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Fußball: Regionalliga West

„Laufwunder“ Wegkamp trifft für die Preußen zum Sieg über RW Essen

Münster

Gerrit Wegkamp folgte dem Ex-Preußen Dennis Grote auf Schritt und Tritt. Und dann war Wegkamp auch noch nach Vorarbeit von Joel Grodowski in seiner Profession als Mittelstürmer zur Stelle und traf. Preußen Münster gewann den West-Schlager in der Fußball-Regionalliga deshalb mit 1:0 gegen RW Essen. Wegkamp sei Dank.

Alexander Heflik

Große Freude nach dem Führungstreffer der Preußen durch Gerrit Wegkamp. Foto: Jürgen Peperhowe

Preußen Münster hat Aufstiegskandidat RW Essen die Grenzen aufgezeigt. Das Team von Trainer Sascha Hildmann gewann das Rückspiel in der Regionalliga West mit 1:0 durch das zweite Saisontor von „Laufwunder“ Gerrit Wegkamp nach 46 Minuten. In einer Partie auf Biegen und Brechen überzeugte der SCP auf ganzer Linie. „Wir wollten Essen das Spielerische nehmen, das ist uns gelungen. Aus einem starken Team hebe ich Gerrit Wegkamp und Max Schulze Niehues hervor.“ Das sagte Trainer Sascha Hildmann. Seine Mannschaft ist in diesem Jahr noch ungeschlagen, holte 19 von 21 Punkten – und erlegte nun erstmals eine Topmannschaft der Regionalliga.

Trainer Hildmann rotierte tatsächlich, und mit Kapitän Julian Schauerte und Mittelfeld-Regisseur Joshua Holtby spülte es zwei Stammkräfte aus der Startelf. Der SCP-Coach baute um auf eine Dreierkette in der Abwehr, und somit war der Niederländer Roshon van Eijma erste Wahl. Zudem durfte im 3-4-3 in der Offensive Joel Grodowski auf der rechten Seite ran. Bemerkenswert war, dass es zum Beispiel Okan Erdogan als Defensivspezialist nicht einmal ins Spieltagsaufgebot geschafft hatte.

Schock: Schwadorf verletzt

Erster Schock für die Preußen gleich zu Beginn: Jules Schwadorf verletzte sich am hinteren rechten Oberschenkel und musste nach 14 Minuten bereits raus, Julian Schauerte ersetzte ihn, Alexander Langlitz rückte weiter nach vorn. Als der SCP in Unterzahl agierte, hatte Felix Backszat die erste große Chance für die Gäste. Torwart Max Schulze Niehues klärte glänzend. Es war Essens erste Offensivaktion in einer Anfangsphase, in der sich der SCP mit offensiver Verteidigung in Szene zu setzen versuchte. RWE war kurzzeitig beeindruckt.

Es war ein besonderes Spiel, weil zum Beispiel Münsters Mittelstürmer Gerrit Wegkamp als Nebenbeschäftigung dem Ex-Preußen Dennis Grote, zentraler defensiver Mittelfeldspieler von RWE, überall hin auf dem Platz folgte. Das neue „Laufwunder“ der Preußen. Damit fehlte er oft an der Stelle, wo er sich am wohlsten fühlt, in der Sturmmitte, zog aber gleichzeitig Grote den Nerv. Dennoch hatte Wegkamp zudem auch den einen oder anderen Schussversuch. Und einmal hofften die Preußen auf einen Elfmeterpfiff, als Essens Kevin Grund von hinten im Strafraum Langlitz zu Fall brachte. Münsters Offensive war bemüht, schaffte aber zu wenig Gefahrenherde „in der Box“.

Anders die Rot-Weißen. Cedric Harenbrock (30.) hatte die Chance zur Führung, Schulze Niehues klärte. Wenig später war der SCP-Schlussmann schon geschlagen, als Harenbrock den Pfosten traf, den Nachschuss aus bester Lage schob Backszat (38.) am Tor vorbei. Und keiner hätte sich über den Rückstand beschweren können, als Münsters Schauerte einen Kopfball von Alexander Heber auf der Linie klärte. Die Antwort der Preußen in der Nachspielzeit war eine Flanke von Joel Grodowski, die RWE-Verteidiger Heber wiederum von der Linie köpfte. 0:0 zur Pause, die Hausherren waren gut bedient damit.

Die Rollen war verteilt. Oder auch nicht.

