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Fußball: GW Nottuln U 23

Wenn Kicker am Rad drehen . . .

Nottuln

Am Rad drehen die Fußballer der Nottulner U 23 – am Glücksrad. Neuzugang Dennis Hölscher hat die Idee von Westfalia Kinderhaus mitgebracht: Ein Spieler, gegen den eine Mannschaftsstrafe etwa wegen Zuspätkommens verhängt wurde, kann diese am Rad aufs Spiel setzen. Verliert er, muss er etwa Kuchen für das Team kaufen oder einen Acht-Kilometer-Lauf absolvieren. Es kann aber auch richtig schmerzhaft werden.

Von Christian Besse

Dennis Hölscher (vorne, 2.v.l.) führte bei der Nottulner U 23 das Glücksrad ein. Die Strafen wechseln ständig, nur eines bleibt: der Spaß nach den Trainingseinheiten. Foto: Johannes Oetz

Der Name Maren Gilzer ist Dennis Hölscher nicht sofort ein Begriff. Als der Begriff „Buchstabenfee“ fällt, schon . . . In den späten 80er- und 90er-Jahren war Gilzer in der populären TV-Spielshow „Glücksrad“ zu sehen, in der sie in der Regel ganz ohne Text Buchstaben umdrehte. Lang ist‘s her.

So lang, dass man Hölscher kaum übel nehmen kann, dass er den Namen der ehemaligen Show-Assistentin nicht sofort auf dem Schirm hat. Schließlich ist der Außenverteidiger von GW Nottuln 2 erst 29.

Mit dem Glücksrad kennt er sich schon aus, mit seinem eigenen  . . . „Vor fünf, sechs Wochen“ (Hölscher) führte er das runde bunte Teil beim Mannschaftstraining des A-Ligisten ein. „Es ging einfach darum, noch mehr Spaß ins Training zu bekommen“, sagt der Nottulner, der durchaus weiß, wie wichtig gute Stimmung und Teamgeist für sportliche Erfolge sind: Lange Jahre kickte der Defensivmann in der Landesliga, erst für den SV Herbern, später für Westfalia Kinderhaus.

Eine Strafe wird aufs Spiel gesetzt

Im Prinzip geht es beim Glücksrad der Nottulner U 23 darum, dass ein Spieler eine von der Mannschaft verhängte Strafe aufs Spiel setzen kann. Hat er Glück, verfällt die Strafe. Hat er Pech, muss er umso mehr büßen – je nachdem, wo die bunte Scheibe stehenbleibt.

Grundsätzliche Strafen gibt es etwa für Zuspätkommen, Sachen vergessen oder überflüssige Verfehlungen während eines Spiels: „Ist man Ersttäter, ist man wegen einer Gelben Karte für Meckerns mit fünf Euro dabei“, erklärt Hölscher. „Beim zweiten Mal zahlt man schon zehn Euro.“ Oder geht halt ans Rad.

Wenn man Glück hat, verfällt die Geldstrafe. Hat man Pech, lauten die Alternativen etwa: „Kuchen backen“, „Shampoo für die ganze Mannschaft kaufen“ oder „Mettfreitag“. Dann besorgt der Delinquent Brötchen und Mett, und es gibt einen fröhlichen Imbiss. Beim „Strafe teilen“ zieht der Verurteilte einen Mitspieler seiner Wahl mit ins Boot, beim „Schnick Schnack Schnuck“ kann er diesem, mit ein bisschen Glück, die Strafe sogar ganz überantworten. Die Strafen werden übrigens ständig modifiziert – neue kommen dazu, alte verschwinden. Nur der Spaß bleibt, kleine Gemeinheiten inbegriffen.

Die ursprüngliche Idee, beim Training ein Glücksrad einzuführen, habe er selbst nicht gehabt, sagt Dennis Hölscher. Die habe er aus Kinderhaus mitgebracht. „Damit haben wir immer viel Spaß gehabt“, erinnert sich der heutige Nottulner.

Der Trainer hat natürlich Glück...

Und auch bei den Grün-Weißen ließ man sich nicht lange bitten. Wobei der eine oder andere seine Euphorie, zumindest phasenweise, schon bereut haben dürfte. Etwa die Spieler, bei denen das Pechrad schon mal bei „Acht-Kilometer-Lauf“ stehenblieb. Oder beim „Arschschießen“ – dann kann es wirklich schmerzhaft werden.

An diesem Freitag trifft es Paul Schwering und Constantin von Hobe. Im letzten Training warfen beide eine Trinkflasche um, das ist bei der Nottulner U 23 strafbar. Beide wollten lieber ans Rad als zu zahlen, beide erdrehten sich oben schon erwähnte Strafe. Und stehen nach dem Freitagstraining Seite an Seite auf der Torlinie. Mit dem Rücken zu ihren Mannschaftskameraden, die vom Elfmeterpunkt aus zielen, und zwar ausnahmsweise nicht in Winkel oder Ecken.

Trainer Mario Popp steht dem im Wortsinn bunten Treiben nicht im Wege, im Gegenteil. Dennis Hölscher: „Mario ist für einen Spaß immer zu haben.“ Popp drehte selbst schon am Rad, auch hier wieder – nur – im Wortsinn. Und? „Wie sollte es anders sein: Der Trainer hat natürlich fünf Euro Gutschrift gezogen“, erinnert sich Hölscher lachend. „Das hat bei der Mannschaft natürlich nicht für Begeisterung gesorgt.“

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