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Fußball: Regionalliga West

Preußen bauen nach Wegkamps Elfmetertor in Wiedenbrück ab

Wiedenbrück

Der SC Preußen Münster bleibt in diesem Jahr ungeschlagen. Allerdings reichte es nur zum enttäuschenden 1:1 beim SC Wiedenbrück. Gerrit Wegkamps Führungstreffer per Strafstoß konnte nicht konserviert werden. Das größte Problem der Schützlinge von Trainer Sascha Hildmann mal wieder: Chancenwucher.

Alexander Heflik

Marcel Hoffmeier fälscht den Freistoß von Oliver Zech ab. Foto: Jürgen Peperhowe

Nun ist das kein Genickbruch für die Ambitionen des SC Preußen Münster. Aber eigentlich, und das spricht für den Fußball-Regionalligisten, sind die Ansprüche in den vergangenen Wochen und Monaten wieder gewachsen. Es soll schon konstant mehr als nur gutes Niveau sein. Was die Mannschaft von Trainer Sascha Hildmann im Jahr 2021 mit einer Serie von sieben Spielen ohne Niederlage und sechs Siegen durchaus unterstrich. Das 1:1 (0:1) beim SC Wiedenbrück war, wie schon das 1:1 bei den Sportfreunden Lotte, eine gefühlte Niederlage, der Punkt nur ein Trostpflaster.

Schleppender Start

„Die ersten zehn Minuten waren nicht gut. Dafür haben wir es bis zur Pause dann richtig gut gemacht“, befand Hildmann. Nach nur wenigen Sekunden hatte ein Stellungsfehler von Simon Scherder den Hausherren durch Niklas Szeleschus fast den Rückstand beschert, ehe sich die Gäste Stück für Stück die Hoheit auf dem Spielfeld erkämpften. Die Chancen waren zudem exklusiv für die Preußen, wieder einmal gingen sie verschwenderisch damit um durch Lukas Frenkert (10.), Alexander Langlitz (23.) und Joel Grodowski (24.). Wirklich Handverlesenes war das.

Drei Fragen an Gerrit Wegkamp

Der Führung ging ein blitzgescheiter Angriff voraus. Auf der linken Seite gab Frenkert seinem schnellen Angreifer Grodowski das klare Kommando, sich schon mal mit dem Sprint in die Tiefe zu befassen. Den weiten Eröffnungsball von Scherder köpfte Frenkert maßgerecht in Grodowskis Lauf, der von Oliver Zech nur per Foulspiel und erst im Strafraum gestoppt werden konnte. Wer sonst als der neue Anführer der Preußen, Gerrit Wegkamp, trat an – und traf. Fragen? Keine. Alles lief für den SCP. 37 Minuten waren da rum.

SCP als Bettler

Kapitän Julian Schauerte fasste die Wende hinterher so zusammen: „Wir haben uns nach der Pause zu passiv angestellt und um den Ausgleich förmlich gebettelt. Wenn man seine Chancen nicht nutzt ...“

Das ist die Krux an der Sache, der Chancenwucher. Vielleicht aber auch, dass der SCP nicht an das intensive Level des Spitzenspiels gegen RW Essen (1:0) in allerletzter Konsequenz anknüpfte. Das alles war nicht schlecht, sehr ordentlich, keinem konnte man fehlenden Einsatzwillen nachsagen. Nur das Resultat stimmte nicht.

Daube in Top-Form

Dennis Daube ist weiter auf dem Vormarsch beim SC Preußen. Der 31 Jahre alte Zugang vom KFC Uerdingen, der schon in der 2. Bundesliga (147 Einsätze) gespielt hat, macht gerade eine durchwachsene Hinrunde vergessen. Daube knüpfte gegen Wiedenbrück an die Leistungen aus der Partie gegen Essen an. „Wir hatten die Spielkontrolle“, meinte der zentrale defensive Mittelfeldspieler, der erneut stark war. Aber, und das sagte er kopfschüttelnd: „Wir haben uns nach der Pause den Schneid abkaufen lassen. Wir hatten die Spielkontrolle. Aber unsere Chancenverwertung lässt zu wünschen übrig.“ Nach 15 Einsätzen wartet Daube allerdings auch noch auf sein erstes Saisontor.

Die Wiedenbrücker machten in einer äußerst aggressiven und bissigen zweiten Halbzeit das, was Münster auch gegen RWE geschafft hatte. Sie kratzten aus der letzten Ecke und Fuge das letzte Fitzelchen Leidenschaft zusammen und erzwangen das 1:1. Einen Freistoß von Oliver Zech nach 74 Minuten lenkte Marcel Hoffmeier mit der linken Schulter unhaltbar für Torwart Max Schulze Niehues ins eigene Tor. „Das passte zum Spiel. Nach 50 Minuten hätten wir mit 2:0 führen müssen“, so Abwehrchef Scherder. Dann kassierte Münster das 1:1 durch eine „abgefälschte Scheiß-Kartoffel“, wie es Hildmann nannte.

„Was hätten sie gemacht?“

Er hatte vielleicht auch zu spät auf die wilden Wiedenbrücker reagiert. „Was hätten Sie gemacht“, fragt er launisch nach der Partie in die kleine Journalistentraube hinein. Nun gut, hier die Antworten: Vielleicht den nach einer soliden Halbzeit dann sehr „wackeligen“ Roshon van Eijma aus der Abwehr herausgenommen oder früher Mittelfeld-Regisseur Joshua Holtby gebracht.

Hildmann bleibt beim 3-4-3

Trainer Sascha Hildmann setzte erneut auf ein 3-4-3-System, mit dem das Spitzenspiel gegen RW Essen 1:0 gewonnen wurde. Einzig Jules Schwadorf, der nach 14 Minuten gegen RWE verletzt ausgewechselt wurde, fehlte. Julian Schauerte war logischerweise im Mittelfeld erste Wahl, er bildete mit Alexander Langlitz davor die rechte Seite. Nach der Pause wechselte Hildmann erstmals nach 71 Minuten und veränderte da auch die Statik seines Teams. Er stellte auf eine Viererkette um, damit sollte Wiedenbrücks Angriffsschwung Einhalt geboten werden. Und er versuchte im Mittelfeld durch Joshua Holtby neuen Schwung in die Offensivaktionen zu bekommen. Es gelang nicht.

Der übermotivierte Joker wollte am Ende alles auf einmal, seine Mannschaft mitreißen, mit seinen Pässen das Spiel auf- und mit gelungenen Aktionen seine persönliche Mauer des Frustes einreißen. Natürlich rettet man nicht in 19 Minuten die Fußballwelt. Holtby, der seinen Stammplatz aktuell verloren hat, wollte es nach seiner Einwechslung mit aller Macht beweisen. Es misslang, er stapfte sichtlich enttäuscht schnellen Schrittes vom Feld. Hildmann: „Das war nicht gut von ihm.“ Von einigen anderen Preußen im Übrigen nach der Pause auch nicht. Dieses Mal: Keinen Schritt vorangekommen, da muss die Lernkurve also wieder steigen.

PS: Für alle Tagträumer vom Aufstieg – Spitzenreiter Borussia Dortmund II ist elf Punkte enteilt, Essen auf sieben Zähler mit einem Nachholspiel in der Hinterhand. Ruhig Blut, alles gut.

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