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Fußball: Junioren-Bundesliga

Stundenlange Zugfahrt hat Ende: Preußens Ukrainer wird in Münster heimisch

Münster

Aus Sicht des Preußen-Nachwuchses gab’s am Wochenende wenig Erfreuliches. Die U 19 stellt nach vier Pleiten „alles auf null“ – für einen Lichtblick aber sorgte die U 17 und einer, der endlich spielberechtigt ist.

Preußen Münsters U-19-Coach Tobias Harink stellt beim Schlusslicht nach vier Niederlagen in der einmonatigen Liga-Pause „alles auf null“.  Foto: Imago/Kirchner-Media

Auf seine ersten 45 Minuten im Dress von Preußen Münster hat Offensivspieler Kyrylo Novokreshchenov lange gewartet. Der U-17-Spieler aus der Ukraine besitzt nach seinem Einstand gegen Paderborn (2:2) noch ein Alleinstellungsmerkmal – denn weder seine Mitspieler Daniil Golovachev und Maksim Danilyuk noch seine für Preußens A-Junioren gemeldeten Landsleute Danil Krevsun und Danylo Getman haben Spielberechtigungen vorliegen.

Novokreshchenov, zuletzt am Ball vor rund einem Jahr für Shakhtar Donezk, reiste am Tag vor dem Pflichtspiel aus Andernach im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz per Zug nach Münster – die rund dreistündige Anreise hatte er seit Wochen auf sich genommen. „Mit dem 9-Euro-Ticket war das finanziell machbar“, sagte Trainer Moritz Glasbrenner mit Blick auf die Kosten.

Das Ticket ist bekanntlich Geschichte, die Freitagfahrt zahlte der Club dem Youngster. Untergebracht wurde er auf die Schnelle in Münster bei einem der ukrainischen U-19-Spieler. Die Zusammenarbeit regelten die Preußen sehr unkompliziert, ebenso organisierten sie Sprachkurse für die fünf Ukrainer.

Lange Zugfahrten sind bald Geschichte

Im Training helfe, sagt Glasbrenner, „eine sehr schnelle Auffassungsgabe“ der Neuzugänge über die noch existierende Sprachbarrieren hinweg. „Die schauen sich einmal an, was geübt werden soll, und setzen das direkt um.“ Er ist ­sicher, dass die Junioren den Preußen weiterhelfen können. Ebenso wie der Verein ihnen hilft, sich weit weg vom Kriegsschauplatz ein Stück Normalität zu schaffen.

Jetzt hofft Glasbrenner, dass auch Golovachev, dessen vertragliche Situation bei Shakhtar Klärung bedurfte, und Danilyuk, bei dem die Aufenthaltserlaubnis verlängert werden musste, in Kürze kicken dürfen. Manches zieht sich in der Bürokratie, zumal hier zwei Länder sowie Dach- und Landesverbände beteiligt sind und miteinander kommunizieren müssen.

Erfreulich für die U 17 von Preußen Münster: Kyrylo Novokreshchenov (Foto rechts) erhielt als erster Ukrainer seine Spielerlaubnis. Foto: Thomas Austermann

Immerhin: Die zeitfressenden Zugfahrten bleiben Novokreshchenov ab Mitte des Monats erspart. Dann bezieht er gemeinsam mit seiner Mutter eine Wohnung in Münster.

Bundesliga-Videos sollen U19 beflügeln

Die bereits erwähnten Landsleute Krevsun und Getman gehörten am Samstag zu den neun Ausfällen, die die U 19 beim Gastspiel in Mönchengladbach verdauen musste – aber letztlich nicht konnte. Das 0:5 war die vierte Pleite im vierten Spiel. Die Lage spitzt sich zu: Fast ein Drittel der Partien in der einfachen Runde ist rum, fünf Teams steigen am Ende ab – immerhin hat der Tabellenletzte aus Münster nur vier Punkte Rückstand aufs rettende Ufer.

Das nächste Bundesliga-Spiel findet aufgrund der EM-Qualifikation der U-19-Nationalmannschaft und von Länderspielen der U 18 erst Anfang Oktober statt. „Wir werden die Zeit nutzen“, sagt Preußen-Coach Tobias Harink. Ab Mittwoch hat er seinem Team vier Tage frei gegeben, anschließend wird „alles auf null gestellt. Keiner hat seinen Stammplatz sicher“, wie der Coach erklärt.

Vor allem in Sachen Mentalität hat Harink Verbesserungspotenzial ausgemacht, einfach anzugehen ist das Thema aber freilich nicht. Die Preußen setzen unter anderem auf Best-Practice-Beispiele, zeigen ihrem Nachwuchs Videos der Bundesliga-Profis von Werder Bremen oder dem 1. FC Köln. „Die Teams sind aktuell die besten Beispiele: Sie glänzen nicht durch Individualisten, sondern als Einheit und lassen sich auch von Rückschlägen nicht umwerfen“, sagt Harink. Eigenschaften, die an der Hammer Straße jetzt dringend benötigt werden.

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