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Fußball: Oberliga

Was Preußen-Coach Schulze-Marmeling an der Trainer-Ausbildung stört

Münster

Sportlich tadellos, am Ende garniert mit dem Topspiel gegen Spitzenreiter FC Gütersloh und mit der Chance auf die Meisterschaft in der Fußball-Oberliga. Aber Preußen Münster II darf nicht in die Regionalliga und zahlt den Preis des Erfolges.

Trainer Kieran Schulze-Marmeling hat mit seiner Truppe von Preußen Münster II noch zwei Rechnungen offen.

Zwei Rechnungen hat Kieran Schulze-Marmeling mit seinen Schützlingen noch offen, dann steigt auch hier eine Art Aufstiegsparty ohne Aufstieg. Am Mittwoch gastiert Spitzenreiter FC Gütersloh um 19.30 Uhr, große Bühne für die U23 des SCP, im Preußenstadion fordert der bereits feststehende Vizemeister den Ligaprimus heraus.

Im Falle eines Sieges könnte der SCP II mit einem Auswärtserfolg bei Victoria Clarholz am Ende noch auf Rang eins vorrücken, wenn Gütersloh gegen Sprockhövel Federn lässt. „Das ist jetzt Bonus, ein geiles Spiel für uns. Wir haben unser Ziel erreicht. Wenn man uns lassen würde, dann würden wir aufsteigen und nächste Saison gegen Aachen oder Wuppertal spielen“, sinniert der Coach, Platz eins und zwei berechtigen eigentlich zum Regionalliga-Aufstieg. Es bleibt dann doch bei Gievenbeck und Ennepetal.

Supersaison der "kleinen Preußen"

Eine Supersaison der „kleinen Preußen“ befindet sich auf den letzten Metern. Die Spieler, die das geschafft haben, wissen das auch. Es wird auch deshalb einen großen Umbruch geben, Schulze-Marmeling sieht das gewachsene Selbstvertrauen, aber auch die gewachsene Qualität. Er rechnet mit zwölf, 13 Abgängen, vielleicht auch noch mehr. Ein paar Namen? Elias Demirarslan und Ali Cirak (beide SV Lippstadt), Níck Selutin (Eintracht Norderstadt), Francesco Di Pierro (SC Wiedenbrück) und Seong-sun Yon (SV Straelen) gehen. Aufgefangen wird das vorerst durch gut und gern zehn Akteure aus der U 19. Noch ist es viel zu früh, um überhaupt einen Ansatz von Perspektive aufzubauen – der Umbruch und die Abwanderungswelle sind sicher.

Schulze-Marmeling kommt voran

Der Erfolg bringt das mit sich, Schulze-Marmeling darf das auch als Ertrag seiner Arbeit sehen. Sein persönlicher Weg führt ebenfalls voran, er wird neben der Aufgabe als Coach der Reserve auch als zweiter Co-Trainer für das Drittliga-Team arbeiten. „Mein Augenmerk gilt den jungen Spielern, denen ich weitere Angebote zur Weiterentwicklung bieten werde“, sagt der Ur-Altenberger. Wie es zum Beispiel gerade Marvin Benjamins erlebt. Die Offensivkraft, eigentlich Bestandteil des Aufstiegskaders zur 3. Liga, sammelt wichtige Einsatzminuten in der Reserve.

Auf dem Weg zur A-Lizenz

Der Coach selber sieht sich, trotz seines Vorankommens im Verein, einer schwierigen Situation gegenüber. Er ist bislang „nur“ Inhaber der B-Lizenz. Um sich für die A-Lizenz anmelden zu können, muss er eine Art Auffrischungskurs in Kaiserau belegen, drei Tage für 400 Euro. Das ist nur das Anfang, um die höheren Weihen zu erwerben.

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Die A-Lizenz würde ihn rund 10 000 Euro kosten und eine neunmonatige Kursdauer nach sich ziehen. Die sogenannte Uefa-Pro-Lizenz, der frühere Fußballlehrer, dürfte an die 20 000 Euro kosten. Schulze-Marmeling geht es ein bisschen so wie Lukas Pfeifer. Der 32 Jahre alte B-Lizenz-Inhaber führte den VfB Lübeck in die 3. Liga – der DFB aber droht dem Club mit Nichterteilung der Lizenz, wenn Pfeifer in Amt und Würden bleibt.

Muss Lübeck um Drittliga-Lizenz bangen?

Die Fußballlehrer-Ausbildung ist ein Muss in der Profiliga drei. Pfeifer verpasste aufgrund von Corona den Erwerb der A-Lizenz und ist damit noch weit weg von der Uefa-Pro-Lizenz. Lübeck will dennoch mit ihm in die Saison gehen, der Streit mit dem Verband ist vorgezeichnet. Alles ist möglich, Strafgelder würde es auf jeden Fall geben, Sonderregelungen dagegen nicht, selbst die Lizenzerteilung steht damit auf der Kippe.

Schwieriger Weg zu Lehrgängen

Sowieso steht die Trainerausbildung in der Kritik. „Wenn ich ein Sportstudium ohne Trainerausbildung abgeschlossen hätte, erhielte ich dafür 15 Punkte für eine Bewerbung zur Pro-Lizenz“, sagt Schulze-Marmeling. Für ein Jahr Oberliga-Trainer, unabhängig vom Erfolg, erhält ein Coach nur zwei Zähler. Der Erfolgscoach der Preußen-Reserve glaubt: „Viele Trainer werden bei diesen finanziellen Anforderungen und dem Punktesystem ihre Laufbahn beenden. Und ich meine, es werden viele gute Trainer darunter sein.“ Schulze-Marmeling glaubt nicht an das Allheilmittel Lizenz, eher lässt ihn das ratlos zurück, wie auch viele andere sehr ambitionierte Trainer in niedrigeren Klassen. Schulze-Marmeling: „Die Entwicklung ist nicht zu verstehen. Es ist wirklich verrückt.“

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