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Fußball: Staffeltag Ahaus-Coesfeld

Ein neuer Negativrekord

Kreis Coesfeld

Beim Staffeltag des Doppelkreises Ahaus-Coesfeld gab es einen Negativrekord zu vermelden. 91 Verfahren musste das Kreissportgericht in der vergangenen Saison verhandeln, sonst lag der Durchschnitt bei etwa 35.

Von Frank Wittenberg

Spieler und Trainer haben zwar manchmal eine andere Sicht der Dinge, doch wirklich problematisch für die Schiedsrichter sind die teils unflätigen Beschimpfungen durch die Zuschauer. Foto: Johannes Oetz

Schubsereien gegen Schiedsrichter; Spuckattacke auf einen Gegenspieler; angetrunkene Jugendliche, die bei einem Mädchenspiel pöbeln und hinter die Auswechselbank urinieren – nur drei der Beispiele, die Willy Westphal anführt, und das ist nur die Spitze des Eisbergs. „Das macht mich wirklich fassungslos“, schüttelt der Vorsitzende des Fußballkreises Ahaus-Coesfeld den Kopf. „Sollen diese Umgangsformen zum Standard werden?“

Westphal nutzt den Kreisliga-Staffeltag, um einen eindringlichen Appell an die Vereinsvertreter zu richten. Und es ist kein Gefühl, über das er spricht, sondern eine Tatsache, die Berni Langener mit Zahlen untermauert. Von einem neuen Negativrekord spricht der Vorsitzende des Kreissportgerichtes: 91 Verfahren mussten in der ersten kompletten Saison nach Ausbruch der Corona-Pandemie abgewickelt werden. „Allein 60 davon im Seniorenbereich“, berichtet er. „Sonst lag der Schnitt etwa bei 35.“ Mittlerweile jedes dritte Verfahren richte sich gegen Trainer, die damit auch ihre Vorbildfunktion vernachlässigten.

Ein Umstand, mit dem die Schiedsrichter immer häufiger konfrontiert werden, fügt Paulo Goncalves hinzu. Den Rückgang der Zahl der Unparteiischen, die Woche für Woche zur Pfeife greifen, bezeichnet der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses als „besorgniserregend“. Schon in der abgelaufenen Saison sei es erstmals vorgekommen, dass einige Spiele in den C-Ligen nicht mit Schiedsrichtern besetzt werden konnten – was in den D-Ligen und im Jugendbereich schon längst zur Tagesordnung gehöre. „Demnächst wird uns der Schiedsrichtermangel sogar in der Kreisliga B treffen“, wagt er eine düstere Prognose.

Der Hauptgrund dafür, dass immer mehr Kollegen ihr Hobby aufgeben, habe meist nicht einmal mit dem Verhalten der Spieler zu tun. „Die können ja mit Strafen belangt werden“, erklärt Goncalves. „Aber was für Beleidigungen von den Zuschauern kommen, ist auf gut deutsch gesagt unter aller Sau.“ Da sei es verständlich, dass viele Schiris darauf keine Lust mehr haben oder mögliche Neulinge erst gar nicht Interesse an dieser Aufgabe zeigen. Die Zuschauer, die sich daneben benehmen, seien bei weitem in der Minderzahl, betont er. „Aber sie sorgen für große Auswirkungen.“

Diesem Negativimage, mit dem der Fußballkreis immer mehr zu kämpfen habe, müsse umgehend gegengesteuert werden, fordert Willy Westphal. Sein dringender Aufruf an alle Verantwortliche, Trainer und Betreuer, Spieler und Zuschauer in den Vereinen: „Wir müssen gemeinsam Farbe gegen die Gewalt auf den Sportplätzen bekennen!“

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