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90 Jahre Fußball im Radio

Erste Radio-Schalte aus Münster fiel fast ins Wasser

Münster

Vor genau 90 Jahren übertrug die Westdeutsche Funkstunde erstmals in Deutschland ein Fußballspiel live im Radio - aus Münster. Bis heute hat die Fußballreportage nichts von ihrer Faszination verloren.

Bernadette Winter, dpa

Ein Mikrofon hängt am 1.11.1925 bei der ersten Radio-Übertragung des Fußballspieles hinter dem Tor. Das historische Spiel verlor Preußen Münster übrigens deutlich mit 0:5, aber die Fußballreportage war seither nicht mehr aus den Radio-Programmen wegzudenken. Foto: WDR/dpa

Am 1. November 1925 spielt nur die „Provinzklasse“ - der SC Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld. Und doch geschieht im westfälischen Münster etwas Epochales. Schließlich soll hier die erste deutsche Fußball-Live-Berichterstattung über den Äther gehen. Alles ist sorgfältig vorbereitet worden.

Für die Radio-Premiere wurde extra eine Kabelleitung vom Funkhaus zum Preußen-Stadion über knapp drei Kilometer verlegt. Das Mikrofon haben die Techniker dicht hinter dem Tor aufgehängt - nur geschützt durch ein kleines Hockeytor, „damit der Schlachtenlärm der Kämpfer die Atmosphäre noch besser belebe“, wie es Reporter Bernhard Ernst später in seinem Buch „Rund um das Mikrofon“ formulierte.

Verhängnisvoller Übereifer

Doch als der Journalist seine wohlüberlegten ersten Worte spricht, hört das Publikum - nichts.Wie sich später herausstellte, hat ein „diensteifriger Postmann“ vor dem Spiel dem Kabelschacht in der Stadt „einen Besuch abgestattet“ und die mühsam verlegte Leitung „aus den Fugen gebracht“.

Dass der Spielbericht trotzdem in die Geschichtsbücher eingeht, ist der Geistesgegenwart eines Technikers zu verdanken, der Bernhard Ernst kurzerhand das Telefon in die Hand drückt, das eigentlich zur Verständigung mit dem Funkhaus vorgesehen ist. Das historische Spiel von 1925 verliert Gastgeber Preußen Münster deutlich mit 0:5, aber die Fußballreportage ist seither nicht mehr aus den Radio-Programmen wegzudenken. An den Moderator erinnert heute ein Straßenname.

WDR lässt sich in Münster nieder

Ein Jahr zuvor im Oktober 1924 hatte die Westdeutsche Funkstunde AG in Münster ihren Betrieb aufgenommen und sendete fortan auf der Mittelwelle-Frequenz 410. Das Rheinland und das Ruhrgebiet waren als Folge des Ersten Weltkrieges von alliierten Truppen besetzt, der Betrieb von Rundfunkanlagen war dort verboten.

So fand der Sender seinen Sitz im nahe gelegenen Münster.Um legal Radio zu hören, musste man sich bei der Post als technischer Dienstleister registrieren lassen und erhielt eine „Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Funkempfangsanlage zum Privatgebrauch“.

Nach Angaben des Westdeutschen Rundfunks (WDR) kostete ein Röhrenradio damals um die 400 Reichsmark, ein einfacheres Detektorgerät mit Kopfhörern 70 Mark, zuzüglich Rundfunkgebühren von zwei Mark pro Monat. Bei einem Verdienst von 88 Pfennig pro Stunde war das eine Menge Geld. Manch einer bastelte sich da lieber ein eigenes Gerät, was jedoch von der Post unter Androhung von Gefängnisstrafe streng geahndet wurde.

Das neue Medium fand nichtsdestotrotz schnell seine Anhänger. Gab es im Oktober 1924 noch rund 6000 Empfangsgeräte, waren es im Dezember laut WDR schon rund 14 000.

Bundesliga-Konferenz der Gegenwart

Heute schalten bis zu acht Millionen Hörer nach Auskunft des Kölner Senders regelmäßig samstags in die Bundesliga-Konferenz der ARD ein, die vom WDR produziert wird. Wer sie hören will, braucht nicht einmal ein Radio. Der Empfang ist heute auch über den Computer möglich.Die Berichte der Reporter werden via Übertragungswagen vor den Stadien und einer Datenleitung („Audio over IP“) übermittelt.

„Wir sind so dicht dran und die Schalte ist so hochemotional, es gibt nichts Tolleres als Teil dieser Konferenz zu sein“, sagt „WDR 2“-Sportredakteur Holger Dahl. „Und dabei mache ich eigentlich denselben Job, den der Kollege Ernst in Münster vor 90 Jahren gemacht hat.“Wie für viele andere Fußball-Fans ist auch für Holger Dahl die Fernsehübertragung des WM-Finales Deutschland gegen Ungarn von 1954 Kult.

Die Kult-Übertragung

Die berühmten Worte des Radioreporters Herbert Zimmermann („Aus! Das Spiel ist aus!“) vergisst so schnell niemand. Doch war es eigentlich der Radiopionier Bernhard Ernst, der die Fernsehbilder des „Wunders von Bern“ live im TV kommentierte. Das Tonmaterial wurde jedoch nicht aufgezeichnet, so blieb nur die Hörfunk-Reportage von Zimmermann erhalten.

Zusammengeschnitten mit den Bildaufnahmen haben sich die Worte dieser Radioreportage ins nationale Gedächtnis eingebrannt: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt - Tor! Tor! Tor!“

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