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Fußball: Schiedsrichter in Zeiten ohne ihren Sonntagsfußball

Bienen und Enkel statt Fußball

Steinfurt/Ochtrup...

Was machen Fußballschiedsrichter, die sonntags nicht ihrem Sport nachgehen können? Wandern, radfahren oder angeln? Auch, zumindest der eine oder andere; aber es gibt auch solche, denen fällt es gar nicht so schwer, Sonntag für Sonntag darauf zu achten, dass die Kicker auch die Regeln einhalten.

Günter Saborowski

Norbert Buss (kl. Bild u.), Heinz Steingrobe und Jan Lohmann (kl. r.) sind als Schiedsrichter im Kreis Steinfurt unterwegs und haben mit dem Ausfall ihres Hobbys (zum Teil) auch so ihre Probleme.      Foto: Marco Steinbrenner

Vor drei Wochen hieß es an dieser Stelle: „Keiner hat sich eine Angel gekauft“ – wie kommen Fußballtrainer ohne ihren Sonntagseinsatz zurecht? Ganz ähnlich dürfte es den Schiedsrichtern gehen, die Sonntag für Sonntag, zum Teil auch samstags, auf den Plätzen unserer Region darauf achten, dass das spielende Personal sich an die Regeln hält. Ebenso wie Spielern und Trainern ist den Unparteiischen mit der Pandemie ihre Lieblingsbeschäftigung weggebrochen. Untätig den Sonntag auf dem Sofa verbringen und eine Folge Terra X nach der anderen konsumieren, ist aber nicht ihr Ding. Die Westfälischen Nachrichten haben konkret nachgefragt, wie die Referees die freie Zeit nutzen.

So viel schon mal vorweg: Auch bei den Männern in Schwarz (oder Rot oder Gelb) hat sich keiner eine Angel gekauft oder einen Vierbeiner zugelegt. Kreisschiedsrichterobmann (KSO) Jürgen Lütkehaus zum Beispiel witzelt angesichts des Komplett-Lockdowns spontan: „Ich pendele zwischen Schlafzimmer und Küche, Garten, Wohnzimmer und Bett hin und her.“ Natürlich Quatsch, denn er hat jetzt mehr Zeit, gemeinsam mit seiner Frau Motorrad zu fahren. Ende Mai, Anfang Juni 2020 waren die beiden mit Sack und Pack in Kroatien. „Selbst wenn dann mal jemand als Schiri für eine Spiel ausfallen sollte, es ist alles geregelt. Außerdem könnte ich ja auch übers Handy umplanen“, muss er dabei nicht einmal während der Saison seinen Job als KSO vernachlässigen. „Und im Herbst oder Winter, wenn Fußballpause ist, hole ich meine Gitarre raus oder räume den Keller auf.“

Jan Lohmann vom BorghorsterFChat notgedrungen das Radfahren für sich entdeckt. „Es ist schon nervig ohne Fußball. Eine gewisse Zeit habe ich das genossen und sonntags Dinge gemacht, die ich ansonsten unter der Woche machen musste, putzen zum Beispiel“, sagt er. Mittlerweile ist er viel mit dem Rad unterwegs, entdeckt die Bauerschaften der Umgebung und tourt durch Münsters Rieselfelder oder geht spazieren. „Ich muss sagen, der Sonntag ist jetzt der monotonste Tag der Woche für mich. Ich war ja sonst jedes zweite Wochenende auch bei den Spielen des FC Bayern München. Doch das ist ja auch vorbei“, klagt der Borghorster, der sich auch nicht gerade als Leseratte bezeichnen würde. „Man muss es aushalten, bis es wieder losgeht“, fiebert der 31-Jährige dem nächsten Saisonstart entgegen.

Norbert Buss vom FCMatelliaMetelendagegen hat schon seit drei Jahren ein (zusätzliches) Hobby, das ihn nach seiner „Pensionierung“ als Schiedsrichter sinnvoll beschäftigen dürfte: „Ich züchte Bienen. Man darf ja auch im Kreis nur bis 60 pfeifen, daher musste ich mir ein anderes Hobby zulegen. Ich habe aber auch schon mal Bier gebraut“, scheint der 57-jährige Metelener sehr vielfältig interessiert zu sein.

Allerdings hegt er noch die Hoffnung, dass die Altersgrenze für Schiedsrichter gelockert wird und er noch in der Bezirksliga (bis 55 Jahre) seiner liebsten Sonntagstätigkeit nachgehen kann. „Bei Manuel Gräfe ist es ja auch so, dass viele möchten, dass er noch weiter als Schiedsrichter tätig sein kann. Diese Regelung grenzt ja an Altersdiskriminierung“, sagt Buss, der erst mit 39 Jahren die Pfeife in die Hand genommen hatte und seit zwei Jahren nur noch in der Kreisliga Spiele leiten darf, eben wegen dieser Altersgrenze.

Stress mit seiner Frau kommt an den Sonntagen wegen zu viel gemeinsamer häuslicher Präsenz bei den Buss‘ nicht auf: „Ich habe das Glück, dass meine Frau ebenfalls fußballbegeistert ist. Sie ist sogar oft mit auf dem Platz und bespricht mit mir hinterher das Spiel“, fungiert Frau Buss als SR-Beobachterin in inoffizieller Form. „Langeweile am Sonntag gibt es bei uns nicht“, sagt der VfL Bochum-Fan, der aktuell viel mit Daumen drücken beschäftigt sein dürfte.

„Es fehlt mir schon, aber ich kann auch gut ohne leben.“ Sagt Heinz Steingrobe vom FCSchwarz-WeißWeiner, der mit seinen 70 Jahren immer noch – wenigstens ab und zu – auf dem Platz die Pfeife im Mund hat. „Drei Spiele waren es im vorigen Jahr nur.“ Der „Rasenteddy“, wie er genannt wird, ist beruflich selbstständig und hat als solcher selbst und ständig immer was zu schaffen. „Meine beiden Söhne haben zwar den Betrieb übernommen, aber sonntags morgens bin ich oft noch für zwei Stunden im Betrieb“, sagt der vierfache Vater, der neun Enkelkinder sein eigen nennen darf. Auch mit diesen ist er gut beschäftigt, fährt mit ihnen Rad oder wirft auch mal sonntags den Grill an. 40 Jahre lang ist Steingrobe schon auf diversen Fußballplätzen unterwegs, keineswegs mit dem Aufsitzmäher, sondern mit der Pfeife. Und wenn einer seiner Enkel – „der Älteste ist schon 13 Jahre“ – den Aufsitzmäher ausprobieren möchte, dann „passe ich auf, was der mit dem Ding anstellt“, sagt der Opa. Platz und Rasen dürfte Steingrobe ausreichend haben, denn „vor einiger Zeit haben wir einen Bauernhof übernommen. Und dort ist immer was zu tun.“

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