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Fußball: Testspiel

Neururer lobt Ochtrup, aber kritisiert einige Spieler scharf

Ochtrup

Peter Neururer war nach dem Testspiel der VDV-Auswahl gegen Eintracht Rheine voll des Lobes – allerdings nur für die Bedingungen in Ochtrup, nicht aber für alle seine Akteure.

Von Heiner Gerull

VDV-Kicker Maurizio Abdi (Mitte) stellt sich in diesem Zweikampf gleich zwei Rheinensern entgegen – nämlich Luca Ehler (r.) und Timon Schmitz (l.). Foto: Thomas Strack

In der Einschätzung des Ergebnisses waren sich Peter Neururer, der in diesen Tagen zum fünften Mal das Proficamp der Spielergewerkschaft VDV für vereinslose Fußballprofis leitet, und Rainer Sobiech, Trainer des FC Eintracht Rheine, einig: Es war zweitrangig. Gleichwohl bot die über dreimal 30 Minuten ausgetragene Partie den 180 Zuschauern auf der schmucken Anlage „Sportwerk“ in Ochtrup einigen Unterhaltungswert. Die VDV-Kicker vergeigten eine 3:0-Führung, denn am Ende hieß es 3:5 (1:0, 2:2, 0:3) gegen den Oberligisten.

Wenn es darum geht, sich einen Platz im Profi-Fußball zu erkämpfen, sind Sentimentalitäten fehl am Platz. Das wurde auch am Mittwochabend wieder einmal deutlich. „Bei uns waren die Leistungsunterschiede zu groß. Bei drei Spielern reicht es einfach nicht. Das werden wir ihnen morgen auch mitteilen“, lautete Neururers glasklare Ansage. Er nannte keine Namen, doch seine Worte lassen erahnen, dass für den einen oder anderen der Traum von einer Profi-Karriere, etwa in der Regionalliga, 3. oder gar 2. Liga, vorerst wohl geplatzt ist. „Sie werden ab morgen nicht mehr dabei sein“, kündigte der 67-Jährige an.

Neururer: "Spielen nicht, um zu gewinnen"

Zum 20. Mal veranstaltet die Vereinigung der Vertragsfußballer in diesem Jahr das Camp für vertragslose Fußballprofis. Für sie ist es ein Sprungbrett, ein Schaulaufen, um rasch wieder bei einem Proficlub in Lohn und Brot zu kommen. Neururer, inzwischen Sportvorstand beim Regionalligisten Wuppertaler SV, ist zum fünften Mal dabei. 619 Spiele im bezahlten Fußball stehen in seiner Vita. Für den Job bei der Spielergewerkschaft VDV kehrte er in diesem Jahr gerne auf die Trainerbank zurück.

„Wir spielen nicht, um Spiele zu gewinnen. Vielmehr soll jeder Einzelne die Chance bekommen, sich zu zeigen“, machte Neururer deutlich, worum es geht. Die Erfolgsquote spricht für sich. 80 Prozent der Akteure, die die Lehrgänge an der Sportschule Wedau in Duisburg in den vergangenen 19 Jahren absolviert hatten, kamen in Proficlubs unter. „Ich bin mir sicher, dass wir diese Quote auch in diesem Jahr wieder erreichen werden“, gab der einstige Kulttrainer der Bundesliga zu verstehen.

Ein vereinsloser Kicker trifft dreimal

Einer, der die Chance nutzte, um beste Werbung in eigener Sache zu betreiben, war Gabriel Boakye. Der kanadische Fußballer ghanaischer Abstammung, der auch schon bei Energie Cottbus und dem 1. FC Köln unter Vertrag stand, sorgte mit seinen Treffern (3./37./43.) zunächst für eine 3:0-Führung der VDV-Auswahl.

VDV-Coach Peter Neururer lobte die Bedingungen in Ochtrup, kritisierte aber einige seiner Fußballer scharf. Foto: Thomas Strack

Doch der FC Eintracht agierte im zweiten Spielabschnitt griffiger, kam zu vielen Ballgewinnen und erarbeitete sich mit schnellem Umschaltspiel über die Flügel zahlreiche Torchancen. Zu den Treffern von Julian Hölscher (47.) und Georges Baya Baya (55.) leistete Pascal Petruschka die Vorarbeit, Colin van den Berg erzielte das 3:3 (73.), ehe Baya Baya, Neuzugang vom niedersächsischen Weser-Ems-Landesligisten Falke Steinfeld, in der 82. und 89. Minute auf 5:3 für den FCE stellte.

„Wir haben aus den Fehlern in der Anfangsphase unsere Schlüsse gezogen und einige Umstellungen vorgenommen. In der zweiten Spielhälfte waren wir deutlich überlegen“, kommentierte FCE-Coach Sobiech den Auftritt seines Teams. Neururer hingegen monierte das Leistungsgefälle innerhalb der VDV-Auswahl. Das habe letztlich dazu geführt, „dass wir gegen einen eingespielten Oberligisten verdientermaßen verloren haben“.

Nach dem Spiel war der einstige „Feuerwehrmann“ der Bundesliga, wie Neururer wegen seiner Engagements bei einigen abstiegsbedrohten Erstligisten einst auch genannt wurde, ein gefragter Gast. Er gab zahlreiche Autogramme, erfüllte Fotowünsche und betonte, dass er sich in Ochtrup sehr wohlgefühlt habe. Wie er denn mit den Rahmenbedingungen im Ochtruper „Sportwerk“ zufrieden gewesen sei, wurde er gefragt. „Überragend, bundesligareif“, lautete seine Antwort.

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