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Fußball: Regionalliga West

Jannik Borgmann: Purer Stolz nach Siegtreffer in der Nachspielzeit

Münster

Saisonstart nach Maß für den SC Preußen Münster. Mit dem Treffer von Jannik Borgmann in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Alemannia Aachen unterstrich der Fußball-Regionalligist seine Ambitionen für die neue Saison. 4104 Zuschauer waren jedenfalls angetan von den „neuen Adlerträgern“.

Von Alexander Heflik

Das gab es lange nicht mehr: Die Preußen-Anhänger auf der Gegengerade feiern mit ihren Fans den Heimsieg über Aachen mit dem Torschützen Jannik Borgmann (3. von rechts) Foto: Jürgen Peperhowe

Besser geht es nicht zum Auftakt. Die Dramaturgie hatte es in sich. Es durfte nach 90 Minuten keinen anderen Sieger geben als den SC Preußen Münster. Zu viel hatte der Fußball-Regionalligist investiert, Chancen in Hülle und Fülle herausgespielt, den Gegner mit zunehmender Spieldauer immer mehr bedrängt, beherrscht und in die Defensive gezwungen. Nur nach 90 Minuten hielt Alemannia Aachen das 1:1 vor immerhin 4104 Zuschauern. Das war glücklich, vielleicht wurde die kämpferische Einstellung der Gäste belohnt, vielleicht stand die Chancenverwertung der Preußen in der Kritik. Wäre da nicht Jannik Borgmann gewesen.

Henok Teklab mutig

Die dritte Minute der Nachspielzeit war im vollen Gange, Münsters letzter Angriff auf der linken Seite stand an, der gerade erst eingewechselte Henok Teklab dribbelte mutig in den Strafraum. Den Rest besorgte Borgmann, ein 23 Jahre alter Defensivexperte, eher unerkannt als beidfüßiges Offensivtalent. Der Linksfuß bekam den Ball, sah den Weg versperrt, gelungene Körpertäuschung und mit dem schwächeren rechten Fuß schoss er gekonnt ins lange Eck. Der Deckel auf dem Preußenstadion hob ab wie der eines Schnellkochtopfes unter maximalem Druck. Boooom. Die Preußen hatten das Heimspiel gegen Aachen doch noch gewonnen, auf den letzten Drücker – praktisch der schönste aller möglichen Heimsiege.

Borgmann, der erst durch die Verletzung von Marvin Thiel in die Abwehrkette gerutscht war, hatte sich im Laufe einer spektakulären zweiten Halbzeit immer weiter nach vorne orientiert. Klassischer Verteidiger, halber Mittelfeldspieler, offensiver Linksaußen, dann noch Stürmer „in der Box“. Was für eine Entwicklung an diesem Tag. Sein viertes Tor im 40. Punktspiel für den SCP war – na klar – das schönste.

Wozu hat man den rechten Fuß?

„Er hatte ja schon vor der Pause eine Chance, wo er den Ball besser auf den rechten Fuß gelegt hätte“, befand Trainer Sascha Hildmann nach der Partie. Und: „Das habe ich ihm auch in der Halbzeit gesagt.“ Mitspieler Simon Scherder wollte es gar nicht glauben, dass Borgmann mit dem rechten Fuß stilistisch einwandfrei getroffen hatte: „Ich hatte ja gedacht, das rechte Bein hat er nur, um nicht umzufallen.“ Münsters Abwehrchef sah aber auch etwas anderes: „Wir haben uns weiterentwickelt und können solche Spiele auch so spät gewinnen. Es durfte keinen anderen Gewinner geben.“ Jo.

Zum Saisonstart unterhielt der SCP, eine Woche nach der hervorragenden Pokalpartie gegen den VfL Wolfsburg, erneut prächtig. Den 0:1-Rückstand durch Tjorben Uphoff, als eine von Christian Gartner getretene missglückte Ecke irgendwie durch die komplette SCP-Abwehr rutschte und dann auch noch zwischen Pfosten und Jules Schwadorf in die Maschen trudelte, konterte Thorben Deters nach 40 Minuten mit einem lässigen Schlenzer zum 1:1.

Dauerdruck für Aachen

Nach dem Wechsel spielte nur noch der SCP. Aachen, so etwas wie ein Geheimfavorit, kam kaum noch zum Atmen. „Wir haben alles auf eine Karte gesetzt. Ich wäre auch beim 1:1 mit meiner Mannschaft zufrieden gewesen“, erklärte Trainer Sascha Hildmann. Aber der Last-Minute-Sieg fühlte sich dann doch um Klassen besser an. Nach sechs, sieben hochkarätigen Chancen und einem Pfostentreffer von Julian Schauerte, wurde der aufgewühlte Anhang um 16.14 Uhr fast schon in Ekstase versetzt. Ja so spät, weil die Aachener noch am Morgen mit einem Getriebeschaden am Bus am Kamener Kreuz festsaßen – erst um 13.35 Uhr Münster erreichten. Der Anpfiff erfolgte erst um 14.25 Uhr.

„Das erste Spiel einer Saison ist so wichtig für den Verein, die Spieler, die Zuschauer, so unfassbar wichtig“, erkannte Hildmann den Wert dieser Art des Sieges. Das könne eine Mannschaft durch die Saison tragen, Scherder sprach zudem von dem Zeichen an die Konkurrenz. Nervenaufreibend war die Partie gewesen, vieles stimmte, der eigenen Anhang war durchweg angetan. Hildmann jedenfalls, als alle Frage beantwortet waren, sagte nur: „Dann geh ich jetzt mal ein Bier trinken.“ Geschafft wirkte er schon.

Drei Fragen an Jannik Borgmann

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