Wegkamp trifft

35 Sekunden nach Wiederanpfiff führte der SCP plötzlich, weil Grodowski auf der linken Seite das Laufduell gegen Heber eindrucksvoll gewann und in den Rücken der Abwehr passte. Wegkamp wartete und schob gelassen ein. Münster führte und stellte die Verhältnisse schon auf den Kopf. Wegkamp: „Das meiste an diesem Tor gehört Joel. Obwohl es nicht immer einfach ist, den Ball noch im Tor unterzubringen.“

Essen agierte nicht geschockt und drängte weiter, zog schon früh drei Karten von der Reservebank. Gerade mit Isiah Ahmad Young brachte RWE noch mehr Tempo ins Spiel. Die Preußen hofften ihrerseits auf Konterchancen. Der Platz, er war früh in einem bedauernswerten Zustand, tat das seine dazu, dass das dann eine echte Fußball-Schlacht wurde. Essen wollte nicht nur einen Punkt, RWE wollte die Partie drehen, der SCP dagegen den West-Schlager mal wieder gewinnen – und damit Borussia Dortmund II im Aufstiegsrennen in die Karten spielen. Wobei sich der BVB beim Gastspiel zu diesem Zeitpunkt, als der SCP mit 1:0 führte, bei RW Ahlen abmühte und auch nicht über ein 0:0 hinauskam, später war es dann ein 1:1. Nichts war entschieden, weder in Münster noch in Ahlen, als noch 20 Minuten zu spielen waren. Spannung pur.

Alles Kampf

Es ging nur noch um Kampf, um Einsatz, Zweikämpfe, spielerische Komponenten fielen weitestgehend unter den Tisch. Essen drängte, hatte aber kaum Chancen. Ein Freistoß von Marco Kehl-Gomez war noch die beste Chance, da waren bereits 75 Minuten vorbei. Auf der Gegenseite fand der SCP kaum mal einen Moment der Entlastung. Alles sehr intensiv, die Spannung war hoch, schaffte der SCP den Sieg über Essen? Die Revanche für die 0:1-Hinspielniederlage? „Man sieht sich“, hatte SCP-Coach Hildmann damals angekündigt, gefrustet von der Niederlage und einem aus seiner Sicht gewissen Essener Hochmut. Das schrie nach Rache.

Erneut war es Kehl-Gomez (80.), der gefährlich im Preußen-Strafraum auftauchte, wenig später bereinigte Münsters Abwehrchef Simon Scherder ein Gewühl mit einem Befreiungsschlag. Dann prüfte Oguzhan Kefkir wieder einmal Schulze Niehues. Schließlich wollte RWE einen Elfmeter, Scherder soll der Ball entsprechend an die Hand gesprungen sein. Das war in der Tat so. Essen schnürte die Hausherren fast ein – bis auf den Konter, der sich Langlitz bot, er scheiterte allein vor Davari. Das 2:0 war so nah, es war die beste Möglichkeit dieser zweiten Hälfte gewesen. Auf beiden Seiten.

Kein Elfer für RWE

Brauchte es dieses zweite Tor der SCP überhaupt noch? Essen kam mit Wucht, aber ohne jede Präzision, die Hausherren verteidigten alles weg. Noch eine Ecke für RWE. Geklärt. Drei Minuten Nachspielzeit. Da fiel Essens Angreifer Young im Strafraum, van Eijma lief ihm hinterher, Schiedsrichter Martin Ulakiewicz, der die beiden Mannschaften an der langen Leine ließ, zeigte nicht auf den Punkt. In einer vergleichbaren Szene hatte er das beim SCP auch nicht gemacht. Aber auch das sei vermerkt, ein Handspiel von Scherder im Strafraum ignorierte der Referee, der SCP hatte das Glück förmlich erzwungen. So reichte das, der SCP schaukelte den West-Schlager nach Hause, Essen hatte zu wenig aus seinen Chancen gemacht, eigentlich gar nichts. Dieser Sieg tat Münster gut, er hätte eine stattliche Zuschauerzahl verdient gehabt, Regionalliga-Fußball der Spitzenklasse.

Münster: Schulze Niehues – Hoffmeier, Scherder, van Eijma – Langlitz, Remberg, Daube, Frenkert (73. Heidemann) – Schwadorf (14. Schauerte), Wegkamp, Grodowski (85. Borgmann). – Trainer: Hildmann – Ersatzbank: Dedovic (Tor), Holtby, Klann, Bindemann.

Essen: Davari – Heber, Hahn, Grund (46. Herzenbruch) – Kehl-Gomez, Grote, Backszat, Kefkir – Lewerenz (59. Young), Engelmann, Harenbrock (46. Platzek) – Trainer: Neidhart – Ersatzbank: Golz (Tor), Behounek, Neuwirt, Hildebrandt

Tor: 1:0 Wegkamp (46., Pass Grodowski). – Schiedsrichter: Ulankiewicz (Oberhausen). – Gelbe Karten: - / Hahn.

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