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Anastasia van den Berg trainiert den Ochtruper Nachwuchs

Tennisreisende wird heimisch

Ochtrup

Auf ein qualitativ hochwertiges Tennistraining setzt der Tennisclub Ochtrup. Speziell um die Mädchen und Jungen des Vereins auszubilden und zu fördern, wurde im vergangenen Jahr Anastasia van den Berg verpflichtet. Die 36-Jährige blickt auf eine bewegte Tennis-Vergangenheit zurück. Unter anderem spielte sie schon in der russischen Jugend-Nationalmannschaft und auf höchstem US-College-Niveau.

Marc Brenzel

Anastasia van den Berg trainiert den Nachwuchs des Tennisclubs Ochtrup. Früher spielte die 36-Jährige in der russischen Jugend-Nationalmannschaft. Foto: Marc Brenzel

Anastasia van den Berg ist schon ordentlich in der Welt herumgekommen. Möglich hat es das Tennis gemacht, denn mit der kleinen, gelben Filzkugel weiß die 36-Jährige bestens umzugehen. Ihr Wissen gibt die gebürtige Russin nun in Ochtrup als Trainerin weiter – in der Stadt, in der sie heimisch werden möchte.

Aufgewachsen in St. Petersburg spielte sich van den Berg, die früher Anastasia Kugakolowa hieß, schnell in den Ranglisten nach vorne. In denen des Jahrgangs 1984 nahm sie in ihrem Heimatland sogar mal Rang drei in der nationalen Rangliste ein. Das verschaffte der Rechtshänderin Einsätze in der russischen Jugend-Nationalmannschaft.

Dem leistungsorientierten Sport kehrte sie mit 16 Jahren vorübergehend den Rücken, um sich auf das Abitur vorzubereiten. Trotzdem blieb sie im Gedächtnis einiger Talentscouts. Unter anderen denen der Mississippi State University, die ihr ein Sportstipendium anboten. „Ich habe zugegriffen, weil dort Studieren und Sporttreiben auf höchstem Niveau möglich sind“, berichtet van den Berg, die vier Jahre für das Bulldogs – so heißt das Uni-Team – aufschlug. Ihre Zeit in Mississippi beendete van den Berg mit zwei Abschlüssen in Psychologie (Bachelor of Arts) und Sport Administration (Master of Science in Physical Education). Damit nicht genug, denn auf dem Campus lernte sie auch ihren späteren Mann Bart, einen Niederländer, kennen.

In den Staaten erwarb die 36-Jährige auch die Trainer-B-Lizenz der US Professional Tennis Association. An der Alabama Court Elite Tennis Academy in Birmingham coachte die Osteuropäerin forthin. „Meinem Mann und mir war aber klar, dass wir unseren Lebensmittelpunkt nicht in den USA haben wollten“, entschieden sich die van den Bergs zu einem Umzug nach Deutschland.

Kiel, Stuttgart und München hießen die Stationen, an denen Anastasia van den Berg auch als selbstständige Trainerin arbeitete. 2020 schlug die mittlerweile dreifache Mutter (zwei Söhne, eine Tochter) ihre Zelte in Ochtrup auf. „Wir wollten in die Grenzregion ziehen, um mehr Nähe zu meinen Schwiegereltern zu haben“, erläutert van den Berg.

Kurz nach ihrer Ankunft in der Töpferstadt setzte sie sich mit Sabine Warnebier, der Vorsitzenden des TC Och­trup, in Verbindung und fragte, ob es Bedarf an einer neuen Trainerin geben würden. Und tatsächlich hatte der TCO Kapazitäten.

„Ich helfe jedem, der meine Hilfe im Tennis benötigt, aber mein Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchsarbeit. Ich liebe es, mit Kindern leistungsorientiert zu trainieren“, erklärt van den Berg, die gerade in Ochtrup ein Haus baut und sich in ihrer neuen Heimat richtig wohl fühlt. Schade findet sie nur, dass pandemiebedingt wenig Zeit für Tennis blieb. „Bis Ende Oktober 2020 und jetzt gerade mal vier Wochen. Das ist wenig und für Tennis-Liebhaber eine harte Zeit“, bedauert die Neu-Ochtruperin. Interessant: Sie selbst spielt die Rückhand einhändig, doch ihren Schützlingen bringt sie die beidhändige Variante bei. „Die ist gerade für junge Mädchen, die noch nicht so viel Kraft haben, sinnvoller.“

Van den Bergs Devise in den Unterrichtsstunden ist, dass immer der Spaß im Vordergrund zu stehen hat. Allerdings dürfe die Disziplin nicht vernachlässigt werden. Man müsse sich an gewisse Regeln halten, so die Trainerin. „Vielleicht hat meine Einstellung ja was mit meiner Herkunft zu tun. Wir Russen gelten ja, was den Sport anbetrifft, als sehr diszipliniert“, schmunzelt van den Berg, die das Joggen und das Backen zu ihren Hobbys zählt.

Wieder regelmäßig und in einer gewissen Häufigkeit auf dem Court zu stehen, das kann sie kaum abwarten, schließlich bedeutet das Training mit den Kindern und Jugendlichen eine ganze Menge für sie. „Das“, so van den Berg, „ist meine Leidenschaft.“

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