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Fußball: Westfalenpokal

Preußen feiern Titel mit Sektduschen und Schlagermusik

Verl

Zum sechsten Mal hat Preußen Münster den Westfalenpokal gewonnen. Am Samstag gewann der Regionalligist mit 1:0 gegen die SF Lotte, die der SCP schon 2009 im Endspiel mit 3:1 nach Verlängerung bezwungen hatte. Anschließend begann eine ausgeprägte Sause nach einer langen Saison. Vom Team fiel gehöriger Druck ab.

Thomas Rellmann

Auf diesem Bild wirken die Preußen-Kicker und der gesamte Stab drumherum noch vergleichsweise aufgeräumt. Später ließen sie es dann richtig krachen. Foto: Jürgen Peperhowe

Das Feiern haben die Preußen auch in sieben titellosen Jahren nicht verlernt. Selbst wenn für den Triumph im Westfalenpokal diesmal nur zwei Siege nötig waren und das Ticket für die 1. Hauptrunde auf Bundesebene über die Liga längst gebucht war, brachen nach dem 1:0 (0:0)-Finalerfolg über die SF Lotte alle Dämme. Bereits mit dem späten Elfmetertor von Gerrit Wegkamp stand die ganze Delegation in der nickeligen Endphase noch mehr unter Strom. Der Jubel beim Abpfiff war bei den fünf vorangegangenen Erfolgen in dem Wettbewerb wohl nie größer. Nach einer brutal komprimierten Saison hat der SCP das selbst vor Wochen ausgerufene große Ziel erreicht. Erleichterung und Freude schlugen durch. Die kleine Durststrecke des Vereins endete an der Verler Poststraße, vom Team fiel eine Last ab.

Sportdirektor Peter Niemeyer

Die ersten Sektduschen ließen nicht lang auf sich warten. Siegershirts („Der Pokal hat unsere eigenen Gesetze“) waren ruckzuck übergestreift, Zeugwart Helge Dahms goss Trainer Sascha Hildmann eine Flasche Bier in den Nacken und bekam vom Team gleich die Retourkutsche, nämlich die Fontäne direkt aus dem Pott. Kein schlechtes Zeichen, wenn die Mannschaft so hinter dem Trainer steht. Jeder machte noch Bilder mit der Trophäe und seinen besten Kumpels in der Truppe. Als die offizielle FLVW-Zeremonie beendet war, ging’s mit lauter Schlagermusik vor der Verler Kabine weiter. „Die können hören, was sie wollen“, so der Coach aus der Pfalz zum Geschmack seiner Münsterländer Schützlinge. „Ich bin schmerzfrei.“

Grodowski bekräftigt: „Das war einer“

Mehrere Wochen hatte Joel Grodowski angeschlagen aussetzen müssen. Passend zum Saison-Höhepunkt meldete sich der 23-Jährige fit, kam zehn Minuten nach der Pause als Joker zum Zug und wurde vor dem entscheidenden Strafstoß von Jesse Tugbenyo gefoult. „Als die Verletzung passiert ist, war es sofort mein Ziel, in diesem Spiel wieder dabei zu sein. Dass ich dann noch den Elfer raushole, ist natürlich das i-Tüpfelchen. Und jetzt ist nur noch Feiern angesagt“, so der Angreifer, der im Sommer zum SC Verl in die 3. Liga wechselt. Die Lotter wollten den Pfiff natürlich nicht wahrhaben, doch Grodowski beharrte drauf. „Das war absolut berechtigt. Klar, ich suche immer den Kontakt. In zwei Szenen davor war das zum Beispiel so. Der Schiedsrichter hat dann auch sehr lange gezögert. Aber ich wurde dann unten getroffen. Wäre es nicht so gewesen, hätte ich das gesagt.“

Das galt für die 90 Minuten nur bedingt. „Ich bin ja Fußballjunkie, nehme immer lieber das knappe Ergebnis. Aber so ein Spiel nimmt mich schon mit“, betonte er. Der Außenseiter bot einen großen Fight, war giftig und schnörkellos. „Lotte war immer schon eine ekelhafte Mannschaft. Von außen war das sehr wild, auf dem Platz auch“, meinte Abwehrchef Simon Scherder. „Wenn man sich anstecken lässt und den Kopf verliert, wirkt vieles eben nicht mehr souverän.“

