Fußball: Hallenkreismeisterschaf in Warendorf

Orga-Chef Manfred Krieg: „Absage überraschte niemanden“

Die Hallenkreismeisterschaft der Fußballer, oder kurz die HKM, wie sie von Spielern und Fans genannt wird, ist im Kreis Warendorf eine Institution. Am Dienstag wäre der Anstoß der 33. Auflage des gleichermaßen traditionsreichen wir prestigeträchtigen Wettbewerbs gewesen. Wäre. Natürlich fällt auch das Hallenspektakel der Corona-Pandemie zum Opfer. Für Chef-Organisator Manfred Krieg ist es das erste Mal seit 1989, dass der nach den Weihnachtsfeiertagen zu Hause ist. 

Ulrich Schaper

Seit 32 Jahren organisiert Manfred Krieg die Hallenkreismeisterschaft in der Bundeswehrsportschule Warendorf. Von seinem Arbeitsplatz in der Halle hat er das ganze Spielgeschehen im Blick. Foto: R. Penno

Unser Redaktionsmitglied Ulrich Schaper sprach mit ihm über eine klaffende Lücke im Terminkalender, ein Telefon, das momentan nur selten klingelt und ein mögliches Comeback im Jahr 2021.

Herr Krieg, Sie haben die HKM relativ frühzeitig abgesagt, als von einem weiteren Lockdown noch gar nicht die Rede war. Sie scheinen einen guten Riecher gehabt zu haben...

Krieg: Die Bundeswehr hatte mit uns bereits frühzeitig gesprochen und uns signalisiert, dass es auf ihrem Gelände zum geplanten Zeitpunkt kein Turnier geben wird. Wir haben aufgrund des Infektionsgeschehens aber natürlich auch intern schon gesprochen und uns darauf verständigt, abzusagen. Klar war die Lage im Sommer besser. Aber es war im Grunde absehbar, dass es im Winter wieder schlimmer werden würde. Zumal wir ja auch eine Hallensportart sind, wo man im Frühjahr keine Erfahrungswerte hat sammeln können. Wir hätten große Probleme gehabt, die Hygiene-Standards zu bewerkstelligen. Ein Impfstoff war lange Zeit nicht in Sicht – da haben wir das Ding frühzeitig abgehakt.

Ein Jahr ohne die Hallenkreismeisterschaft der Fußballer. Das ist ein Novum. Muss man erst einmal sacken lassen, oder?!

Manfred Krieg: Wir hatten tatsächlich schon mal ein Jahr, wo das Turnier auf der Kippe stand. Da ist es am ursprünglichen Termin ausgefallen. Das war 2011 in einem extrem schneereichen Winter. Die Schneelast auf der Halle der Bundeswehrsportschule war gemäß der Bestimmungen zu hoch – die Bundeswehr hat uns daher kurzfristig die Genehmigung des Turniers entzogen. Wir haben die Veranstaltung aber drei Wochen später – verkürzt auf drei Tage – ausgetragen können.

Manfred Krieg

Gab es einen Austausch mit anderen Vereinen, oder haben Sie das unabhängig von der Gesamtlage entschieden?

Krieg: Wir hatten Kontakt mit Alverskirchen, in Münster hatten bereits einige Vereine zurückgezogen, mit Ausnahme der Veranstalter am Berg Fidel. Zu diesem Zeitpunkt war uns aber schon klar, dass es nichts werden kann. Wahrscheinlich wären die Auflagen so streng und die Zuschauerzahlen so gering gewesen, dass es sich nicht gelohnt hätte. Ganz ehrlich, wir vom Orga-Team sind ja auch alle schon ein bisschen älter – wir hätten auch wenig Lust gehabt, uns da ins Risikogetümmel zu stürzen. Und wir wollten natürlich auch verhindern, ein Hotspot in der Region zu werden. Das wäre auch für die Bundeswehr problematisch geworden. Ich glaube, es war gut, dass wir so frühzeitig abgesagt haben (bereits im Sommer; d. Red.). Und, was man ja auch sagen muss: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband hatte ebenfalls signalisiert, diese Veranstaltung nicht genehmigen zu wollen. Ein nicht genehmigtes Turnier, das funktioniert nicht.

