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Fußball: Nottulns Westfalenliga-Coach im Interview

Roland Westers: „Taktische Flexibilität ist jetzt höher“

Nottuln

Fußball-Westfalenligist GW Nottuln hat eine megastarke Saison gespielt. Doch für Trainer Roland Westers hätte noch ein wenig mehr rausspringen können. Warum er so denkt, erklärt er im WN-Interview.

Von Johannes Oetz

Riesiger Jubel brach an Christi Himmelfahrt nach dem gewonnenen Endspiel gegen Vreden in Gronau aus, als Nottulns Kapitän André Kreuz (Nummer 27) seinen Mitspielern den Pokal präsentierte. Foto: Johannes Oetz

Die Saison begann für den Fußball-Westfalenligisten GW Nottuln turbulent: Vor dem siebten Spieltag trennten sich die Wege von Coach Yannick Gieseler und die des Vereins und Roland Westers wurde als neuer Übungsleiter präsentiert. Dem neuen Mann gelang es, den Fokus der Mannschaft schnell wieder auf das Sportliche zu richten. Die Folge war die beste Saison einer Erstvertretung aus dem Stiftsdorf: Platz fünf in der Abschlusstabelle der Westfalenliga und der Gewinn des Kreispokals. WN-Sportredakteur Johannes Oetz blickte im Gespräch mit Roland Westers noch einmal auf die Saison 2021/22 zurück und schaute mit dem Coach auch schon auf die bevorstehenden Aufgaben.

Hallo, Herr Westers. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch für diese sportlich sehr erfolgreiche Saison.

Westers: Vielen Dank. Über die gesamte Saison gesehen ist es sehr gut gelaufen. Das haben auch einige Verantwortliche gesagt, die von der besten Saison ever sprachen. Meiner Meinung nach haben wir aber nicht das Maximum herausgeholt.

Warum?

Westers: Es gab natürlich Dinge, die wir nicht beeinflussen konnten. Es gab aber auch Dinge, die wir hätten mehr beeinflussen können. Insgesamt müssen wir mehr herausholen.

Könnten Sie diesen Gedanken vielleicht konkretisieren?

Westers: Sehr gerne. Nicht beeinflussen konnten wir beispielsweise die Corona-Erkrankungen. Für uns gab es dadurch aber einige Wochen, die vom Personal her sehr schwierig waren. Mir fehlten manchmal coronabedingt elf Spieler an einem Spieltag. Dann fielen Partien aus, die wir unter der Woche nachholen mussten. Durch die Begegnungen im Kreispokal kam es schließlich zu der Situation, dass wir fünf englische Wochen in Folge hatten. Das ist für eine Amateurmannschaft sehr schwierig.

Bei so vielen Ausfällen stellt sich die Mannschaft von alleine auf.

Westers: Genau das war ein weiteres Problem. Die Spieler hatten keinen echten Konkurrenzkampf. Gerade die Jungs in der Offensive wussten eigentlich, dass sie sowieso auflaufen würden. Hinzu kam die hohe Belastung der Spieler, von denen sich einige hartnäckige Verletzungen zuzogen. Wir haben zwar einen sehr guten Physiotherapeuten, doch er war als Physio in seinem Hauptberuf auch oft eingespannt und fiel zudem selbst einige Wochen coronakrank aus.

Und trotzdem sprang Platz fünf heraus. 56 Punkte aus 30 Spielen ist doch sehr in Ordnung.

Westers: Ja, aber das Torverhältnis gefällt mir mit 55:44 nicht. Der Defensivverbund hat eine ordentliche Saison gespielt, in der Offensive ist aber noch ganz viel Luft nach oben. Wir hatten eine eminente Abschlussschwäche, die war wirklich sehr konstant.

Semih Daglar und Oliver Leifken waren mit jeweils zehn Treffern beste Nottulner Torschützen. Damit werden sie in der Torjägerliste erst auf Rang 20 geführt.

Westers: Ich sags ja, in der Offensive ist noch viel Luft nach oben.

Bleiben wir bei Daglar. Er ist ohne Frage ein Unterschiedsspieler mit enormen Qualitäten. Er machte allerdings nicht immer den fittesten Eindruck.

Westers: Da stelle ich mich aber ganz klar vor ihn. Semih konnte aufgrund einer Knie-Operation die komplette Vorbereitung nicht mitmachen und musste dann von Null auf 100 hochfahren. Er hat überragende fußballerische Fähigkeiten, für die er aber seine Fitness braucht. In die nächste Vorbereitung will er körperlich fit starten und dafür einiges tun.

Das muss bei den anderen Vereinen ja wie eine Drohung klingen . . . Okay, schauen wir mal auf einzelne Spiele. Haben Sie da eines, das bei Ihnen aus der Saison 2021/22 besonders hängengeblieben ist?

Westers: Natürlich, es gab sogar zwei. Das erste war die Partie gegen Mesum Mitte Dezember. Zur Pause führten wir schon mit 4:0. Später kommen die Gäste noch auf 3:4 und 4:5 heran. Zum Glück haben wir es dann ja doch noch mit 5:4 gewonnen. Und mein Kumpel Marcel Langenstroer, Trainer der Mesumer, sah auch noch die Rote Karte. Das war schon ein verrücktes Spiel (lacht). Ein weiterer Sieg für die Geschichtsbücher war natürlich das 1:0 gegen Erkenschwick Ende April. Elf Leute fehlten, sodass Spieler aus der A-Jugend und der Zweiten aushelfen mussten. Die Jungs haben unglaublich toll gefightet und die drei Punkte geholt. Solche Spiele vergisst man nicht.

Sicherlich haben Sie verschiedene positive Entwicklungen gesehen. Was hat Ihnen am besten gefallen?

Westers: Die Mannschaft ist jetzt in der Lage, die Dreierkette zu spielen. Damit ist die taktische Flexibilität höher und wir sind in der Lage, uns auch während eines Spiels dem Gegner besser anzupassen. Außerdem verteidigen wir jetzt in der letzten Reihe nach vorne und denken nicht nur nach hinten. Auch die erfahreneren Spieler André Kreuz und Max Wenning haben das toll umgesetzt. Außerdem dachte ich ja lange Zeit, dass ich mit den vorhandenen Spielertypen kein 1:1-Pressing spielen könnte. Die Jungs haben mich gerade gegen Vreden und Mesum eines Besseren belehrt. Das hat mich gefreut, denn das ist der Fußball, den ich gerne spielen lassen möchte.

Sprechen wir noch mal über einzelne Spieler. Welche Entwicklung hat Ihnen am besten gefallen?

Westers: Viele Spieler haben wichtige Schritte nach vorne gemacht, doch besonders gefreut habe ich mich über Lennart van Deenen. Als ich kam, gehörte er ja eigentlich noch gar nicht so richtig zum Kader. Doch dann hat er sich enorm verbessert. Er ist ein Spielertyp wie Thomas Müller. Er weiß einfach intuitiv, wo er vor dem gegnerischen Tor zu stehen hat.

Am 5. Juli nehmen Sie mit der neuen Mannschaft das Training wieder auf. Können Sie schon sagen, was Sie von den Neuzugängen erwarten?

Westers (grinst): Tore, Tore, Tore . . .

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