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Fußball: Regionalliga West

1:1 gegen Kaan-Marienborn - Ex-Kapitän Schauerte fügt Preußen Stich ins Herz zu

Münster

Wenig bis nichts deutete darauf hin, dass Preußen Münster diesen Sieg noch aus der Hand geben könnte. Doch dann kam Ex-Kapitän Julian Schauerte und traf kurz vor Schluss zum 1:1 für den 1. FC Kaan-Marienborn. Der sachte Negativtrend des Titelanwärters setzt sich fort.

Von Thomas Rellmann

Ex-Preußen-Kapitän Julian Schauerte (l.) erwies sich am Samstag gegenüber seinem alten Club als Spielverderber. Foto: Jürgen Peperhowe

Es sah so aus, als habe Preußen Münster das erste Zwischentief der Saison ganz gut weggesteckt. Zu Hause führte der Aufstiegsfavorit gegen den gut besetzten Neuling 1. FC Kaan-Marienborn mit 1:0 (1:0). Für die Rückkehr auf Platz eins reichte das Remis, für ein Durchatmen hingegen nicht. Nach der turbulenten Auswärtswoche mit zwei Schlappen und einem Chaosspiel ist die Situation nicht besser geworden.

Die Niedergeschlagenheit war jedem einzelnen Akteur anzusehen. „Das darf einfach nicht passieren, niemals“, haderte Nicolai Remberg. „Der Gegner hatte keine einzige richtige Chance. Vielleicht haben wir gedacht, das klappt schon.“ Coach Sascha Hildmann war zwar nicht außer sich, aber doch schwer betrübt. „Wir waren von Anfang an sehr gut drin, hatten eine gute Spielanlage. Die Achter haben immer die Räume gefunden, wir haben viel Druck ausgeübt“, so der Pfälzer. „In der zweiten Hälfte hatten wir dann nicht mehr die Präzision, waren aber dennoch absolut überlegen, sind angerannt. Und dann sitzt der erste Schuss beim Gegner, ein Klassiker im Fußball. Wir müssen das annehmen. Es ist extrem ärgerlich, aber sowas passiert immer wieder. Wir werden uns straffen.“

Andrew Wooten zurück in der Startelf

Die Gastgeber begannen wie zuletzt in Aachen (2:4) und Gelsenkirchen (Abbruch bei 0:1). Mit einer Ausnahme: Andrew Wooten rückte nach überstandenem Muskelfaserriss direkt in die Startelf – auch weil Henok Teklab sich am Morgen krank meldete. Thorben Deters, auf Schalke zentrale Spitze, ging damit auf die linke Bahn. Die Siegerländer traten nicht nur mit Julian Schauerte an, der von 2019 bis 2022 Kapitän beim SCP war, sondern brachten auch Nico Brandenburger aufs Feld, der 2019/20 eine Serie lang an der Hammer Straße kickte.

Trotz der geballten Erfahrung bei den Gästen (auch Keeper Robert Jendrusch, Markus Pazurek, Lukas Scepanik und Lars Bender waren lange höherklassig am Ball) verschanzten sie sich in der eigenen Hälfte und lauerten allenfalls auf Konter. Münster hielt mit Spielfreude dagegen und wäre beinahe belohnt worden: Simon Scherder köpfte eine Flanke von Alexander Langlitz aber nur an den Außenpfosten (7.). Dennis Grote legte gleich aus der Distanz nach und prüfte Jendrusch (9.). Allein fünf Ecken in den ersten elf Minuten zeichneten ein klares Bild.

SCP-Führungstor auf doppelt ungewöhnliche Weise

Mit der Zeit stellte sich Kaan-Marienborn aber immer besser auf den Preußen-Aufbau ein, lief viele Lücken frühzeitig zu und verhinderte so gewinnbringende Kombinationen. Mit dem ersten eigenen Angriff zwangen die Außenseiter aber gleich SCP-Keeper Max Schulze Niehues zu einer Reaktion. Alexander Hahn ließ Daniel Hammel am Fünfer unnötig lange gewähren, bei dessen Abschluss fuhr der Torhüter aber rechtzeitig seinen Fuß aus (23.).

Die Partie lief nicht mehr nach Plan für den Favoriten, der fast immer den Ball hatte, aber kaum Raumgewinn erzielte. Umso bedeutsamer war dann die plötzliche Führung. Und die fiel auf doppelt ungewöhnliche Weise. Scherder flankte einfach mal aus dem Halbfeld an den langen Pfosten, wo sich Shaibou Oubeyapwa, der kleinste Akteur auf dem Rasen, im Rücken von Schauerte davongestohlen hatte und per Kopf unter Mitnahme des Innenpfostens das 1:0 erzielte (32.). Die Lösung des Platzproblems war in diesem Moment ganz simpel.