Julian Schauerte

Der immer besser werdende Ersatzkeeper Marko Dedovic bewahrte den SCP vor Rückständen mit Paraden gegen Bennet van den Berg (51., 57.) und Dino Bajric (82.). „Es war eine Teamleistung, alle haben gefightet. Gelegentlich darf auch der Torhüter etwas dazu beitragen“, sagte Dedovic bescheiden. Seine Losung: „Alles egal, jetzt geht’s nur ums Feiern.“ Auch bei Möglichkeiten für Luca Menke (18.), Leon Demaj (33., 53.), Bajric (38.), van den Berg (69.) und Jesse Tugbenyo (78.) fehlte nicht viel. „Gerade zu Beginn der Halbzeiten war spürbar, dass wir uns Druck gemacht haben“, sagte Hildmann, der früh wechselte und mit Joel Grodowski einen entscheidenden Faktor brachte. „Das Spiel stand auf der Kippe. Es mussten frische Leute her.“

Langlitz trifft den Pfosten

Alexander Langlitz hatte gegen seinen Ex-Club zweimal die Führung vor Augen (15., 21./Pfosten), Wegkamp (26.) ebenfalls. Oft gingen lange wie präzise Diagonalbälle von Marcel Hoffmeier oder Scherder voraus. „Wir mussten irgendwie reagieren, weil Lotte das Zentrum mit fünf Leuten massiv besetzt hatte“, erklärte Hildmann. Standards waren das andere Mittel. Kopfbälle von Nicolai Remberg (36, 62.) gingen drüber. Grodowski rauschte an einer Langlitz-Hereingabe vorbei (73.), für das Halten von Menke gegen Wegkamp gab’s keinen Strafstoß (74.) – für das Tugbenyo-Foul an Grodowski nach Hoffmeiers „abgerutschter“ Spieleröffnung schon. „Dann ist es am Ende ein Elfmeter“, sagte Scherdder mit der Gelassenheit, mit der Wegkamp mittig und halbhoch in der ehemaligen Problemdisziplin der Preußen vom Punkt traf (84.). „Spielerisch hatten wir gute Ansätze, aber wir haben oft Bälle verloren, waren zu unsauber“, analysierte Hildmann, ehe er in den Party-Modus wechselte und zwei freie Tage anordnete. „Es war der Deckel auf eine fast perfekte Rückrunde.“

Drei Fragen an Gerrit Wegkamp

Gerrit Wegkamp übernahm vom Punkt Verantwortung und schoss Preußen zum Titel in Verl.

Am Stadion angekommen, war für das Team eine kleine Überraschung vorbereitet. Spielerfrauen und Familien warteten schon. Mit Gremien und Club-Mitarbeitern klang ungeachtet des einen noch ausstehenden Spiels eine besondere wie kräftezehrende Saison im Rahmen der Verordnungen aus. Ein Begleitsong war offenbar auch schnell geschrieben. „Champions League kann jeder – scheiß’ auf 1. Liga – Westfalenpokalsieger SCP“ zur Melodie des „Donots“-Tracks „We’re not gonna take it“, der im Original von „Twisted Sister“ kommt. Vielleicht drückt der Inhalt ja ein bisschen die Gefühlslage vieler Fußballfans zumindest in Münster aus.

SFL: Peitzmeier – Lisnic, Menke, Tugbenyo, Yegenoglu – Bajric – Brauer, L. Demaj – Aydinel (59. Terzi), van den Berg (86. Ajkic), Andzouana (86. D. Demaj)

SCP: Dedovic – Schauerte, Scherder, Hoffmeier, Frenkert – Daube – Remberg, Holtby (55. Bindemann/90.+3 van Eijma) – Langlitz (88. Borgmann), Wegkamp, Heidemann (55. Grodowski)

Schiedsrichter: Fabian Maibaum (Dortmund) –

Tor:0:1 Wegkamp (84./FE) – Gelb: L. Demaj, Bajric / Scherder

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