Fußball: Europameisterschaft 2021

Fünf Mann mit Ochtrup-Erfahrung

Ochtrup

Der Volksbankcup in Ochtrup ist traditionell hochkarätig besetzt. Die besten U-15-Fußballer Deutschlands kicken jedes Jahr Ende Januar in der Töpferstadt. Viele von ihnen sind mittlerweile sportlich flügge geworden. Von den Talenten, die einst in Ochtrup am Start waren, zählen fünf zum EM-Kader der deutschen Nationalmannschaft.

Marc Brenzel

Kai Havertz (l.) ist einer der vielversprechendsten Akteure im deutschen Kader. Foto: IMAGO/VI images

Als Kai Havertz unlängst den FC Chelsea London zum Champions-League-Triumph schoss, dachte Paul Schomann spontan nicht an den Youngster, der 2014 als C-Jugendlicher mit Bayer 04 Leverkusen am Ochtruper Volksbankcup teilgenommen hatte. „Das kam erst ein bisschen später“, gesteht Schomann ein, der früher als Turnierchef des Wettbewerbs fungierte.

Havertz ist einer von fünf Akteuren aus dem EM-Kader, der einst beim großen Nachwuchs-Hallenturnier in Ochtrup, sein Können unter Beweis stellte. Manuel Neuer (Schalke 04, 2001), Marcel Halstenberg (Hannover 96, 2006), Leon Goretzka (VfL Bochum, 2010) und Leroy Sané (Bayer Leverkusen, 2011) vervollständigen das Quintett.

„Kai Havertz war ein lieber Typ und prima Fußballer. Aber in dem Topteam, mit dem die Leverkusener damals bei uns angetreten sind, stach er noch nicht als absoluter Überflieger heraus. Und trotzdem ist Bayer damals nur Dritter geworden“, erinnert sich der frühere DFB-Trainer Schomann noch genau an das Talent aus Aachen. Und bei Leon Goretzka, der mittlerweile eine bestimmende Kraft beim Rekordmeister Bayern München ist, verhielt es sich ähnlich: „Leon ist nicht so auffällig gewesen. Das mag auch daran gelegen haben, dass es mit einem verhältnismäßig kleineren Club wie Bochum schwerer ist, einen Eindruck zu hinterlassen.“ Leroy Sané gelang das schon ein bisschen besser. Vor zehn Jahren im Bayer-Trikot, denn dort kickte der Linksfuß von 2008 bis 2011.

Die Talente von früher sind die Stars von heute. Und die wird sich Schomann, der jahrelang als Coach diverser Jugend-Nationalmannschaften des DFB arbeitete, bei der bevorstehenden Europameister genau ansehen. Den Deutschen traut der 69-Jährige trotz der überaus anspruchsvollen Gruppe mit Frankreich und Portugal durchaus etwas zu: „Mindestens Halbfinale. In der Mannschaft steckt viel Qualität. Jogi Löw verfügt über jede Menge Alternativen. Das ist Variabilität auf höchstem Niveau.“

Ein Kader in dieser Breite und Tiefe bereitet auch einem Experten Kopfzerbrechen, wenn das Thema „Startformation“ angeschnitten wird. So rätselt auch Schomann, wie Löw den gordischen Knoten im zentralen Mittelfeld zerschlägt, wo sich mit Kroos, Gündogan, Kimmich und Goretzka viel Klasse ballt.

Schomann ist ganz klar ein Fürsprecher von Mats Hummels und Thomas Müller. Dass beide zurück in den Kreis der Mannschaft geholt wurden, würde sich während des Turniers auf und neben dem Platz positiv bemerkbar machen.

An große Turniere hat der Ochtruper gute und bleibende Erinnerungen. In seiner Funktion als DFB-Trainer weilte er bei diversen Welt- und Europameisterschaften als Spielbeobachter vor Ort und nahm dabei potenzielle Gegner der deutschen Nationalmannschaft unter die Lupe. 2004 Portugal, 2006 die Heim-WM, 2008 Österreich und die Schweiz, 2010 Südafrika, 2012 Polen und Ukraine und zum Abschluss 2016 Frankreich waren die Einsatzorte des Töpferstädters.

2021 wird es ein paar Nummern kleiner, denn statt Stadionatmosphäre genießt Schomann die Ruhe im heimischen Wohnzimmer: „Ich gucke mir die Länderspiele in Ruhe an. Ich bin keiner, der das gerne mit 20, 30 Leuten in einem Raum macht.“

Startseite