespielt wird, wird offenbar immer unwahrscheinlicher. Wie denken die Trainer in Nottuln und Havixbeck darüber? Haben sie die Spielzeit abgeschrieben oder sehen sie noch ein Fünkchen Hoffnung?

Christian Besse

Im Oktober vergangenen Jahres waren die Amateurfußballer – hier Patrik Schölling von Arminia Appelhülsen (l.) – zuletzt am Ball. Foto: Christian Besse

Die Möglichkeit, dass die Saison in den deutschen Amateurligen wieder aufgenommen und bis zum Ende der Hinserie ausgespielt wird, wird angesichts wieder stark steigender Corona-Inzidenzwerte und der seitens der Bundesregierung angekündigten „Notbremse“ immer unwahrscheinlicher. Wie denken die Trainer der Mannschaften in Nottuln und Havixbeck darüber? Haben sie die Spielzeit abgeschrieben oder sehen sie noch ein Fünkchen Hoffnung?

Jens Niehues(Westfalenligist GW Nottuln): „Mit welcher Berechtigung sollten wir wieder Fußball spielen können, wenn alles andere nicht funktioniert? Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, ob eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs gut oder schlecht wäre. Angesichts der allgemeinen Situation auch weltweit sollten wir unsere angeblichen Privilegien als Fußballer einmal auf den Prüfstand stellen. Funktionäre und Trainer anderer Sportarten wie etwa die Basketballer sind da weit zurückhaltender, geben sich seriöser. Es ist natürlich nicht toll, wenn ich den Verein im Sommer verlasse und ich die Spieler bis dahin noch nicht einmal auf dem Trainingsplatz wiedergesehen habe.“

Lukman Atalan(A-Ligist SG Hohenholte): „Das würde natürlich ein bisschen knapp, aber wir wären vorbereitet. Ich schicke den Spielern schon seit Beginn der Pandemie Trainingspläne mit drei Einheiten in der Woche – Konditions- und Intervallläufe sowie weitere Übungen, mit denen sie ihre Grundfitness aufrechterhalten können. Denn auch wenn die Hinrunde nicht mehr ausgespielt wird, kann man sich nicht mit gutem Gewissen auf die kommende Saison vorbereiten, wenn man mehr als ein halbes Jahr gar nichts getan hat. Meine Hoffnung, dass die aktuelle Hinrunde noch ausgespielt werden wird, ist allerdings nicht mehr so groß.“

Appell: Fußball jetzt nicht so wichtig nehmen

Thorsten Ehrensberger(A-Ligist Fortuna Schapdetten): „Ich kann es mir nur schwer vorstellen. Die Inzidenzwerte steigen ja wieder rasant an. Ich arbeite in Hamm, und da sind die Zahlen drastischer als an meinem Wohnort Münster oder im Kreis Coesfeld. Wenn die Spielzeit tatsächlich abgebrochen wird, wäre das natürlich schade, weil es meine letzte Saison in Schapdetten ist. Leid täte es mir auch für Mannschaften wie Münster 05 oder Kinderhaus, die noch um den Aufstieg mitgespielt hätten. Wir selbst stehen ja auf Platz fünf, womit wir aber superzufrieden sind. Man muss aber auch sagen, dass es zurzeit viel wichtigere Dinge gibt als den Fußball – zum Beispiel, dass die Kinder endlich wieder in die Schule können . . .“

Mario Zohlen(A-Ligist SW Havixbeck): „Ich gehe nicht mehr davon aus, dass die Saison fortgesetzt wird. Anfang März konnte man noch Hoffnung haben, jetzt aber nicht mehr. Dafür sind die Inzidenzzahlen allgemein einfach zu hoch. Ende April wäre die Deadline für den Sport-Lockdown, wenn man sich für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs noch ordentlich vorbereiten sollte. Aber selbst dann hätte ich, ehrlich gesagt, Probleme, nach den vielen Monaten Pause mental wieder in den Wettbewerbsmodus zu kommen, und da bin ich sicher nicht der Einzige. Dazu kommt, dass wir den Klassenerhalt noch nicht ganz sicher haben. Von daher wäre ich auch gar nicht böse, wenn die Saison beendet werden würde.“

Marcus Thies(B-Ligist Arminia Appelhülsen): Bei den gegenwärtigen Corona-Zahlen halte ich eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs für sehr unwahrscheinlich. Für uns ist das natürlich schade, weil wir seit Jahren versuchen, in die Kreisliga A aufzusteigen und aktuell Tabellenführer sind, punktgleich mit der SG Coesfeld 2. Das ist aber nicht das Entscheidende. Denn man muss auch klar sehen, dass es viel Wichtigeres gibt als den Umstand, dass wir Amateurfußballer nicht spielen dürfen – wenn man sich nur mal die aktuelle Situation auf den Intensivstationen vor Augen führt   . . .“

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