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Fußball: Der Mittelamerikaner Juan Aguilar hat sich in den FC Schalke 04 verliebt

Ein Knappe aus Honduras

Ochtrup

Der FC Schalke 04 taumelt der 2. Liga entgegen. Das schmerzt auch Juan Aguilar, der durch und durch Knappe ist. Dabei ist der 33-Jährige kein Ur-Schalker, sondern infizierte sich erst nach seinem Umzug nach Deutschland mit dem königsblauen Virus. Der angehende Hausarzt stammt aus einem Land, in der die Schalker keine Rolle spielen.

Marc Brenzel

Juan Aguilar, seine Frau Susan Kharoufeh und der einjährige Sohn Alexander – sie alle tragen mit Vorliebe das Gelsenkirchener Königsblau. Foto: Marc Brenzel

Schalke-Fan zu sein – das ist dieser Tage angesichts der komplizierten Tabellensituation schwierig. Erst recht für Juan Aguilar, der die Knappen heiß und innig liebt. Dabei ist Aguilar gar kein Ur-Schalker, sondern infizierte sich erst vor rund sieben Jahren mit dem königsblauen Virus, als er aus Honduras nach Ochtrup kam.

An sein erstes Spiel „auf“ Schalke kann sich der Mittelamerikaner noch genau erinnern. „In der Saison 2013/14, damals ein 2:0 gegen Eintracht Frankfurt. Ich war sofort fasziniert von der Atmosphäre in der Arena“, dreht der 33-Jährige das Rad der Zeit zurück.

Zwecks seines Studiums –Juan Aguilar ist angehender Hausarzt – zog es den Bartträger in die Töpferstadt. Dort hat er Familie, und die ist Schalke-verrückt: Onkel Rodolfo Argüello ist Schalker, dessen Sohn Virgilio Argüello Wiemeler natürlich auch. „Virgilio war es, mit dem ich damals zu der Partie gegen Frankfurt gefahren bin“, so Aguilar, der in der Zwischenzeit sowohl Bundesliga- als auch internationale Matches seiner Herzenstruppe gesehen hat. „Real Madrid und Chelsea in der Champions League, Ajax Amsterdam in der Europa League. Leider gehört das der Vergangenheit an“, trauert der Mediziner.

In seinem Heimatland ist S04 eine kleine Nummer. Die Honduraner sind zwar vollkommen fußballverrückt, aber der Fokus liegt auf der spanischen und der englischen Liga. „Real Madrid und CF Barcelona sind richtig beliebt. Aus Deutschland spielen nur die Bayern eine größere Rolle“, erklärt Aguilar. Sein Lieblingsclub in Honduras ist CD Marathon aus seiner Heimatstadt San Pedro Sula. Spitzname: das grüne Monster. „Ein Verein wie Schalke. Viel Leidenschaft.“ Zuletzt aber erfolgreicher als die Gelsenkirchener. 2018 wurde der Club letztmalig Meister.

Jeden Tag saugt Juan Aguilar die neuesten Nachrichten über seinen Lieblingsverein auf. Zur Zeit sind das allerdings selten gute. „Es ist momentan schwer, ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen“, so der Honduraner, der in Sachen Klassenerhalt eher schwarz sieht. „Mein Herz sagt ja, sie schaffen es. Aber die Realität sieht wohl anders aus.“ Das bestätigten die Schalker am vergangenen Samstag mit dem 0:5 beim VfL Wolfsburg.

Wer für ihn der Größte Schalker aller Zeiten ist – mit der Antwort hält sich Aguilar nicht lange auf. „Klaas-Jan Huntelaar war schon stark, aber Raúl steht da noch drüber. Der war zwar nur zwei Jahre da, aber was er in der kurzen Zeit alles geleistet hat, ist eine einmalige Sache.“

Notgedrungen bleibt Juan Aguilar aufgrund der Pandemie nur die Möglichkeit, den FC Schalke 04 im Fernsehen zu verfolgen. Unterstützung gibt es höchstens von Frau Susan oder dem einjährigen Sohn Alexander, der schon mit Schalke-Schnuller im Mund versucht, kleine Bälle durch das Wohnzimmer zu kicken.

Das alles kann die Besuche in der Arena bei Weitem nicht ersetzen. Juan Aguilar kann es nicht erwarten, die Fahrten ins Ruhrgebiet wieder anzutreten. Dann gerne zusammen mit Javier Seminerio, der eine ähnliche Schalker Liebesgeschichte wie Juan Aguilar zu bieten hat – nur das er Peruaner ist und in Wettringen wohnt. Zwei Lateinamerikaner also, deren Herz königsblau eingefärbt ist.

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