Hektik in den Minuten vor der Pause

Die Käner antworteten mit einem Schuss von Derrick Kyere, der knapp vorbeistrich (34.), und wagten sich nun etwas mehr nach vorn. Die Minuten vor der Pause wurden hektisch und nickelig. Immer häufiger ergaben sich Chancen zum Gegenstoß für Preußen. Doch noch blieben sie aufgrund kleiner Ungenauigkeiten oder Pech ungenutzt. Auf der anderen Seite hatte Schulze Niehues mit einem Freistoß von Mats-Lukas Scheld ein paar Probleme (43.).

Der Trend der letzten Minuten vor dem Wechsel setzte sich mit Wiederanpfiff fort. Kaan-Marienborn war nun vermehrt im Aufbau gefordert. Trotzdem hielt die Deckung des Spitzenreiters, nach und nach erarbeiteten sich die Münsteraner wieder ein Übergewicht. Sie hatten den Laden im Griff, zur Beruhigung aber fehlte noch das zweite Tor. Zwingende Szenen waren Mangelware. Wooten hatte nach gut einer Stunde Feierabend und wurde durch Gerrit Wegkamp ersetzt. Das veränderte ein bisschen die Statik, mehr auch nicht. Der Gast scheute noch das Risiko, die Preußen fanden weiter nur bedingt zu gezielten Abschlüssen. Thomas Kok kam für Deters und sollte die Defensive weiter festigen. Die Siegener blieben harmlos. Es war eine zweite Hälfte fast ohne Torannäherungen. Bis zur 80. Minute. Da schickte Dennis Grote filigran Oubeyapwa auf die Reise. Doch allein vor Jendrusch verzog er um etwa 30 Zentimeter. Das war die Chance zur Entscheidung. Die hatte auch Wegkamp nach einer Flanke von Debütant Dildar Atmaca (82.), sein Kopfball verfehlte den Kasten knapp.

1:1 – und keiner wusste, wie das passieren konnte

Diese verpassten Gelegenheiten rächten sich bitter. Schauerte, ja ausgerechnet Schauerte, traf die Münsteraner mitten ins Herz. Die ansonsten geradezu trägen Versuche des Aufsteigers vermittelten offenbar ein zu sicheres Gefühl. Eine mäßig geklärte Flanke landete auf dem Schlappen des Ex-Preußen, der aus 16 Metern volley draufhielt und Schulze Niehues sehenswert überwand (86.). 1:1 – und keiner wusste, wie das passieren konnte. "Es tat schon weh", sagte der Torschütze. Dass er nicht jubelte, verstand sich von selbst. "So ist Fußball. Wahrscheinlich bleibt das mein einziger Saisontreffer." Ja, es war Schauerte, der diesmal auch Kaans Binde am Arg trug (statt Pazurek), etwas unangenehm. 

Mit Mühe legten die Hausherren den Schalter noch mal um. Armin Pjetrovic wäre fast ein Eigentor unterlaufen (90.+3), Atmaca (90.+4) und Alexander Hahn (90.+5) köpften noch aufs Tornetz, doch das war’s. Und schwupps gingen auch diese zwei Punkte flöten. 

Dennis Grote

Routinier Grote sagte: „Wir sind allein dafür verantwortlich, dass das Spiel unentschieden ausgegangen ist. Wir haben es verpasst, frühzeitig das zweite Tor zu schießen. Hinten raus fehlten Cleverness, Ruhe, Abgezocktheit, um den Ball in den eigenen Reihen zu behalten.“ Ein schmerzhafter Nachmittag war's allemal. Und eine abermalige Enttäuschung für den Tabellenersten.

SCP: Schulze Niehues – Langlitz, Scherder, Hahn, Lorenz – Grote – Remberg, Bouchama – Oubeyapwa (81. Atmaca), Wooten (62. Wegkamp), Deters (74. Kok)

Kaan: Jendrusch – Schauerte, Pjetrovic, Bender, Scepanik – Brandenburger, Pazurek – Kyere (87. Hoffmann), Scheld (72. Waldrich), Wirtz (90.+1 Tomas) – Hammel (80. Alajbegovic)

Schiedsrichter: Tarik Damar (Bonn)

Tore: 1:0 Oubeyapwa (32.), 1:1 Schauerte (86.)

Zuschauer: 6631

Gelb: Hahn / Brandenburger, Hammel

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