Fußball: Fine Feldmann ist verstorben

GW Nottuln trauert um besonderen Fan

Nottuln

Mit Fine Feldmann verstarb vor wenigen Tagen ein echtes Original. Die Nottulnerin unterstützte in den vergangenen Jahrzehnten bedingungslos die Fußballer von Grün-Weiß.

Johannes Oetz

15. April 2018: Fine Feldmann (r.) unterstützt an diesem Tag die zweite Fußballmannschaft von GW Nottuln beim 5:0-Heimsieg gegen die DJK Dülmen. Mit ihr verfolgen Petra Feitscher und Lothar Ullrich die Begegnung. Foto: Marco Steinbrenner

Sie war ein Urgestein des Nottulner Fußballs. Sie war das, was man ein Original nennt: Fine Feldmann. Jahrzehntelang war ihr Platz hinter der Ersatzbank der ersten Mannschaft von Grün-Weiß. Von dort hörte man sie häufig über den ganzen Platz. Jetzt ist ihre Stimme verstummt. Am 23. Oktober verstarb sie im Alter von 82 Jahren in einem Altersheim in Werne.

„Sie hat in ihren letzten Monaten eine sehr gute Betreuung gehabt“, berichtet Bestatter Stefan Lösing, der sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Alexandra Lenter vom gleichnamigen Nottulner Bestattungsunternehmen um die fußballverrückte Seniorin kümmerte.

„Ich habe Fine 2010 kennengelernt. Wir arbeiteten damals gemeinsam für das Bestattungsunternehmen Neuhaus“, erzählt Stefan Lösing, der neben ihrer Liebe zur Gärtnerei auch ihre Liebe zu guten Witzen zu schätzen wusste. „Aber eigentlich gab es für sie nur Fußball. Sie hat immer von ihren Jungs gesprochen.“

Das kann Karin Temminghoff nur bestätigen. „Sie hat immer die erste Mannschaft unterstützt, oft aber auch die Zweite. Eine treuere Seele als sie gab es nicht. Sie war einfach immer da.“ Fine Feldmann war zunächst bei Karin Temminghoff angestellt: „Sie war unsere Kinderfrau und hat den Haushalt geschmissen. Sie liebte Kinder, eigene waren ihr leider nicht vergönnt.“ Später entwickelte sich aus dem Arbeitsverhältnis eine Freundschaft.

Fine Feldmann, berichtet ihre Freundin, sei am 12. Oktober 1938 in Gladbeck als Fine Schwers geboren worden. „Sie hatte eine schwere Kindheit. Sie wuchs in einer Pflegefamilie auf und musste immer hart arbeiten.“

Später lernte sie ihren Mann Erich kennen, der 1986 viel zu früh verstarb. Fine Feldmann kümmerte sich viele Jahre um den Garten der Oma ihres Mannes an der Dülmener Straße (Karin Temminghoff: „Der sah immer tipptopp aus“), putzte zwischenzeitlich in zwei Nottulner Apotheken und konnte dann im Bestattungsunternehmen Neuhaus ihren grünen Daumen unter Beweis stellen.

Auch Lothar Feldmann kannte das Nottulner Original bestens, denn der 2. Vorsitzende von GW Nottuln bildete mit ihr, Klaus Föller und später Norbert Wilmsen eine Fahrgemeinschaft zu den Auswärtsspielen. „Sie hat jahrelang die Trikots der Seniorenmannschaften gewaschen. Ihr Mann Erich war damals Kassierer bei uns. Er hat sie mal mit zum Sportplatz gebracht“, erinnert sich Lothar Feldmann. Und Fine Feldmann blieb. Doch sie stand eigentlich nie bei ihrem Mann. Lothar Feldmann hatte da so seine eigene Erklärung: „Fine hat ja eigentlich jeden Spielzug lautstark kommentiert. Ich glaube, dass Erich das peinlich war.“

Ihre Stimme kannte auch Christian „Stacho“ Stahl, langjähriger Kapitän der ersten Nottulner Fußballmannschaft. „Egal, wo du auf dem Platz warst und wie laut es auch war, Fine hast du immer rausgehört“, erzählt Stahl, der ihren Tod sehr bedauert: „Fine war ein Dauerbrenner, alle kannten sie, und sie kannte alle. Sie konnte von jedem Spieler sagen, wo er in der Jugend gespielt hat und wo er abgeblieben ist, wenn er mal den Verein gewechselt hatte.“

Und sie sei nicht auf den Mund gefallen gewesen. Unter Trainer Wolfgang Ahlefelder etwa habe sich eine lustige Begebenheit abgespielt. „Einmal haben wir in einem Punktspiel ziemlichen Murks gespielt. Wolfgang war ja nie besonders leise und hat immer reingerufen. Fine war aber noch viel lauter und versuchte auch, uns zu coachen. Auf einmal drehte sich unser Trainer zu ihr um und rief Fine verärgert zu, dass sie gerne das Coaching übernehmen könne, wenn sie es besser könnte. ´Kann ich auch!`, hat sie damals erwidert und hatte die Lacher auf ihrer Seite.“ Coachen durfte sie trotzdem (leider) nicht.

Fine Feldmann wusch aber nicht nur viele, viele Jahre die Trikots der Grün-Weißen, sie hatte für die Spieler auch immer eine Tüte Süßigkeiten dabei. „Knoppers gab es eigentlich immer“, erinnert sich der amtierende Mannschaftsführer André Kreuz, der sie nur gut gelaunt erlebte: „Fine war ehrgeizig wie wir und war immer mit dem Herzen dabei!“

Jetzt ist sie fort – bei Grün-Weiß fehlt damit eine wichtige Stimme.

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