Gab es Reaktionen aus Ihrem Umfeld? Haben sich die Vereine bei Ihnen gemeldet?

Krieg: Wir haben mit den Vereinen im Grunde keinen Kontakt gehabt, weil wir schon so abgesagt haben, ehe wir überhaupt die Anmeldung freigeschaltet haben. Für all die, mit denen wir irgendwie gesprochen haben, war es keine Überraschung, dass die HKM nicht stattfindet. Das stand angesichts der Lage außer Frage. Es kennen ja auch alle die Gegebenheiten. Man hat in normalen Jahren schon das Problem, dass einige der Anwesenden mit Erkältungskrankheiten oder grippalen Infekten zu kämpfen hatten – das verbreitet sich bei so einer Menschenmenge in einem geschlossenen Raum einfach schnell. Wenn man das auf Covid-19 projiziert, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

Manfred Krieg

Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, das Turnier unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen? Oder in abgespeckter Form?

Krieg: Nein, nur um des Turnieres willen, damit die Leute da spielen können, hätten wir das nicht gemacht. Dafür ist der Aufwand einfach zu groß. Die Zuschauer machen das Turnier auch erst reizvoll, dass unterklassige Mannschaften vor einem vollen Haus spielen und den Favoriten ärgern, davon lebt die Veranstaltung. Ich glaube auch nicht, dass da viele Mannschaften gekommen wären. Es zählt die Atmosphäre. Die Bühne wäre dann halt nicht da gewesen. Auch rein finanziell hätte sich das nicht gelohnt.

2020 mussten sehr viele Veranstaltungen ausfallen. Einige davon wird es vielleicht nicht wieder geben. Haben Sie Sorge, dass ein Comeback der HKM schwierig wird?

Krieg: Grundsätzlich muss man ja sagen, dass der Hallenfußball nicht mehr so im Trend liegt wie vor zehn oder 20 Jahren. Der Verband ist gezwungen, den Futsal zu etablieren. Dadurch wird dem Hallenfußball allmählich das Wasser abgegraben. Das Problem dabei ist, dass diese Hallenturniere über Jahre gewachsen sind und für viele kleine Vereine eine wichtige Einnahmequelle und eine feste Größe in den Jahreseinnahmen geworden sind. Die Konkurrenz beim Freiluftfußball ist ja auch schon enorm groß: Früher war der Sonntag der Tag der Amateure. Dadurch, dass die Bundesliga-Übertragungen so ausgeweitet wurden, gehen ja auch schon viele Zuschauer verloren.

Das klingt nur verhalten optimistisch...

Manfred Krieg

Krieg: Man wird mit Blick auf alle Hallensportarten schauen müssen, wie man grundsätzlich mit diesem Virus umgeht. Auch die Handballer und Volleyballer etwa brauchen ein Konzept. Zur Winterzeit wird es immer ein erhöhtes Risiko geben. Unter welchen Bedingungen solche Turniere wie das unsere ausgetragen werden können, wird auch davon abhängen, inwiefern die Menschen sich impfen lassen, und ob wir das Virus dadurch besser in den Griff bekommen. Das wird den Fußball auch ganz grundsätzlich beschäftigen, wenn ich da an die ehemals vollen Tribünen in den Stadien denke. Sollte das Turnier in einem Jahr stattfinden, denke ich, dass uns das auch im Zuschauerbereich treffen wird. Aber um das klar zu sagen: Es geht hier ja im Wesentlichen um unsere Gesundheit. Da hat solch ein Spaßturnier wie die HKM einfach hinten anzustehen.

Normalerweise steht Ihr Telefon in den Wochen unmittelbar vor und dann auch während der HKM nicht still. Können Sie die Zeit nutzen, um einmal durchzuatmen?

Krieg: Die Ruhe ist natürlich teuer erkauft – ich würde ehrlich gesagt lieber den Stress haben. Es ist ja auch viel positiver Stress dabei. Es war aber terminlich auch immer deswegen eng, weil ich beruflich mit der Handball-WM und -EM parallel viel um die Ohren hatte.

Wann müssten die Vorbereitungen für die kommende HKM starten?

Krieg: Es ist keineswegs sicher, ob wir nächstes Jahr spielen können. Wir werden im Februar mit der Bundeswehr und den entsprechenden Behörden sprechen und den Termin sichern.

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